Wenn Brause und Modemagazine auf Holzleim und Schrauben treffen

Im Herbst 2005 eröffnete Doris Heil die Heil Quelle in der Pannierstraße. Seitdem hat sich einiges verändert: aus dem Telecafé und Getränkeladen wurde bald ein Späti mit dem umfangreichsten Zeitschriften- und Magazinsortiment im Reuterkiez. Vor einem halben Jahr zog die Heil Quelle ein paar Blocks weiter und verkauft nun auch Handwerksbedarf.

 


 

Ich kann mich noch erinnern, wie ich das erste Mal im Winter 2005/ 2006 die Heil Quelle betrat. In den letzten Jahren wurde aus der Heil Quelle der Späti meines Vertrauens. Aus den engen Telefonkabinen habe ich schon nach Schweden und New York telefoniert, ich habe unzählige Zitronenlimonaden, Zeitungen und Magazine gekauft und nie verließ ich den Laden, ohne kurz mit der Betreiberin Doris Heil oder ihrem Mitarbeiter zu schnacken. Bisher lag die Heil Quelle immer auf meinem Weg, seit sie wenige Meter weiter gezogen ist, muss ich mir vornehmen, hinzufahren.

 

Bis zum Sommer 2012 war die Heil Quelle in der Pannierstraße/ Pflügerstraße zu Hause. Dann musste der Kiezladen einem Restaurant weichen und die Suche nach leerstehenden Räumen gestaltete sich doch schwieriger als gedacht. Weil in der Nachbarschaft schon seit einiger Zeit bekannt war, dass der Handwerksladenbesitzer aufhören will, kam Doris Heil auf die Idee, diesen Laden zu übernehmen. „Der Handwerksladen“, sagt sie, „ist ein seit 20 Jahren eingespieltes Geschäft und funktioniert.“ Nun wird also kombiniert. Neben Tabakwaren, Getränken und Zeitschriften kann man nun auch Holzleim, Schrauben und Lüsterklemmen bei ihr erstehen. Den Bedarf daran gibt es ja. Und die Heil Quelle, so erzählt sie, war sowieso immer im Wandel. „Am Anfang lief das mit den vier Telefonkabinen bombig. Irgendwann ließ das nach, dafür wurden zum Beispiel Eier, andere Bier- oder Brausesorten angefragt, also habe ich die ins Sortiment genommen.“ Ähnlich lief es mit den Zeitungen und Magazinen. Die Heil Quelle hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Spezialladen für Zeitschriften und Magazine im Reuterkiez entwickelt. Auch wenn der Pressehandel für Doris Heil früher ein unbekanntes Land und, mit all seinen Titeln, eine Herausforderung war. „ Am Anfang hatten wir sehr wenige Zeitungen und Zeitschrift, die konnte ich damals noch in Vollansicht präsentieren. Dann kam aber mit jedem Feuerwerksverkauf neue Auslagefläche dazu und immer wieder fragten Kunden nach bestimmten Magazinen, die ich dann besorgt habe. So kamen stetig neue Zeitschriften hinzu.“ Auch heute noch ist die Heil Quelle eine Anlaufstelle für Leute, die besondere oder internationale Zeitschriften suchen.

 

Noch sieht es im neuen Laden in der Pannierstraße 58 ein bisschen nach Kraut und Rüben aus. Auf einer wesentlich kleineren Fläche müssen sich nun der große Tresen und die großen Schränke, die ganzen Zeitschriften und Getränke ihren Platz mit dem Handwerksbedarf teilen. Allerdings gehörte das Suchen und Stöbern auch schon früher, als es hier nur allerlei zum Werkeln gab, zum Charme des Ladens. „Es war auch eine bewusste Entscheidung, das ganze Handwerkszeug vorerst im vorderen Raum zu lassen. Ich wollte nicht, dass er aus dem Blick der Kunden gerät.“

Irgendwann möchte Doris Heil die neue Fläche übersichtlicher gestalten, doch noch steckt ihr das anstrengende letzte Jahr in den Knochen und noch müssen sie und die Heil Quelle, die nun umgeben ist von anderen Spätis, an der neuen Adresse ankommen.

 

Sicherer fühlt sie sich zwischen Sonnenallee und Weserstraße. Die Überfälle auf den alten Standort waren aufregend und nervenaufreibend. Einmal gelang es ihr, einen bewaffneten Räuber mit dem Kasseneinsatz in die Flucht zu schlagen. Der hatte sie gezwungen, die Kasse zu öffnen und geguckt, ob unter dem Kleingeldeinsatz Scheine liegen. Doris Heil schnappte sich das Plastikteil und schlug auf den Räuber ein.

 

Ein bisschen wehmütig, scheint sie trotzdem zu sein. Nicht nur wegen dem Umzug, sondern auch wegen der Veränderungen, die Neukölln insgesamt erlebt. Früher, erzählt sie, sei die Heil Quelle eher ein Kiezladen gewesen, in dem die Nachbar auch mal einen Schlüssel deponierten. Dieses Gefühl fehlt ihr, dafür freut sie sich umso mehr, wenn alte Stammkunden vorbeikommen.

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