http://blogs.taz.de/lottmann/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/01/Bildschirmfoto-2018-01-31-um-08.26.47.png

vonlottmann 02.04.2016

Auf der Borderline nachts um halb eins

„Sein Borderline-Blog ist der Schlüssel für das Gesamtwerk des wohl besten Autors unserer Tage“ – Rainald Goetz

Mehr über diesen Blog

Als Kind saß ich einmal angeblich – so erzählte man mir später – auf dem Schoß von Hans-Dietrich Genscher. Er war einer meiner beiden Nenn-Onkel, also Onkel Genscher, neben Onkel Mischnik. Von Onkel Mischnik habe ich nie wieder etwas gehört, dafür von Walter Scheel, der nicht Onkel wurde, aber Bundespräsident. Onkel Genscher begegnete mir noch tausendmal, nämlich allabendlich im Fernsehen. Ich habe nie begreifen können, was an ihm dran sein sollte. In gewisser Weise war er das Gegenteil des Mannes, der ihm Jahrzehnte später nachfolgte, nämlich Guido Westerwelle. War Genscher nichtssagend bis zur Gehirnschlag, so wirkte der stets keifende, feuerspeiende, hasserfüllte und haßauslösende Westerwelle, Ikone der Besserverdienenden, provozierend bis zur Unerträglichkeit. Doch zurück zu Onkel Genscher in meiner Kindheit. Mein Vater, Landesvorsitzender der FDP, glühender Verehrer der neuen Ostpolitik Willy Brandts, hatte ebenfalls nichts übrig für ‚Genschman‘. Er hielt das ehemalige NSDAP-Mitglied für den typischen Funktionär und Mann der Geheimdienste. Brandts Sturz hatte dann ja auch sehr viel mit Genscher zu tun, wie sich zeigen sollte. Heute tönen überall die Fanfaren und Jubelrufe, für Genscher wie für Westerwelle. Beide, fast am selben Tag gestorben, sind tot und damit automatisch wunderbar. Riesenstaatsmänner. Jahrhundertpolitiker. Mit Sinn für Humor. Voller Menschlichkeit. Immer nah am Bürger. Total authentisch. Ganz anders als andere Politiker. Stets mit einem Wort für den kleinen Mann. Unverwechselbar. Gigantisch. Und couragiert der Krankheit trotzend bis zum letzten Atemzug! Vorbilder für alle künftigen Generationen!
Humor, echt? Beide waren ausgesprochene Ekel. Und nebenbei Totengräber der bedeutendsten politischen Bewegung der letzten 175 Jahre in Deutschland, des Liberalismus.

images images-2

Die drei bedeutendsten Taten Guido Westerwelles:

  1. Steuersenkungen versprochen und nicht gehalten
  2. Steuersenkungen versprochen und nicht gehalten.
  3. Maschine der Bundesregierung auf Staatsbesuchen mit halbseidenen Eventmanagern so lange vollgestopft, bis selbst den Wohlmeinendsten der Kragen platzte.

Die 3 bedeutendsten Taten Hans-Dietrich Genschers:

  1. Sturz Willy Brandts durch den Spion Guillaume, wobei Genscher Brandt als Versuchskaninchen mißbrauchte.
  2. Sturz Helmut Schmidts durch Verrat an Kohl.
  3. Auslösen des Balkankrieges durch vorzeitige Anerkennung Kroatiens.
Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/lottmann/2016/04/02/der-etwas-andere-nachruf-hans-dietrich-genscher-und-guido-westerwelle/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.