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vonlottmann 21.02.2015

Auf der Borderline nachts um halb eins

„Sein Borderline-Blog ist der Schlüssel für das Gesamtwerk des wohl besten Autors unserer Tage“ – Rainald Goetz

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Von Hans Tigertaler

„ … die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik“
(Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung)

Snobs sind unzuverlässig, denn sie können Recht haben, sagt Karl Kraus. Heute aber erkennt man Snobs daran, dass sie sich erlauben, gegen die Evidenz Unrecht zu haben.

Die Crux mit den empfindsameren Mitgliedern unserer herrschenden Klasse ist stets, dass ihr Wohlleben zur Verfeinerung ihrer Nerven beitragen mag – das macht uns ihnen gegenüber so nachsichtig – jedoch nur einen selektiven Einfluss auf die Schärfung ihres analytischen Verstandes nimmt.

Und so steht man nun vor der Tatsache, dass Religionskritik, wofür Aufklärer wie Diderot einst im Gefängnis büßten, ausgerechnet von den progressiven Mitgliedern der Bourgeoisie heute bekämpft wird wie von ihren früheren Feinden, den Pfaffen und den Adligen. Sie reden von Vorurteil.

Das wird im Zuge der Islamdiskussion an der abwegigen Verwendung des Rassismusbegriffs deutlich, wobei seine Anwender den Begriff der „gruppenspezifischen Menschenfeindlichkeit“ aufgebracht haben als Indiz für ihren Rassismusvorwurf und als dessen Definition.

Unabhängig davon, dass den Rassisten solche kleinteilige Differenzierung nach Gruppen immer fremd war – denn sie haben es gleich auf ganze Völker abgesehen – erwächst Rassismus, als Kategorie des Ressentiments, umgekehrt gerade nicht aus der komplizierten Gegnerschaft gegen die ideologische Selbstverständigung solcher Kollektive (wie etwa aus dem Koran oder der Tora), sondern stets aus der oktroyierten Zuschreibung genuiner, prinzipiell invarianter, im engeren Sinne biologischer und charakterlicher Eigenschaften, denen eben kein Mitglied dieses Kollektivs – und erst das ist ja Rassismus – irgend in seinem Leben entkommen kann. Rassismus ist ein hartnäckiges Überbleibsel vorzivilisatorischen, magischen Denkens.

Gruppenbezogene Feindlichkeit jedoch gegen Kollektive wegen ihres ideologischen Selbstverständnisses und ihres politischen Einflusses (z. B. gegen den Adel, den Klerus, die Faschisten) war in Wahrheit häufig absolute Voraussetzung sowie Ferment und Ergebnis des Fortschritts, z.B. der Aufklärung, welche die Schrecken magischen Denkens einst von uns allen in Europa genommen haben. Die summarische negative Adressierung von Gruppen prinzipiell als rassistischen Angriff einzustufen, beweist geradezu schlagend die intellektuelle und moralische Verkommenheit der inzwischen in geistige Vulgarität abgetauchten, die Folgen ihrer Versäumnisse masochistisch goutierenden Geldbürger.

Die Unfähigkeit des Bürgertums, erneut seiner historischen Aufgabe der Aufklärung nachzukommen, ist wahrhaft von erdteilerschütternder Tragik:

Ausgerechnet um eine Religion, deren konstitutiver und absoluter weltlicher Anspruch in seinem schriftlichen Kodex, dem Koran, alles in den Schatten stellt, was die christlichen Konfessionen zur Zeit der Aufklärung den Menschen zugemutet haben, wird ein fester Schutzkordon gezogen, statt öffentliche, unnachsichtige und unablässige aufklärerische Kritik zu üben wie einst gegenüber der christlichen Religion. Zu unserem vorläufigen Glück lebt nur eine Minderheit der zugewanderten Muslime bisher tatsächlich nach den Geboten ihrer Religion. Hinsichtlich dieser Minderheit jedoch haben wir es auf unserer Seite schon längst mit fortgesetzter unterlassener Hilfeleistung zu tun.

Die Furcht vor dieser Religion ist angebracht. Denn der Beispiele im Koran sind Unzählige und Ungeheuerliche, die Anwendung von sadistisch ausgemalter folternder Gewalt gegen Ungläubige ist eine durch Allah vorgelebte perennierende Empfehlung, verbunden mit der ebenso fortlaufenden Versicherung, es dabei sogar noch mit einem barmherzigen Gott zu tun zu haben.

Der größte Teil der die Weltlichkeit betreffenden Grundsätze gottgefälligen Lebens – und der Koran richtet seine Gebote so gut wie ausschließlich an die Gestaltung des weltlichen Lebens – widerstreiten unseren seit der Aufklärung erworbenen Prinzipien ja nicht irgendwie und manchmal, sondern diametral und prinzipiell.

Eine bereits im Straßenbild sich aufdrängende Erkenntnis wurde schon zu Beginn der Einwanderung in den sechziger Jahren ungläubig verdrängt: Einer Hälfte der Menschheit wird durch das wörtliche Wort Gottes ein sklavenähnlicher Status zugewiesen – den Frauen (Koran-Sure 4,34: Der Mann stehe gleich doppelt über der Frau, nämlich von Natur aus und weil er sie gekauft habe; ihr Gehorsam sei durch Prügel sicherzustellen). Die formale Rechtlosigkeit der Frau, ihr Sklavenstatus, wird an vielen Stellen und auch durch das Zugeständnis minderer materialer Rechte erst nach dem Ableben des Sklavenhalters bestätigt.

Deutschland hat sich schon frühzeitig daran gewöhnt, im eigenen Land die Sklaverei next door geflissentlich zu übersehen und totzuschweigen.

Anders als die Bibelreligionen, die – vergleichsweise – weniger direkte Weisungen zur politischen und täglichen Lebensführung enthalten, ist der Koran wesentlich und fast gänzlich nichts anderes als dies, und zwar so gut wie auf jeder Seite und, als wäre der Verfasser nicht recht gescheit, in schier endloser, hämmernder Wiederholung. Vielleicht jedoch gescheit genug, denn der sogenannten Reformierung des Islam wird dies möglicherweise unüberwindliche Hindernisse in den Weg legen – es sei denn, es vermöchten »Auslegungen« selbst noch aus einem -zigfachen »nein« ein »ja« zu machen.

Muslimischen Kulturen eignet eine Besonderheit, deren Bedeutung den Gebildeten nur wenig geläufig ist, nämlich die geringe Ausprägung der getrennten Sphären von Öffentlichkeit und Privatheit. Der Islam braucht insofern keinen Papst; gibt es Abweichungen in politischen und Religionsfragen, entsteht keine öffentliche Diskussion – Streit in der Öffentlichkeit auszutragen, belädt die Beteiligten mit Schande -, sondern in der Umma passt jeder auf jeden auf. Der Unangepasste wird nicht öffentlich kritisiert, sondern diskret »beiseite genommen«; wenn nötig, werden ihm die Instrumente gezeigt, über deren Einsatz demokratisch nach Gutdünken vor Ort entschieden wird, und niemand erfährt davon. Abgeschiedene Inquisitorik ersetzt effektiv die klärende Funktion von Öffentlichkeit und sorgt für Stabilität. Eine Stabilität, die allerdings unübersehbar mafiöse Züge trägt.

Wie sehr diskrete, Furcht und Hilflosigkeit erzeugende Gewaltandrohung eine zentrale religiöse Funktion für den stets zugleich zentrifugalen wie zentripetalen Zusammenhalt im Islam einnimmt, und was es bedeutet, wenn ihre verdeckte Ausübung in westlichen Ländern eines Tages auch die Funktionsfähigkeit unserer Institutionen durch Tangierung ihrer Träger betrifft – das sind Fragen, die sich aufklärerischer Religionskritik entwöhnte Bürger, selbst nach den Erfahrungen in den islamischen Ländern, um nichts in der Welt stellen wollen.

Angefangen mit dem islamophilen Bilderverbot und den in unseren Breiten ungewohnten und bücklinghaften Respektbezeugungen unserer Politiker vor dem „Glauben“ sind wir alle, ist das nichtmos-lemische Europa bereits dazu übergegangen, muslimische Gebote zu befolgen. Niemandem in der professionellen bürgerlichen Öffentlichkeit will das auffallen. Auch die offensichtlich in einer dauerhaften Schockstarre wurzelnde absolute Absenz aller Islamwitze, im Gegensatz zur Unzahl antiklerikaler Witze, und aller Karikaturen über den Islam kann bestenfalls als gastfreundliche Achtung vor dem frommen Fremden verstanden werden anstelle der Anerkennung als gleichberechtigter Bürger. Welch umstürzender Wandel unserer demokratischen und respektlosen Öffentlichkeit seit den siebziger Jahren! Man kann nur hoffen, dass die Selbstzensur nicht bereits als Leben und Gesundheit erhaltende Unwillkürlichkeit geübt werden muss.

Das Unbehagen der europäischen Bevölkerungen gegenüber dem Islam ist weniger einem rassistischen Ressentiment geschuldet als wohl eher der in den Bevölkerungen Europas nachklingenden Religionskritik der Aufklärung, welche zu irritieren das verkommene Bildungsbürgertum deshalb fortgesetzt unternimmt, weil bei ihm die analytischen Instrumente zur Beurteilung der Vorgänge dem börseninduzierten, über den Leisten schlagenden Herdentrieb gewichen sind. Die schlafwandelnde Bourgeoisie ist zur Stampede übergegangen wider die Aufklärung und für den Menschenmassen schiebenden Profit.

Glaubt unsere herrschende Klasse wirklich, um den fühlbaren Druck der Aufklärung für ihre zugewanderten Bürger herumzukommen und sie hier, kulturell isoliert, siedeln zu lassen, ohne mit einiger Wahrscheinlichkeit unkalkulierbare innenpolitische Konflikte in der Zukunft mit einer Religion heraufzubeschwören, die seit ihren Anfängen bis zur Stunde Ungläubige in Schrift wie Praxis ungerührt nicht als gleichwertige Mitmenschen zu behandeln dekretiert, Freundschaft zu Nichtgläubigen – insbesondere zu Christen und Juden – ausdrücklich abschottend verbietet und Abtrünnige, dem organisierten Verbrechen und einheitlicher moslemischer Gelehrtenmeinung gleich, zu ermorden befiehlt? Ihre Forderungen auf Respekt und Parallelrecht tangieren schon heute auf schockierende Weise die verfassungsmäßigen und rechtlichen Grundlagen des Gemeinwesens.

Von ihrem eigenen Wohlleben sklerotisiert, gehen die Reaktionäre unserer etablierten Parteien inzwischen sogar so weit, die Religionsfreiheit der Aufklärung in ihr Gegenteil umzudeuten. Jedoch: Nicht die Freiheit der Religion war das Programm der Aufklärung, sondern umgekehrt die Freiheit von der Religion.

Eine soziologische Organisationsbetrachtung der durch den Koran bis ins einzelne bestimmten muslimischen Gemeinschaften ergibt ein einheitliches Bild der konstituierenden, über eintausend Jahre als unabdingbar stets eingehaltenen Prinzipien:

1. Männerbündische Verfasstheit
2. Frauen und Unfreie als käufliches Sacheigentum
3. Hierarchische Ordnung mit striktem Gehorsam
4. Strenger Verhaltenskodex für alle Lebenslagen
5. Definition der Außenwelt als feindliche Umwelt
6. Austritt aus der Gemeinschaft nur als Leiche
7. Außenwelt tributpflichtig oder tot (Geld oder Leben)

Damit einer Weltreligion nachzusagen, dass die Grundlagen ihrer Weltlichkeit eine komplette Kongruenz mit den Organisationsprinzipien und -zielen des Organisierten Verbrechens aufweisen, mag nur jene erbeben lassen, die diese Religion insgeheim bereits als bedrohliche Gegenwart in unserem Land erfahren; sie würden sonst allenfalls höflich die Affizierung ihres inwendigen Knigge beklagen.

Tritt man also heraus aus dem Spiegelkabinett religiöser Ansprüche, wird sofort klar: ein gewöhnlicher ausländischer Verein wäre mit diesen koranischen Satzungsbestandteilen in Deutschland nicht zulassungsfähig, weil umstandslos und evident als Organisation des Verbrechens erkennbar.

Der Aufklärer Karl Marx sieht im Islam eine Religion, welche die Welt atavistisch in Freund und Feind teile, ihre Ausübung erfolge nicht als eine Religion des Friedens, sondern des Krieges in Permanenz. Die Vertragsfähigkeit und -treue des Islam zur Welt beurteilt er aus diesem Grund und aus historischer Erfahrung negativ.

Die wie Revierkämpfe in rund hundertjährigem Abstand regelmäßig, wie der Aufklärer Friedrich Engels schreibt, sich wiederholenden blutigen Glaubensreinigungen im Islam von europäischem Boden fernzuhalten, wird wohl deshalb umso weniger gelingen, als unser Imperialismus jeden Versuch einer bürgerlichen Revolution im Nahen Osten nicht nur seit Jahrzehnten hintertrieben hat, sondern sogar noch heute gewaltsam islamischen Ländern ihre Politik diktieren will und damit ausgerechnet die schwärzeste, die religiöse Reaktion als einzig verbliebene Kultur in den Stand einer sozialrevolutionären Ideologie erhebt.

Was die Umma, die islamische Gemeinschaft, über die vielen Jahrhunderte bis in die Gegenwart in Wahrheit am mächtigsten zusammenhält, ist die tiefe Furcht voreinander, nicht der Glaube. Denn der Apostat ist im Islam unverhüllt, vor aller Welt, vogelfrei.

Dies sind die Gründe, warum hierzulande die meisten Muslime nicht gegen ihre Menschen schächtenden Glaubensbrüder vernehmlich protestieren. Nicht entfernt so sehr, weil sie mit ihnen solidarisch sind, sondern weil sie sich vor ihnen, vor ihresgleichen, vor sich selber fürchten.

So bleibt, an Friedrich Engels‘ Betrachtung anschließend, nur festzustellen, dass die islamische Religion deshalb die erfolgreichste totalitäre Ideologie der Weltgeschichte ist, weil sie der Todesfurcht stets in Rechnung zu stellende Allgegenwart verschaffte und damit selbst noch für ihre geringsten, ihre mißratenen Mitglieder für alle Zeiten ein paradiesisches Beschäftigungsprogramm in Eigenverantwortung garantiert: die regelmäßige, grausame Jagd auf die Abgefallenen und die kasuistische, ebenso grausame auf jene Ungläubigen, die den «Ruf, den Islam anzunehmen, ungehört verhallen» lassen.

Das Bürgertum will keine Fehler mehr machen und öffnet sein inneres Ohr endlich den Minderheiten. Doch ist sein Ohr keines für das elementare Bedürfnis aller Menschen nach einem geregelten Leben, sondern es ist stets sein religiöses, auf Überhöhungen geeichtes Ohr, der dahinter liegende Brägen der Vergangenheit, denn Überhöhungen sind kostenfrei. Sein neues wirtschaftliches Bekenntnis wird zurzeit geübt: „Der Islam ist eine Religion des Friedens. Credo, quia absurdum.“

Wir werden unseren Moslems die Aufklärung womöglich selber antun müssen. Während die Freikorps des Islam sich zu sammeln scheinen, ist unsere Bourgeoisie von ihren eigenen Untaten wie paralysiert und deshalb mitfühlend untätig. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte spricht dasjenige für sie, was zugleich gegen sie spricht.

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