13.02.2012 von Elisabeth Wirth
Der Film läuft seit mehr als fünf Jahren. Die Kulisse ist ein Ladenlokal in der Tellstraße. Der Titel des Langzeitprojektes: ‚Musenstube’.[1] Die Besetzungsliste ist lang, neben den Stammmusen haben einige Temporärmusen ihren Gastauftritt (auch mal gehabt).
Obermuse Annette Köhn arbeitet seit Spätherbst des letzten Jahres mit ihrem Jaja Verlag an den Büchern zum Film. Zehn ‚kleine feine illustrierte Machwerke’, acht Bücher und zwei Kalender, sind im ersten halben Jahr erschienen.
Die Idee einen Verlag zu gründen hatte Annette schon lange. Die erste Skizze zum Logo entstand vor gut drei Jahren. Dann nach ein paar guten Aufträgen, mit trotz alledem einem verschwindend geringen ‚Startkapital’, bei dem wahrscheinlich jeder Unternehmensberater abgeraten hätte, schlug Annette mit ‚Adagio N° 1’ von Maki Shimizu die Verlagslaufbahn ein. Jaja, der Name ist Programm, unerschrocken positiv und doppelt hält besser.
Nachdem in all den Jahren die Musen freie Produkte entwickelt und Vernissage um Vernissage… weiter lesen
01.02.2012 von Elisabeth Wirth
Der Winter mit knackig kalten Temperaturen, so wie einige meiner Freunde ihn sich, in sich für weise haltender Voraussicht auf einen Sommer ohne Massen von Insekten gewünscht haben, ist nun da. Die Frühlingsgefühle müssen noch warten und viele Möglichkeiten leicht bekleidet draußen zu sitzen ohne das Gefühl zu haben, gleich erfrieren zu müssen, gibt es im Moment nicht. Wäre da nicht dieser raupenhafte Ort in der Spree.
80° C über null. Der Ofen knackt. Kollektives Schwitzen. Auf der Spree haben sich die ersten Eisflächen gebildet und bewegen sich langsam aufeinander zu, knirschend treffen sie sich, ehe sie sich wieder voneinander wegbewegen. Die Wintersonne hat noch gut eine Stunde bis sie unter geht, der Sand rieselt noch weitere zehn Minuten. Es wird tief eingeatmet, beim ausatmen rinnt die erste Schweißperle über den Rücken. Es folgen Weitere. Der eben noch liegende Mann, setzt sich auf die untere Bank. Die Tür öffnet… weiter lesen
13.01.2012 von Elisabeth Wirth
Für gewöhnlich habe ich in den letzten Jahren am Ende eines Jahres das fast beendete Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Doch am Ende eines anstrengenden, zeitfressenden, sich Schlag auf Schlag ständig veränderndem Jahr für die Welt da draußen und meine kleine eigene, habe ich mich entschieden, die Rückblicke den anderen zu überlassen. Irgendwer muss ja nach (oder zwischen) den Krisen anfangen nach vorne zu blicken. Auf das große Unbekannte, das Abenteuer, ein neues Jahr, 366 Tage.
Nachdem in der Silvesternacht die Wunschrakete gen Himmel gestartet ist, das erste Glas (Umschreibung für aus dem Plastebecher – wenn schon, dann Stilecht) Moët meines Lebens bei einer Freundin (wichtig – nicht das noch jemand auf die Idee kommt, den Künstlern und Kreativen geht’s zu gut) getrunken war und am ersten Montag des neuen Jahres ein Weisheitszahn raus operiert wurde, starte ich mit neuem Notizbuch, guten Vorsätzen und vielen Flausen, auch für den… weiter lesen
16.12.2011 von Elisabeth Wirth
Am letzten Wochenende fuhr ich abends mit dem Bus zu meinen Eltern. Draußen war es dunkel, der Bus schob sich durch die Straßen , ich stierte raus, sah ein beleuchtetes Fenster, dann noch eins und wieder eins, welches im Sekundentakt die Farben änderte (was für eine Freude für jeden Epileptiker) und wunderte mich. Ich konnte beobachten, wie mein Gehirn die Verwunderung in die Frage „Warum sind die Fenster beleuchtet?“ verpackte und sich kurz darauf die Antwort, in Form folgender Assoziationskette Lebkuchen-seit-September-dann-Herbst-dann-Dezember-jetzt-Adventszeit-fast-Weihnachten-Schmuckbrauch-Ah-ja selbst gab.
Ich bin noch nicht in Weihnachtsstimmung, ich habe keine Zeit für vorweihnachtliche Freuden, für Gedanken zu Geschenken, Weihnachtsmarkt oder dergleichen. Meine Weihnachtsdekoration ist eine einsame Geisha-Weihnachtskugel die an der Orchidee in meiner Küche baumelt. Ich rase durch den Dezember, wie ich durch das gesamte Jahr 2011 gerast bin, indem irgendwie alles zu kurz kam und für nichts richtig Zeit war.
In Zeiten von Werbeslogans wie „Weihnachten wird… weiter lesen
26.11.2011 von Elisabeth Wirth

An diesem Wochenende wird in der Werkstatt der Kulturen die do it yourself Zine Kultur gefeiert. An vierzig Ständen können Zines, Comics, Publikationen im Selbstverlag bestaunt, getauscht oder erworben werden. Am Zine-Basteltisch können die Besucher ihr eigenes Zine entstehen lassen, wer will blättert sich durch die Zines einer Privatsammlung oder besucht einen der vielen Workshops von Layout und Design, Comics zeichnen, Buchbinden bis zur Zine-Geschichte. Neben der Selbst-Mach-Kunst kann gegessen und getrunken werden und am Samstagabend heißt es ‘Shut up and Speak’ – Spoken Word Performance.
Und was wäre das erste Zine Fest in Berlin, ohne dass man am Zine Fest Zine mitarbeiten kann?
Der Eintritt ist frei, gespendet werden kann trotzdem.
26. und 27. November 2011 _ Werkstatt der Kulturen _ Wissmannstraße 23 in Neukölln
04.11.2011 von Elisabeth Wirth

Am 05. November ist es wieder soweit – Nord-Neukölln feiert sich und seine Kunst- und Kulturszene. An 105 Orten zeigen Künstler/innen ihre Arbeiten – Zeichnung, Malerei, Fotografie, Installation, Performance -, Ateliers öffnen ihre Türen, es kann Kunst und Gegenständliches gekauft oder auch selbst hergestellt werden, es gibt Sprache zu entdecken, man kann Lesenden lauschen, bei Konzerten Kopf und Knie wippen oder auf Parties das Tanzbein schwingen.
Wer keine Lust hat, sich allein durch das Nacht und Nebel Programm zu navigieren, kann an einer der vier geführten Touren durch den Reuterkiez, den Kiez am Flugfeld, den Körnerkiez teilnehmen oder Neukölln mit dem Fahrrad entdecken.
Viel Wert wurde in diesem Jahr auf Barrierefreiheit gelegt, sodass alle barrierefreien Orte speziell gekennzeichnet sind.
Nacht und Nebel – Programm
06.10.2011 von Elisabeth Wirth
Das Klötze und Schinken befindet sich in der Bürkner Straße, zwischen Landwehrkanalidylle und dem illustren Kottbusser Damm-Treiben. In den Räumen, die Café und Galerie zugleich beherbergen, arbeitet und wirkt das Künstlerpaar Christof Husemann und Christina Both.
2005 ließen sich die beiden, ein Stück weiter in der Bürkner Straße nieder und eröffneten eine der ersten Galerien in Nordneukölln. Seit sie, ein Jahr später, ihre neue Residenz bezogen haben, hat das Klötze und Schinken schon einige künstlerische Metamorphosen erlebt. Von Arbeitsraum und Unikatladen, zu Atelier, Galerie und Café mit adrettem Kleinkram zum Kaufen. Christof Husemann und Christina Both machen schon lange Kunst, seit 2006 arbeiten sie als Prof. Inhalt und Dr. Sinn zusammen. „Die Idee war damals, Dinge herzustellen, bei denen sich Inhalt und Sinn verbinden. Wir fingen an mit Verpackungsdesign von Streichholzschachteln, Lampen und Kondomdosen.“ Inzwischen ist Inhalt und Sinn zu einer Marke geworden. In den Schwarzlichtbildern, die beide in Teilen… weiter lesen
01.09.2011 von Elisabeth Wirth
Seit etwas mehr als einem Jahr und immer massiver werdend geistern Mieterhöhungsgeschichten durch den Kiez. Nach Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichhain hat es nicht nur Kreuzberg, sondern auch Neukölln erwischt. Wer sich mal interessenhalber durch Wohnungsannoncen im Reuterkiez klickt, klopft drei Mal auf Holz und hofft, dass ihn/ sie nicht auch demnächst eine Mieterhöhung oder ein Umzug droht. Die, die gezwungenermaßen eine neue Wohnung suchen, weil die eigene verkauft wurde, die Miete angestiegen ist oder Nachwuchs sich anbahnt, raufen sich verzweifelt die Köpfe. Die wirklichen billigen Mieten in Neukölln waren einmal, 90qm Wohnungen für irgendwas um 350 € ist so was von 2005. Die Berliner Mieten sind in den letzten Jahren enorm angestiegen, prozentual zum Einkommen zahlen Berliner zum Teil mehr als in Hamburger oder Münchner.
Dass das Problem nicht nur einige wenige betrifft, sieht man nicht nur an den mehr werdenden Plakaten die an Hauswänden hängen oder Mietenstopp-Parolen, die… weiter lesen
08.08.2011 von Elisabeth Wirth
Die Stadtparasiten haben den öffentlichen Raum verlassen. Gestern sollte eigentlich die Zeltgebilde in einer Performance demontiert werden. Doch Regen, Diebstahl, Vandalismus haben die Bestände in den letzten eineinhalb Wochen so stark schrumpfen lassen, dass die Demontage nicht mehr stattfinden konnte. Still und heimlich sind sie nun verschwunden. Für alle die nicht zum gucken, staunen oder wie es scheint, stehlen und kaputt machen kommen konnten, hier fotografische Beweise des Experiments.






26.07.2011 von Elisabeth Wirth

Temporäre Architektur, Zelte, fliegende Bauten. Was in dem Workshop der Künstlerinnen Sandra Becker, Janna Rehbein und Anja Bodanowitz mit Jugendlichen entstehen soll, klingt spannend. In zehn Tagen wurden Meter um Meter Stoff zu „Stadtparasiten“ genäht. Die Zelte werden sich an Häuser, Bäume, Laternen, Pfeiler klammern. Die Stadt wird zum Wirt, von dem sich das Parasit spannt und neuen Raum im Öffentlichen schafft. Rund um den Weichselplatz werden sie sich erstrecken und können ab dem 27.7. bestaunt, als Unterschlupf vor einem verregneten Sommer oder vielleicht doch noch als Sonnenschutz, Urlaubsdomizil in der Stadt und all den Dingen, die uns da noch einfallen genutzt werden. Wie sich das Experiment entwickeln wird, bestimmen dann die Anwohner.
Im Stadtparasiten_Blog kann die bisherige Entwicklung samt To-Do-Liste und etlichen weiteren Fotos rückverfolgt werden. Die Präsentation mit Performance und Musik von „Cellolitis“ findet am Mittwoch (27.7.) ab 20°° Uhr am Weichselplatz statt.