Der journalistische Text, der im abgelaufenen Jahr den meisten Wirbel für mich (oder gegen mich) verursachte, war zweifellos die Reportage über Christina Stürmer in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Er wurde selbst in der Kronen Zeitung – das ist sozusagen die BILD Zeitung Österreichs – faksimile nachgedruckt, mit einem erklärenden Text drumrum. Angeblich hatte ich als Deutscher einen österreichischen Star beleidigt. Das stimmte nur zum Teil. Ich fand den Menschen Christina Stürmer völlig in Ordnung und schrieb das auch. Daß ich es mir nicht verkneifen konnte, die falsche Welt der Casting Shows mächtig unter Feuer zu nehmen, stand auf einem anderen Blatt. Eine recht honorige Rolle spielte bei allem der ebenfalls recht sympathische und noch junge Manager der Sängerin, der mir erst sehr half bei der Recherche, dann für den erstaunlich heftigen Skandal sorgte – mein Buch ‘Hundert Tage Alkohol’ war dadurch binnen Tagen ausverkauft – und der dennoch so versöhnlich… weiter lesen
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Gerrit Bartels vom ‘Tagesspiegel’ schien es schon vor sechs Monaten zu wissen: “Das Jahr 2011 könnte allem Anschein nach das definitive Joachim-Lottmann-Jahr werden, und dem sympathischen, so lange schon unterschätzten Autor wäre es sogar zu gönnen.” Nun erschienen im Herbst gleich zwei neue Romane, nämlich ‘Hundert Jahre Alkohol’ und ‘Unter Ärzten’, sodaß sich die kluge Prophetie des Berliner Literaturkritikers bewahrheitete.
Soweit die Bücher des Jahres 2011. Mehr dazu in der nächsten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (*). Wer aber waren meine Menschen des Jahres? Da wären neben meiner lieben neugewonnenen Frau Christa in erster Linie die offiziellen, staatlich anerkannten Facebookfreunde zu nennen. Ihnen möchte ich alles Gute wünschen:
Adriano Sack, Albert Sellner, Albrecht Fuchs, Alexander Lass, Alexandra Ali Mühling, Alexandra Ehrlich, Alexandra Reisinger, Alrun Gerda, Amaryllis Sommerer, András Siebold, Andrea Hanna Huenniger, Andrea Maria Dusl, Andries Bonkers, Angelikinski Diem, Anja Fröhlich, Anja Kallendorf, Anja Karg, Anke Sterneborg, Ann-Katrin Dorner, Anna… weiter lesen
Grußbotschaft eines Exilierten anläßlich des Jubiläums-Treffens der Abitursklasse des Hamburger Gymnasiums Eppendorf:
“Meine lieben Klassenkameraden! Liebe Hegelianer! Vor allem lieber Dirk Koedjik, lieber Jörg Wiskemann! Lieber Peter Riechel, Hans-Georg Güler, Michael Hirt… Jochen Köttl… Harry Peters… Jochen Widegreen… und alle, alle anderen! Gern wäre ich heute bei Euch in Hamburg, doch leider habe ich unser deutsches Vaterland im Frühsommer dieses Jahres auf immer verlassen, und es ist wirklich schwer, von hier aus bis in den höchsten Norden des Landes vorzudringen. Ich hätte es dennoch getan und auch fest eingeplant gehabt – bis mich eine Order einer der beiden Zeitungen, bei denen ich unter Vertrag stehe, erreichte, wonach ich diesen Samstag, also heute, den Schriftsteller Matthias Matussek aufzusuchen habe. Ich soll mit ihm einen Weihnachtsmarkt besuchen und darüber schreiben. Falls es Euch interessiert, könnt Ihr nächste Woche in der Wochenzeitung DIE ZEIT penibel nachverfolgen, was ich in den Stunden, in… weiter lesen
Trimphaler Beginn von Angelika Hagers Karriere als Romanautorin: im Kaffeehaus Korb stellte sie heute abend ihr Buch ‘Venus im Koma’ vor. Daß sie eine brilliante Leserin und Performerin ist, zeigte sie schon zwei Tage zuvor im Rabenhof Theater, als sie die ‘Lange Nacht der Kolumnisten’ mit ihrem Auftritt adelte. Angelika Hager ist die beliebteste, meistgelesenste Kolumnistin des Landes (‘Polly Adler’). Diesmal aber fiel ihr etwas vermeintlich noch Besseres ein, indem sie die größte KOMÖDIANTIN des Landes und des Burgtheaters, Maria Happel, den Vortritt beim Lesen ließ. Die las dann auch wirklich sehr lustig, konnte aber die Austrahlung nicht ersetzen, die die beeindruckende Persönlichkeit der Autorin gerade auf der Bühne hervorbringt. Nun gut, der Abend war trotzdem von allerbester Laune getragen, der Raum war total überfüllt, und jeder, der kam, muß wohl ein jahrelanger Fan der Kultkolumnistin gewesen sein. Der Kulturstaatssekretär war natürlich da, ein Vertreter des Bürgermeisters, die gesamte Klatschpresse… weiter lesen
Gestern hatte Oscar Wildes bestes Drama in der Nachdichtung respektive Adaption von Elfriede Jelinek im Wiener Akademie Theater Premiere. Es war ein stürmischer Abend mit einem begeisterten Publikum. Die Leute gingen von der ersten bis zur letzten Minute mit und fingen manchmal mitten im Stück an, wild zu klatschen (‘Szenenapplaus’). Die bekamen offenbar wirklich etwas für ihr Geld. Das Sprachfeuerwerk Oscar Wildes hatte Elfriede Jelinek noch einmal um fünfzig Prozent gesteigert, das heißt mit eigenen lustigen und verblüffenden Einfällen angereichert. Es ging zu wie auf dem Fußballplatz. Finale Champions League. Undenkbar in einem deutschen Theater. Richtig Spaß!
Die zugrundeliegende Idee des Ganzen war es, das Stück, geschrieben im vorvorigen Jahrhundert, auf die Grasser-Swarowski-Szene von heute zu beziehen. Der korrupte Politiker Heinz Grasser und seine milliardenschwere Frau Fiona Swarowski sind in Österreich äußerst bekannt. Oscar Wilde, der in seinem Stück so ganz nebenbei und für jeden verständlich den gesamten Kapitalismus… weiter lesen
Er hat es tatsächlich geschafft. Am gestrigen Nationalfeiertag Österreichs wurde von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer mitten in der Wiener Hofburg, seinem Amtssitz, ein Monumentalwerk Thomas Draschans (Foto, mit Joachim Lottmann) eingeweiht. Medien aus über 20 Ländern waren zugegen, zumal direkt vor und in der Hofburg, nämlich auf dem berühmten Heldenplatz, die größte Heeresparade der jüngeren österreichischen Geschichte stattfand.
Das Bild zeigt beziehungsweise verarbeitet Fotomotive, zumeist historische, aus allen neun Bundesländern. Lediglich das Burgenland war aufgrund seiner zwiespältigen Vergangenheit nur mit einer einzigen Aufnahme vertreten, noch dazu mit einem eher lächerlichen Storch-Foto. Bis in die aktuelle Gegenwart hinein sind in diesem Landesteil berüchtigte militärische Sondereinheiten des Heeres stationiert, die Jagd auf vermeintlich illegale Ausländer machen. Die einzelnen, ineinandergeschichteten Motive des OEuvres stammen aus den 50er Jahren und zeigen die ‘roots’ des Alpenstaates, zum Beispiel die falsche Fröhlichkeit des touristischen Skisports, die ausgestellt-verklemmte, ja notgeile Sexualität der österreichischen ‘süßen Mädel’, Hochzeiten,… weiter lesen
Schon nach knapp 24 Stunden ist allen die Erschöpfung anzusehen (Foto). Ich bin mit beiden Büchern dabei (in der Tasche). Der Verkauf ist gut. Von ‘Hundert Tage Alkohol’ ist die Startauflage schon weg. Der Czernin Verlag hat heute morgen um zehn Uhr das Buch nochmals auf einer eigens einberufenen Messeveranstaltung groß herausgestellt. Der Andrang war erstaunlich. Vielleicht lag es an dem ganzseitigen Bericht darüber in der aktuellen FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG. Hier noch einmal der Link dazu:
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Auf dem Foto kann man gut erkennen, daß ich ein paar Bücher zuviel signieren und mit ein paar Menschen und Medienleuten zuviel hatte reden müssen. Nicht alle sind schließlich so anregend wie Volker Weidermann. Und dann habe ich gerade fast noch mein letztes Exemplar von ‘Unter Ärzten’ verloren. Ein ‘Lottmannfan’ hatte sich während der Ansprache an meiner rosafarbenen Umhängetasche herangemacht…

Gestern vor genau vor 30 Jahren entstand ein kleiner Film für das damalige deutsche Privatfernsehen – es gab erst einen einzigen Privatsender – mit den jungen Kulturschaffenden Diedrich Diederichsen (24), Stephan T. Ohrt (25) und Joachim Lottmann (23). Der Regisseur war Richard L. Wagner, damals kaum älter und bereits vor zehn Jahren verstorben. Auch Stephan T. Ohrt starb sehr früh, nämlich 1990. Er wurde nur 33 Jahre alt. Dennoch gilt er bis heute als frühe Kultfigur der Neue Deutsche Welle Bewegung sowie der Popfraktion innerhalb der Neuen Wilden Malerei Anfang der 80er Jahre:
Mit Erlaubnis des ‘Standard’ können wir auf taz.online Teile der Begrüßungsrede, die gestern während der Doppel-Buchpräsentation gehalten wurde (Bericht darüber siehe Vortag), veröffentlichen:
„Ich frage mich, warum die Wiener mich nicht leiden können sollen…“
Einleitungsrede zur Doppel-Buchpräsentation der beiden Romane UNTER ÄRZTEN und HUNDERT TAGE ALKOHOL von Joachim Lottmann
“Seit dem 4. März lebe und wohne ich in Österreich. Seit diesem Tag habe ich mit einem Phänomen zu tun, das man den angetragenen Rassismus nennen könnte. Es ist, als würde man mir auf dem silbernen Tablett eine Rolle anbieten, wie ein Gastgeschenk, und diese Rolle heißt: Deutsche sind ja so unbeliebt in Österreich. Ich Armer müsse darunter bestimmt leiden. Ich verdiene das Mitleid der wenigen Aufrechten, die die Deutschen nicht hassen würden. Mir ginge es quasi so wie dem Schwarzen in Minnesota, dem Preußen in Bayern, dem Georgier in Ossetien, dem Armenier in Berg-Karabach, dem Ostwestfalen in Nordwestfalen, dem… weiter lesen
Ja, man spürt sie durchaus, die zunehmende Aufgeregtheit der Menschen, die heute nachmittag die Mariahilferstraße bevölkern (Foto). Von der Mariahilferstraße geht die Schottenfeldgasse ab, und gleich an der Ecke, nämlich in der Nr. 3, wird heute das LOTTMANN’s mit einer Doppel-Buchpräsentation eröffnet, mit den neuen Romanen UNTER ÄRZTEN von Kiepenheuer & Witsch und HUNDERT TAGE ALKOHOL vom Czernin Verlag.
Star des Abends wird sicherlich Christa Zöchling werden, mit mir verlobt seit dem 14. September und nun erstmals öffentlich zu sehen (hallo Fans, Handycamera bereithalten!); aber auch Thomas Draschan, der den Verleger Helge Malchow spielt, und Philipp Hochmair, der HUNDERT TAGE ALKOHOL liest, werden viel bewegen. Wie natürlich auch Czernin-Verleger Dr. Benedikt Maria Föger (Redner), Kiepenheuer & Witsch Cheflektor Marco Verhuelsdonk (Laudator, Moderator, Lebensmensch, dunkelhaariger Belgier und Frauenschwarm) und zahllose liebe und wichtige Freunde, vor allem jene, die mich nach Wien holten und vor Berlin Mitte retteten. Auch Julia Heuse… weiter lesen