BEEF* – 1. Teil

Anna Schulte und Connie Voigt

Eine Anleitung zum Streiten und Versöhnen. Connie Voigt und Anna Schulte arbeiten ehrenamtlich als Mediatorinnen* und helfen, Konflikte zu lösen. 2011 bot das QM Reuterkiez eine Weiterbildung zum Gemeindewesenmediatoren/in an, im Gegenzug bieten die Teilnehmer, ihre neuen Fähigkeiten im Reuterkiez an. Seit gut einem Jahr vermittelt nun ein Netzwerk aus mehreren Mediatoren bei Streitigkeiten.

 

m29: Wenn ich es auf Streit anlege, was muss ich machen, damit der Konflikt so richtig eskaliert?

 

Connie: Das ist ja ne schwere Frage.

Anna: Naja, ich würde sagen, man muss erst mal denken, dass es eine Wahrheit gibt und man diese kennt. Dann sollte man nicht zu hören, auf den eigenen Standpunkt bestehen und nicht auf den anderen eingehen, also weder Empathie noch Interesse zeigen. Und man sollte dem anderen unterstellen, dass er einem schaden will.

 

m29: Schuld zuweisen soll ja auch sehr effektiv sein. Wenn der Streit jetzt so richtig hoch gekocht ist, kann man ihn jetzt noch lösen?

 

Anna: Wenn beide bereit dazu sind und den Konflikt lösen wollen, dann ja.

Connie: Der Leidensdruck muss für beide Parteien groß genug sein. Wenn beide unter der Situation leiden, dann kann man miteinander arbeiten.

 

m29: Und wenn nur einer leidet und den Konflikt lösen will?

 

Connie: Dann ist es gut, wenn man Wege findet, um ins Gespräch zu kommen. Es geht dann erst einmal darum, Möglichkeiten zu finden, auf den anderen zuzugehen.

 

m29: Wie frage ich denn überhaupt den anderen nach einer Mediation? Reicht es, wenn ich beim Nachbarn klingle und sage: Hey, ich hab mit x ein Problem, lass uns mal zu einer Mediation gehen?

 

Anna: Bei uns läuft es so ab: Jemand hat ein Problem, kommt mittwochs in unsere Sprechstunde und erzählt von der Situation. Dann kommt es natürlich darauf an, wie verschärft der Konflikt schon ist. Entweder kann die Person selbst nachfragen oder wir helfen, rufen den Nachbarn an oder setzten mit der einen Streitpartei ein Anfrageschreiben auf.

Connie: Der Leidensdruck ist wichtiger Faktor. Sagen wir mal, ein Hotelier stellt im Hinterhof Tische auf, lässt seine Gäste dort Frühstücken und ein Nachbar fühlt sich davon gestört, weil er nicht mehr so lange schlafen kann. Der Nachbar geht zum Hotelier und sagt, dass ihn das stört und der Hotelier mal bitte die Tische wegräumen soll oder fragt, ob sie in einer Mediation das Problem besprechen können. So einfach macht der das nicht, der hat ja ein Interesse, dass die Gäste gemütlich frühstücken können. Bewirft der Nachbar die Gäste nun regelmäßig mit Wasserbomben, dann lässt sich der Hotelier viel eher auf ein Gespräch ein. Der leidet nun auch und hat ein eigenes Interesse an einer Problemlösung.

Anna: Mit diesem Beispiel wollen wir natürlich nicht zum Wasserbombenwerfen aufrufen. Man kann als Nachbar den Hotelier auch alle zwei Tage anrufen, die Hausverwaltung einschalten oder andere Nachbarn zum Protest aufrufen.

 

m29: Und wenn sich der andere komplett querstellt und jedes Gesprächsangebot verweigert?

 

Anna: Wenn wirklich alle Anfragemöglichkeiten ausgeschöpft sind, dann sind uns auch die Hände gebunden.

Connie: Als Mediatorinnen können wir dann nicht helfen. Die Grundvoraussetzung ist, dass beide Parteien die Mediation wollen.

 

Fortsetzung folgt. Der zweite Teil des Interviews ist ab dem 8. März 2013 hier zu lesen.

 

* Was ist Mediation?

Streit kennt wohl jeder: Ob nun Paul Susi doof nennt, in der Beziehung die Fetzen fliegen oder der Nachbar nachts laut Musik hört. Streit nervt und konstruktives Lösen will gelernt sein. Dabei können Mediatoren helfen. Ein Mediator ist im Prozess der Konfliktlösung ein neutraler Dritter. Er kann den Streitparteien helfen, zu einer gemeinsamen Vereinbahrung, zu gelangen. Er leitet dabei das Verfahren und hilft durch genaues Zuhören und geschicktes Fragenstellen. Mediatoren kommen bei ganz unterschiedlichen Streitlagen zum Einsatz. Es gibt Partnerschafts-, Familien- oder Schulmediatoren. Die Mediation im Reuterkiez widmet sich Problem des Gemeinwesens, also hauptsächlich Problemen zwischen Nachbarn oder im öffentlichen Raum. Für alle Interessierten findet jeden Mittwoch von 17°° bis 19°° Uhr im QM Reuterkiez eine Sprechstunde statt. Anfragen kann man auch per E-Mail: loesen-statt-streiten@gmx.de

*BEEF = Zank, Streit

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