Trimphaler Beginn von Angelika Hagers Karriere als Romanautorin: im Kaffeehaus Korb stellte sie heute abend ihr Buch ‘Venus im Koma’ vor. Daß sie eine brilliante Leserin und Performerin ist, zeigte sie schon zwei Tage zuvor im Rabenhof Theater, als sie die ‘Lange Nacht der Kolumnisten’ mit ihrem Auftritt adelte. Angelika Hager ist die beliebteste, meistgelesenste Kolumnistin des Landes (‘Polly Adler’). Diesmal aber fiel ihr etwas vermeintlich noch Besseres ein, indem sie die größte KOMÖDIANTIN des Landes und des Burgtheaters, Maria Happel, den Vortritt beim Lesen ließ. Die las dann auch wirklich sehr lustig, konnte aber die Austrahlung nicht ersetzen, die die beeindruckende Persönlichkeit der Autorin gerade auf der Bühne hervorbringt. Nun gut, der Abend war trotzdem von allerbester Laune getragen, der Raum war total überfüllt, und jeder, der kam, muß wohl ein jahrelanger Fan der Kultkolumnistin gewesen sein. Der Kulturstaatssekretär war natürlich da, ein Vertreter des Bürgermeisters, die gesamte Klatschpresse… weiter lesen
Gestern hatte Oscar Wildes bestes Drama in der Nachdichtung respektive Adaption von Elfriede Jelinek im Wiener Akademie Theater Premiere. Es war ein stürmischer Abend mit einem begeisterten Publikum. Die Leute gingen von der ersten bis zur letzten Minute mit und fingen manchmal mitten im Stück an, wild zu klatschen (‘Szenenapplaus’). Die bekamen offenbar wirklich etwas für ihr Geld. Das Sprachfeuerwerk Oscar Wildes hatte Elfriede Jelinek noch einmal um fünfzig Prozent gesteigert, das heißt mit eigenen lustigen und verblüffenden Einfällen angereichert. Es ging zu wie auf dem Fußballplatz. Finale Champions League. Undenkbar in einem deutschen Theater. Richtig Spaß!
Die zugrundeliegende Idee des Ganzen war es, das Stück, geschrieben im vorvorigen Jahrhundert, auf die Grasser-Swarowski-Szene von heute zu beziehen. Der korrupte Politiker Heinz Grasser und seine milliardenschwere Frau Fiona Swarowski sind in Österreich äußerst bekannt. Oscar Wilde, der in seinem Stück so ganz nebenbei und für jeden verständlich den gesamten Kapitalismus… weiter lesen
Er hat es tatsächlich geschafft. Am gestrigen Nationalfeiertag Österreichs wurde von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer mitten in der Wiener Hofburg, seinem Amtssitz, ein Monumentalwerk Thomas Draschans (Foto, mit Joachim Lottmann) eingeweiht. Medien aus über 20 Ländern waren zugegen, zumal direkt vor und in der Hofburg, nämlich auf dem berühmten Heldenplatz, die größte Heeresparade der jüngeren österreichischen Geschichte stattfand.
Das Bild zeigt beziehungsweise verarbeitet Fotomotive, zumeist historische, aus allen neun Bundesländern. Lediglich das Burgenland war aufgrund seiner zwiespältigen Vergangenheit nur mit einer einzigen Aufnahme vertreten, noch dazu mit einem eher lächerlichen Storch-Foto. Bis in die aktuelle Gegenwart hinein sind in diesem Landesteil berüchtigte militärische Sondereinheiten des Heeres stationiert, die Jagd auf vermeintlich illegale Ausländer machen. Die einzelnen, ineinandergeschichteten Motive des OEuvres stammen aus den 50er Jahren und zeigen die ‘roots’ des Alpenstaates, zum Beispiel die falsche Fröhlichkeit des touristischen Skisports, die ausgestellt-verklemmte, ja notgeile Sexualität der österreichischen ‘süßen Mädel’, Hochzeiten,… weiter lesen
Schon nach knapp 24 Stunden ist allen die Erschöpfung anzusehen (Foto). Ich bin mit beiden Büchern dabei (in der Tasche). Der Verkauf ist gut. Von ‘Hundert Tage Alkohol’ ist die Startauflage schon weg. Der Czernin Verlag hat heute morgen um zehn Uhr das Buch nochmals auf einer eigens einberufenen Messeveranstaltung groß herausgestellt. Der Andrang war erstaunlich. Vielleicht lag es an dem ganzseitigen Bericht darüber in der aktuellen FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG. Hier noch einmal der Link dazu:
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Auf dem Foto kann man gut erkennen, daß ich ein paar Bücher zuviel signieren und mit ein paar Menschen und Medienleuten zuviel hatte reden müssen. Nicht alle sind schließlich so anregend wie Volker Weidermann. Und dann habe ich gerade fast noch mein letztes Exemplar von ‘Unter Ärzten’ verloren. Ein ‘Lottmannfan’ hatte sich während der Ansprache an meiner rosafarbenen Umhängetasche herangemacht…

Gestern vor genau vor 30 Jahren entstand ein kleiner Film für das damalige deutsche Privatfernsehen – es gab erst einen einzigen Privatsender – mit den jungen Kulturschaffenden Diedrich Diederichsen (24), Stephan T. Ohrt (25) und Joachim Lottmann (23). Der Regisseur war Richard L. Wagner, damals kaum älter und bereits vor zehn Jahren verstorben. Auch Stephan T. Ohrt starb sehr früh, nämlich 1990. Er wurde nur 33 Jahre alt. Dennoch gilt er bis heute als frühe Kultfigur der Neue Deutsche Welle Bewegung sowie der Popfraktion innerhalb der Neuen Wilden Malerei Anfang der 80er Jahre:
Mit Erlaubnis des ‘Standard’ können wir auf taz.online Teile der Begrüßungsrede, die gestern während der Doppel-Buchpräsentation gehalten wurde (Bericht darüber siehe Vortag), veröffentlichen:
„Ich frage mich, warum die Wiener mich nicht leiden können sollen…“
Einleitungsrede zur Doppel-Buchpräsentation der beiden Romane UNTER ÄRZTEN und HUNDERT TAGE ALKOHOL von Joachim Lottmann
“Seit dem 4. März lebe und wohne ich in Österreich. Seit diesem Tag habe ich mit einem Phänomen zu tun, das man den angetragenen Rassismus nennen könnte. Es ist, als würde man mir auf dem silbernen Tablett eine Rolle anbieten, wie ein Gastgeschenk, und diese Rolle heißt: Deutsche sind ja so unbeliebt in Österreich. Ich Armer müsse darunter bestimmt leiden. Ich verdiene das Mitleid der wenigen Aufrechten, die die Deutschen nicht hassen würden. Mir ginge es quasi so wie dem Schwarzen in Minnesota, dem Preußen in Bayern, dem Georgier in Ossetien, dem Armenier in Berg-Karabach, dem Ostwestfalen in Nordwestfalen, dem… weiter lesen
Ja, man spürt sie durchaus, die zunehmende Aufgeregtheit der Menschen, die heute nachmittag die Mariahilferstraße bevölkern (Foto). Von der Mariahilferstraße geht die Schottenfeldgasse ab, und gleich an der Ecke, nämlich in der Nr. 3, wird heute das LOTTMANN’s mit einer Doppel-Buchpräsentation eröffnet, mit den neuen Romanen UNTER ÄRZTEN von Kiepenheuer & Witsch und HUNDERT TAGE ALKOHOL vom Czernin Verlag.
Star des Abends wird sicherlich Christa Zöchling werden, mit mir verlobt seit dem 14. September und nun erstmals öffentlich zu sehen (hallo Fans, Handycamera bereithalten!); aber auch Thomas Draschan, der den Verleger Helge Malchow spielt, und Philipp Hochmair, der HUNDERT TAGE ALKOHOL liest, werden viel bewegen. Wie natürlich auch Czernin-Verleger Dr. Benedikt Maria Föger (Redner), Kiepenheuer & Witsch Cheflektor Marco Verhuelsdonk (Laudator, Moderator, Lebensmensch, dunkelhaariger Belgier und Frauenschwarm) und zahllose liebe und wichtige Freunde, vor allem jene, die mich nach Wien holten und vor Berlin Mitte retteten. Auch Julia Heuse… weiter lesen
Viel zu früh und für uns Nachgeborenen schmerzlich verstarb letzte Woche Christian Kracht (im Foto Dritter von links neben der Buhlschaft während der Salzburger Festspiele 1937). Ich habe ihn gut gekannt. Nach dem Krieg war er wie ich Volontär bei der WELT. Später wechselten wir als Redakteure zum Hamburger Abendblatt. Kracht wurde Assistent des aufstrebenden Verlegers Axel Cäsar Springer.
Wirklich nur Assistent? Es gab Jahrzehnte, da leitete er de facto den Springer Verlag. Spätestens dann, wenn der visionäre Verleger dieses Lieblingswort, ‘visionär’ also, zu ernst nahm und sich monatelang für Jesus Christus hielt. Dann war es Kracht, der den übergeschnappten Springer diskret aus dem Verkehr zog und jeden Skandal unbemerkt und säuberlich austrat. Krachts Gespür für spannende Storys (s.a. ‘Faserland’, der Romanerfolg seines Sohnes, dessen Story vom Vater stammte) und schnelle, aktuelle Nachrichten halfen, die Auflagen der Springer Zeitungen rasant in die Höhe schießen zu lassen.
Als Springer… weiter lesen
In Wien gibt es einen bemerkenswerten jungen Künstler, der Thomas Draschan heißt und manchmal als der ‘Martin Kippenberger des 21. Jahrhunderts’ bezeichnet wird. Ich mag ihn sehr, und so tat es mir leid, ihn aufgrund unserer Deutschlandreise längere Zeit aus den Augen zu verlieren. Dabei war unsere erste Station Hamburg, eine Stadt also, in der Kippenberger seine besten Jahre verbracht hatte.
Wir besuchten D.Trance Stamer im Grindelhof 8, die Lottmanns in der Fontanestraße 3 in Hochkamp, stellten uns überall vor und reisten nach Berlin weiter, wo wir Helge Malchow, Eva Menasse, Michael Kumpfmüller, Tilman Spengler, meinen Bruder Eckart und alle people aus der Medienszene trafen. Thomas Lindemann interviewte mich in der Maxim Biller Bar in der Kastanienallee. Überall ging es um die bevorstehende Hochzeit und die Doppelpräsentation der Romane UNTER ÄRZTEN (Kiepenheuer & Witsch) und HUNDERT TAGE ALKOHOL (Czernin Verlag) am 5. Oktober 2011. Helge Malchow, bedeutendster Verleger im… weiter lesen
Auf vielfachen Wunsch folgt hier nun der besprochene Text von Gerrit Bartels im Tagesspiegel:
“Nein, so leicht lässt sich dieser Schriftsteller nicht unterkriegen. Ja, er schwimmt geradezu obenauf nach der Verleihung des Wolfgang-Koeppen-Preises im vergangenen Jahr. Dass 2011 das ultimative Lottmann-Jahr werden könnte, das deutete Joachim Lottmann vor ein paar Wochen mit seinem Erscheinen beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt an. Als Berichterstatter für das Wiener Nachrichtenmagazin „Profil“ war er an den Wörthersee gekommen, um sich wie üblich mit der seiner Ansicht nach wirklichkeitsfernen Jury auseinanderzusetzen, die von der Jury arg gerupfte Jungautorin Antonia Baum über alle Maßen zu loben und den Gewinner des Publikumspreises exakt vorherzusagen, wie man in seinem taz-Blog nachlesen konnte: den „ostdeutschen Autor“ Thomas Klupp (der übrigens in Erlangen geboren ist.
In einem Nachtrag jubelte Lottmann: „Der tollkühne Jungmarxist hat den Preis wirklich gewonnen!“
Natürlich gab es noch andere Gründe für Lottmann, seinen Lieblingswettbewerb des deutschsprachigen… weiter lesen