Die zweite Staffel ist da. Gesellschaft der Literaturfreunde veröffentlicht weitere Texte der Joachim Lottmann Gesamtausgabe

Die angesehene „Gesellschaft der Literaturfreunde Frank Hornung e.V.“ ediert seit 2016 die umfangreiche Joachim Lottmann Gesamtausgabe und leistet damit auch dem Hausverlag des Autors Kiepenheuer & Witsch eine nicht unbeträchtliche Hilfe bei der Veröffentlichung des mit Spannung erwarteten Memoires „DIE WELT VON GESTERN. Aufstieg und Niedergang der Popkultur“ (ET Frühjahr 2019).

Die erste Staffel brachte Erlebnisse des ‚Erfinders der deutschen Popliteratur‘ in seiner Zeit in München Schwabing, wo es ihn unmittelbar nach der Ablage des mündlichen Abiturs hingezogen und wo er im Sommer 1977 das Studium der Literaturwissenschaft („Neuere deutsche Literatur“) begonnen hatte.

Der Ton des jungen Mannes, der im Dezember 1976 mit dem Schreiben begann, ist von Anfang an vertraut und bis heute unverändert. Inhaltlich kommt er uns dagegen ruppiger, gnadenloser und unversöhnlicher vor, was der extremen Jugend geschuldet sein sollte.

Auch die zweite Staffel, die der Erste Vorsitzende der Gesellschaft, eben Frank Hornung, nun zu publizieren beginnt – jeden Montag um 20 Uhr erscheint eine weitere Folge – knüpft nahtlos an diese Zeit in München an. Der blutjunge Student und Ich-Erzähler sammelt erste wichtige Erfahrungen mit Frauen, was ihn dazu bringt, den süddeutschen Raum zu verlassen und in seine Geburts- und Vaterstadt Hamburg zurückzukehren. Die norddeutschen Mädchen, ehrlich und gutmütig, ängstigen ihn offenbar weniger als die katholisch-bayerischen Rollenspiele der Geschlechter, die er nicht beherrscht.

In Hamburg warten die Großfreunde auf ihn. Das ist der Freundeskreis um Diedrich Diederichsen, Nicola Reidenbach, Stephan T. Ohrt, Martin Kippenberger und ihm selbst, Joachim Lottmann, der sich erst kurz zuvor, im März 1976 gebildet hatte. Der Münchener Ausflug erscheint nun politisch irrelevant, als ein Irrtum; dennoch war er literarisch nicht uninteressant und für das weitere Leben als Autor entscheidend. Denn gerade das schmerzliche Fehlen der im Wortsinne geliebten Großfreunde im herzlos-einfältigen München hat Lottmann zum Schreiben angeregt, ja könnte vielleicht sogar mutmaßen, gezwungen.

In Hamburg, so ahnt der mit Vorwissen ausgestattete Lottmannleser, beginnt die Konfrontation zweier Zeitalter, nämlich das der scheinbar noch andauernden 70er Jahre mit dem der 80er Jahre, das den Großfreunden bereits inhärent ist. Jene Menschen um Diederichsen, Ohrt, Reidenbach und Lottmann (es werden bald mehrere Dutzend sein) gilt das Hippietum und die linke Orthodoxie wenig bis nichts. Eine neue Ästhetik und eine „Kritik der Kritik“ (Helge Malchow) bricht sich Bahn, ein neues Lebensgefühl aus Erotik, Überschwang, Mode und vor allem einer neuen, hardrockhassenden Musik ist in Lottmanns „Tagebuch“ in der Vorform des Entstehens zu beobachten. Germanisten sprechen für die Münchener Zeit vom sogenannten ‚Fritz Brinckmann Buch‘, nach dem legendären Fotographen und Lottmannfreund Fritz Brinckmann, damals 18, der monatelang nackte Mädchen in der Studentenbude des Autors ablichtete. Doch sollte man nicht vorgreifen. Die Originaltexte sind in den nächsten Monaten unter folgendem Link abzurufen:

https://www.gesellschaft-der-literaturfreunde.de/single-post/2017/08/21/Das-Fritz-Brinkmann-Buch-16

Dr. Frank Hornung, Vorsitzender der Gesellschaft der Literaturfreunde, mit einem druckfertig edierten Band der frühen ‚Tagebücher‘ Joachim Lottmanns, vor einem Ölgemälde der Münchener Nachkriegs-Maler-Ikone Walter Klose.

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