SPD-Mitglieder fordern Rücktritt von Martin Schulz vom Amt des Kanzlerkandidaten

Ich gehöre zu jenen – neben einigen wenigen in meinem meist aus Jüngeren bestehenden Freundeskreis – , die noch in den 80er Jahren in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands eintraten. Damals begann man das Berufsleben schon mit Anfang zwanzig und nicht mit abgeschlossenem Zweitstudium und 32 Jahren. Ich wurde Volontär bei einer großen deutschen Tageszeitung, und weil das DIE WELT war, wappnete ich mich gegen den dortigen Konservatismus mit besagtem SPD-Eintritt. Willy Brandt lebte noch, alles war gut.

Doch nun, die Zeit ist schnell vergangen, ist plötzlich Martin Schulz der Kandidat, und mit ihm der „Schulz-Fluch“, ein Phänomen, das es mir und den anderen SPD-Mitgliedern schwer macht, uns im Wahlkampf hoffnungsvoll zu engagieren. Wissen wir doch: Schulz verliert.

Vergessen wir kurz den „Schulz-Fluch“ und überlegen, warum der Mann, der einen Gerechtigkeits-Wahlkampf führt, wirklich verliert. Es ist sehr einfach: weil die meisten Bürger ihr Leben gar nicht als ungerecht empfinden. Es geht ihnen gut. Sie leben gern, sie haben sich mit Fleiß und Geschick hochgearbeitet, waren dabei trotzdem solidarisch, sind stolz auf ihre Lebensleistung. Die Kinder sind wohlgeraten und oft schon verheiratet, sie sind auch nicht rebellisch und unfreundlich wie frühere Jugendgenerationen, man geht lieb miteinander um und freut sich des Lebens. Urlaub wird in der DomRep gemacht (Domenikanische Republik), was gerade die kleinen Leute ebenso stolz macht wie die Tatsache, nicht mehr zur Miete zu wohnen sondern im Eigenheim. In der Garage steht der ‚Mokka‘, das ist ein hübscher SUV von Opel. DIESEN Leuten kommt nun Martin Schulz mit seinem Weltbild von 1780, wonach unten das Volk hungert und oben die Reichen das Geld verprassen und im Prunk ersaufen. Wo hat er dieses Bild von der Großen Ungerechtigkeit bloß her? Hat er sich seine Bevölkerung nie angeschaut? Entwickelt man in Brüssel diese Phantasien von der „Alleinerziehenden, die drei Jobs gleichzeitig annimmt und am Ende des Tages sehen muß, daß es zum Leben nicht reicht“? Er glaubt jedenfalls, daß die heutige Bundesrepublik zu mindestens 51 Prozent aus solchen „Verlierern“ besteht und will ihre Stimmen ergattern. Was für ein Fehler.

So kann das nichts werden. Ich und meine SPD Freunde fordern daher von Martin Schulz den sofortigen Rücktritt vom Posten des Kanzlerkandidaten. Wir möchten für einen SPD Spitzenkandidaten Wahlkampf machen, der ein realistisches Bild von den Bürgern hat.

Auf verlorenem Posten: SPD Wahlkämpfer Joachim Lottmann beim beginnenden Bundestagswahlkampf am 1. Mai 2017, schon sichtbar belastet durch den sogenannten „Schulz-Fluch“.

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