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16.02.2010

Ausgespielt!

von Sven Regener

In meiner mehr als nur politischen Jugend las ich einmal einen im Endeffekt sehr suggestiven Roman, der zur Zeit des Kapp-Putsches spielte und von der Entstehung, dem Kampf und der Niederlage der Roten Ruhrarmee erzählte, und das war ein sehr dramatisches, düsteres Buch voller Endzeitstimmung, und die zwei Protagonisten, beide Kämpfer und Anführer der Roten Ruhrarmee, überlebten die ganze furchtbare Sache nur sehr, sehr knapp, um sich dann aber, im letzten Kapitel, völlig überraschend einige Zeit später bei sonnigem Wetter am Rheinufer im Düsseldorf wiederzutreffen.  Dort saßen sie dann auf einer Terasse, bestellten einen Kaffee und plauderten ein wenig, wie’s denn so geht usw. Starker Kontrast. Ganz normales Leben plötzlich. Nichts mehr von Kampf bis zum Ende, keine Roten Armeen mehr, keine Märsche auf die Zitadelle Wesel usw., stattdessen weißes Porzellan, Sonnenschein, draußen gibt’s nur Kännchen und das ganze Programm. Sehr beeindruckend.
Ganz ähnlich mein Gefühl, als zwei Tage nach Ende der Tour das Telefon klingelte und Hamburg-Heiner dran war. Die ganze Spannkraft weg. Adrenalin, Endorphin, Melatonin, Insulin, Hämoglobin, Hängolin – alles futsch. Stattdessen saß ich mit Jakob und Richard im Tritonus-Tonstudio, dem Berliner Äquivalent eines sonnigen Rheinuferterassencafés, und wir hörten gerade die Bluebird-Tapes ab, jene Aufnahmen, die wir in Bremen und Wien gemacht haben, um sie demnächst bei iTunes zu verscheuern, damit sich jeder mal ein Bild davon machen kann, was wir in diesen dreieinhalb Wochen Tour eigentlich getrieben haben. Denn um ehrlich zu sein: Aus diesem Blog ist davon nicht viel zu entnehmen. Man ist zwar in der Lage, längst verschwundene Galaxien anhand ihrer noch immer frei flottierenden Hintergrundstrahlung zu rekonstruieren, aber man kann die Livekonzerte der Gruppe Element of Crime ganz gewiss nicht aus dem  unrettbar sprunghaften Geschreibsel eines ihrer Mitglieder, und sei es gleich der Sänger, auch nur in Umrissen erahnen, das läuft nicht, da ist die Macht des geschriebenen Wortes begrenzt. Nun aber Hamburg-Heiner am Telefon und gleich mittendrin:

Hamburg-Heiner: Wie klingen die Aufnahmen?
Sven: Gut. Wir nehmen die, die Dave von Otto in Wien und Olaf in Bremen hat machen lassen. Wo die so im Publikum standen mit der kleinen Tascam-Maschine und die hochhielten und so den Sound mitgenommen haben, das klingt sehr, wie soll ich sagen, authentisch!
HH: Authentisch ist Quatsch.
Sven: Ja logo, aber irgendwie auch gut. Ich meine, wenn schon Bluebird-Tapes, denn schon Bluebird-Tapes.
HH: Kannst du das nicht alles mal in Ruhe erklären?
Sven: Nein, hier nicht, hier ist taz online, da hat sowas keinen Platz, das ist ja auch Werbung irgendwie, das käme mir wie Missbrauch vor, die taz ist ja werbefrei, und da will man hier ja nicht wirklich mit Konsumterror anfangen. Wir erklären das alles demnächst in Ruhe auf www.element-of-crime.de. Da kann man sich auch für den Newsletter eintragen, wenn man informiert werden will, wann das zu haben ist und so weiter und so fort, nicht aber hier, hier bleibt alles sauber und rein, hier würde ich höchstens Werbung für Bio-Eier machen, aber dann kommt der Veganer auf einen nieder und dann ist das auch wieder nicht recht!
HH: Vor Veganern habe ich keine Angst, die tun einem nichts, wenn man keine Pflanze ist. Aber mit Pflanzen haben sie kein Mitleid!
Sven: So ist jeder auf seine Art hart drauf.
HH: Was ich an diesem Blog irritierend finde: Dass ich über das Konzert in München und Dresden nichts lese. Über Dresden überhaupt gar nichts.
Sven: Das Problem ist ja blogtechnisch, dass das Zusatzkonzerte waren, dass wir also in München und Dresden schon einmal vorher gespielt hatten, das ist doch das Problem.
HH: Wo ist denn da das Problem? Als ob man über München und Dresden nur einmal bloggen könnte? Es gibt Menschen, die bloggen jeden Tag aus München und aus Dresden über München und über Dresden, auch ohne Konzert, ohne Vorgruppe, ohne alles, und die kommen super damit klar.
Sven: Vorgruppe! Vorgruppe ist gut. Also in München waren Coconami als Vorgruppe dabei und in Dresden war es Maike Rosa Vogel. Die beiden sollte man unbedingt beachten, überhaupt immer, das wollte ich auch nochmal sagen! Und Trummer, der in Bern dabei war, der wurde gar nicht genug gewürdigt.
HH: Ist das also auch erledigt. Das war’s dann also?
Sven: Ja, das war’s.
HH: Dann mach ich jetzt mal das Licht aus.
Sven: Mach’s gut, Hamburg.
HH: Keine Sentimentalitäten, bitte!
Und damit legte er auf.

“Frei flottierende Hintergrundstrahlung”: Element of Crime während des Konzerts in Hamburg, Alsterdorfer Sporthalle (Foto: Ch. Goltermann).

Spielplan mit winklerscher Patentfaltung: So sieht er aus, wenn er abgespielt ist!

10.02.2010

Das deutsche Las Vegas – Versuch über die Kultfabrik

von Sven Regener

Die sog. Kultfabrik ist gar keine Fabrik, sondern ein Gelände, sie ist Europas größtes Party-Areal, ein Vergnügungszentrum, bestehend aus unzähligen Clubs, Discos, Kneipen, Imbissen, Restaurants usw. Sie ist Nachfolgerin des sog. Kunstpark Ost. Hier steht die auch Tonhalle, in der wir neulich schon und heute abend wieder spielen.
Die Kultfabrik, die von vielen immer noch Kunstpark Ost genannt wird, weil sie ja die Nachfolgerin ist, so wie ja auch ältere Menschen oft noch “Brenninkmeyer” sagen, wenn sie C&A meinen, und auch damit nicht unrecht haben, die Kultfabrik hat bei vielen Leuten keinen guten Ruf, weil sie trashig und billig daherkommt, aber das tun Coney Island und Las Vegas auch; manche Leute finden es doof, dass hier die ganzen Menschen aus dem Umland herkommen und am Wochenende einen draufmachen, dass es scheppert. Aber das gilt für Coney Island, Brighton und Las Vegas auch. Saufen bis zum Kontrollverlust? Bei Nicholas Cage in Leaving Las Vegas sogar bis zum Tode! Gewalt, Drogen, org. Kriminalität? In Atlantic City keine Unbekannten!
Was ist schiefgelaufen? Was haben Cesar’s Palace und Coney Island Rollercoaster, was Titty Twister und Schlagergarten nicht haben? Wo sind die Künstler, die Filme wie “Leaving Kultfabrik” oder “Nöths 11″ drehen? Wo sind die Lieder und Romane, die davon handeln, welch melancholisch-barocke Kraft diesem Ort innewohnt, der auf so rührende Weise das verzweifelte Streben des Menschen nach ein bisschen Glück, Unterhaltung und Rausch symbolisiert wie kein zweiter in Deutschland?
Diese kleine Fotostrecke soll ein Anfang sein, nicht mehr, nicht weniger. Ein Anstoß für eine konzertierte Aktion deutscher Künstler, dem größten Party-Areal Europas etwas mehr Respekt und Beachtung zu verschaffen. Die Filme, Romane und Lieder werden folgen, und dann ist alles gut!

Metropolis Music Hall

Kantine

Titty Twister

Americano’s Bar Club

Tonhalle

Mr. Curry Wurst

Rafael Der Club

Roses Clubbar

Zwei Boxgeräte in der Nähe des Eingangs

Koi

La Tropicana

Q

New York Table Dance Bar

SchlagerGarten

Kalinka

willenlos

Bamboo Beach

09.02.2010

Genfood, Hartz IV, Afghanistan, Merkel, Königgrätz, Bachelor-Studiengebühr, Naher Osten, Atommüll!

von Sven Regener

Flug nach Wien: Am Flughafen Tegel kommt es im Vorgriff zum Zusatzkonzert in München (morgen, i.e. 10.2. dann) schon mal zum Hofbräuhaus-Frühstück: Japanischer grüner Tee und Brezel bzw. Brezn. Egal, was man dagegen macht: Irgendwann nimmt einen die Folklore, die einem bei einer solchen Tournee kreuz, quer, hin und her durch Mitteleuropa natürlich an jeder Ecke begegnet, und der man immer und immer wieder blogweis gesehen natürlich auszuweichen bemüht ist, dann doch in die seelische Beinschere. Sei’s drum: Beim Konzert München II (das wird jetzt alles mal durchnummeriert wie bei den Brokdorf-Demonstrationen in den 70ern) werden Coconami Vorgruppe sein, da kann ein bisschen vorfreudige Einstimmung nicht schaden!
Und da klingelt auch das Telefon.

Hamburg-Heiner: Das franst jetzt aber ein bisschen aus mit dem Blog, da sind sich hier alle einig.
Sven: Wer ist alle?
HH: Ich und die freiwillige Deichwehr. Die Erstsemester. Muss ich dir doch nicht erklären.
Sven: Nein, aber den Lesern vielleicht mal. Vielleicht wäre es überhaupt mal an der Zeit, mal irgendwas zu erklären. Auch, warum das alles jetzt so ausfranst, ich meine: Warum soll es dem Blog besser gehen als etwa der Tour. Die franst jetzt ja auch irgendwie aus. Jetzt ist die Rote Gourmet Fraktion weg. Und der Band-Bus. Und wir fliegen nach Wien.
HH: Richtig so mit Flugzeug und allem?
Sven: Ja. Voll so USA-mäßig, heute Denver, morgen Cleveland, so in der Preislage sind wir jetzt unterwegs.
HH: Stark!
Sven: Und dann von Wien nach München mit dem Zug. Und dann von München nach Dresden mit dem Crew-Nightliner!
HH: Und die lassen euch da rein, die Crew? Wie sind die denn draufl?
Sven: Die sind auch geschwächt, die haben die halbe Mannschaft verloren, einige kommen in München wieder, aber die Catering-Leute sind weg.
HH: Hart. Das sollte man vielleicht wirklich mal erklären, warum da auf den letzten Drücker noch alle möglichen ungewohnten Reisemittel ins Spiel kommen, das ist ja gespenstisch.
Sven: Da sagst du was!
HH: Nun aber los!
Sven: Also das ist so: Eigentlich sollte die Tour in Zürich beginnen und in Berlin aufhören. Von Süd nach Nord, von Fern zu Nah, von Rösti zu Bulette, von Fondue zu Bollenfleisch, von…
HH: Jetzt hör mal mit dem Folklorekram auf, das nervt! Das sind doch alles bloß tausendmal zu Tode gerittene Schindmähren der Stereotypie!
Sven: Das ist aber nur wegen dem Essen auch, weil doch die RGF-Leute jetzt weg sind, Ole und Nadine, mein Gott, was haben die da an Essen an den Start gebracht, das war ja…
HH: Sven! Reiß dich zusammen!
Sven: Das ist ein bisschen so Rex-Stout-mäßig, so Nero-Wolfe-artig gelaufen, man kam ja nicht mehr auf die Straße, weil, wie hieß der Koch von Nero Wolfe noch mal?
HH: Fritz, das weiß doch jeder.
Sven: Ja, der war Schweizer, aber jedenfalls Ole und Nadine…
HH: Sven, hör auf damit. Erklär mal lieber, warum die nicht mehr dabei sind!
Sven: Naja, eigentlich sollte das von Zürich bis Berlin gehen und zwischendrin, im Anfangsteil, irgendwie mit Innsbruck und Linz zusammen, sollte auch Wien sein, aber dann hat die Regine Steinmetz gesagt, Wien nicht im Januar, Wien im Januar ist nicht gut, hat sie gesagt, Wien machen wir mal lieber im Februar…
HH: Warum? Weil dann im Prater wieder die Bäume blühen?
Sven: Ich weiß nicht, wahrscheinlich. Jedenfalls Regines Wort Gesetz und dann Wien hintendrangehängt, schon mal irgendwie so weit weg dann nach Berlin gleich mal mit dem Flugzeug, und dann können wir im Gasometer dort unsere eigene PA nicht mitbringen, nur die Monitore und Mischpulte, nicht aber das Holz, schonmal ein LKW weg und die drei Crew-Leute, die das sonst aufbauen, und ein ganzer Offtag für die RGF nur um dann nach Wien und dann für soviel weniger Leute kochen auch Quatsch, die auch weg, heute abend Schnitzel, immerhin. Und dann Bandbus auch weg weil wenn die Band fliegt, was soll das dann noch mit dem Bus für den einen Gig, das lohnt sich nicht, und dann kamen ja überhaupt erst München II und Dresden II dazu, weil die so früh ausverkauft waren, und das bißchen von Wien nach München kann man auch laufen sagt Koopmann, haha, und dann also Zug, weil die Hotelzimmer kannst du nimmer stornieren, sagt die Regine, die müssen eh bezahlt werden, dann kann man sie auch gleich nehmen und da schlafen, statt overnight mit dem Crew-Bus, aber von München nach Dresden dann damit weiter, also mit dem Crew-Bus jetzt, und…
HH: Sven!
Sven: …das geht dann natürlich auch, ich meine, da sind jetzt ja fünf, sechs Leute weniger im Crew-Bus, obwohl das ja eigentlich schon kein Bus mehr ist, sondern eben ein Nightliner, weil…
HH: Sven! Du hast einen Laberflash! Stopp jetzt!
Sven: …ich ja noch genau weiß, wie ich zu dem Elmer zum Beispiel damals…
HH: Schluss! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!
Sven: Welches Spiel?
HH: Das will doch kein Mensch lesen, Sven. Das ist doch sinnlos. Hast du dir mal die Kommentare angeguckt?
Sven: Nein, das mach ich doch nie!
HH: Ich weiß, aber hast du mal geguckt, wo du am meisten Kommentare hast?
Sven: Nein, wo?
HH: Bei der Sache mit dem Genfood. Und weißt du, warum das so ist?
Sven: Du wirst es mir sagen!
HH: Weil die taz-Kommentarleute sich nicht für den Rock’n'Roll-Scheiß interessieren. Weil die das alles gar nicht lesen. Die gehen nur nach den Überschriften und dann schreiben die unten irgendwas rein, so sieht das aus. Schreibst du oben Genfood rein, gehen bei denen die Lampen an und dann schreiben die unten was rein, weil sie dazu eine Meinung haben. Ganz viel.
Sven: Die Kommentar-Leute jetzt?
HH: Ja, alle Kommentar-Leute bei allen Blogs, die marodieren da quer durch die Blog-Landschaft und reagieren auf bestimmte Stichworte und schreiben dann was rein und dann Heidewitzka. Scheißegal, was der Blogger schreibt.
Sven: Echt?
HH: Probier’s halt mal aus. Beim Standard-Blog, wo gab’s die meisten Kommentare? Da, wo Königgrätz im Titel stand. Da gehen die da steil, die Kommentierer.
Sven: Wobei die in Österreich nicht kommentieren, sondern posten, das sind da ja keine Kommentare, das heißt da Postings. Die österreichischen Kommentierer sind mehr so Postler.
HH: Das müsste man mal ausprobieren, ob das funktioniert. Einfach mal auf die Reizwort-Tube drücken und gucken, wieviel Kommentare das abwirft.
Sven: Genfood!
HH: Hartz IV!
Sven: Afghanistan.
HH: Merkel.
Sven: Max oder Angela?
HH: Das hängt davon ab, ob Österreich oder Deutschland, denk ich mal.
Sven: Königgrätz.
HH: Bachelor-Studiengebühr!
Sven: Naher Osten. Atommüll!
HH: Das dürfte für 25 bis 30 Postings reichen, denke ich.
Sven: Sowas ist soziologische Feldforschung. Im Internet. Umsonst!
HH: Auf jeden!
Sven: Stark!
HH: Auf jeden!
Sven: Kein Scheiß!
HH: Auf keinen!

Coconami-Frühstück: Brezel und grüner Tee.

Arena Treptow, Berlin, während des Soundchecks vom Gesangsmikrofon gesehen.

Wenn das Max Merkel wüsste: In diesem Raum wurde das untenstehende Plattencoverfoto geschossen!

Stark!

06.02.2010

Die Samba-Karnevals-Straßenbahnfahrt von Bremen!

von Sven Regener

Ich dachte ja eigentlich, ich hätte in dem schon erwähnten Standard-Blog alles über Bremen gesagt, man muss sich da ja kurz fassen, aber auch präzise sein, beim Österreicher zählen nur Fakten, Lakonie und Nachhaltigkeit, aber nun habe ich auf meine alten Tage noch von etwas erfahren müssen, was es wohl schon sehr lange gibt, von dem mir meine Bremer Informanten aber nie, nie, nie etwas gesagt haben: Die Bremer haben, darauf bestehen sie, den größten Samba-Karneval Europas. Und deshalb fahren die Straßenbahnen heute etwas anders durch die Gegend, die Linie 3 Richtung Gröpelingen fährt zum Beispiel teilweise auf der Strecke der Linie 10, und kam so  zu einer Streckenführung, wie es sie vielleicht nur zum Samba-Karneval gibt, wer weiß. Und ich durfte dabei sein, ich lief von Radio Bremen, dessen Haltestelle nicht bedient wurde, bis zum Berufsschulzentrum und stieg dort an der Haltestelle Doventor (sic!) in die Linie 3 nach Gröpelingen. Hier mein Fotobericht über eine Samba-Karnevalsfahrt, die ich so schnell nicht vergessen werde.


Doventor

Lloydstr.

Haferkamp

Hansator

Grenzstr.

Elisabethstr.

Emder Str.

Jadestr.

Grasberger Str.

Goosestr.

Use Akschen

Kap-Horn-Str.

Gröpelingen

05.02.2010

Wer ist “wir”?

von Sven Regener

Das Telefon klingelte genau in dem Moment, in dem wir die niedersächsisch-hamburgische Landesgrenze auf der A7 überquerten, also kurz vor Harburg, direkt bei Klein Moor, das liegt zwischen Groß Moor und Gut Moor, und das war schon gespenstisch, diese Präzision, aber natürlich auch albern, was will er damit erreichen?

Hamburg-Heiner: Das ist mir aber jetzt schon aufgefallen, dass du neuerdings das “sich” in deiner Prosa auf eine Weise hintanstellst, wie es nur adornobesessene Kulturwissenschaftler der frühen 80er Jahre noch sich trauten, Freund!
Sven: Man könnte tagelang damit sich vergnügen, es würde auf Dauer aber als prätentiös sich entlarven, fürchte ich. Deshalb mal was anderes: Wirst du heute abend in der Alsterdorfer Sporthalle sein?
HH: Die eigentlich unter dem Namen “Sporthalle Hamburg” firmiert.
Sven: Was ein bisschen seltsam ist, so als ob es in Hamburg nur eine einzige Sporthalle gäbe.
HH: Für die, die die Halle betreiben, ist das vielleicht so. Da liegt die Einzigartigkeit ja auch mal im Auge des Betrachters.
Sven: Was meine Frage nicht beantwortet.
HH: Die Antwort ist: nein. Wir sitzen hier in der Wilhelmsburg-Fähre und warten auf den Eisbrecher, das kann dauern.
Sven: Wer ist “wir”?
HH: Ich und die dreihundert Erstsemester, die in ihre Proseminare wollen. Wilhelmsburg ist ja mittlerweile das deutsche Stanford! Nur anders.
Sven: Kommt ihr klar oder braucht ihr irgendwas?
HH: Ich bin okay, aber die Erstsemester machen sich Sorgen wegen dem Mensa-Essen, dass die das verpassen.
Sven: Wir haben die Rote Gourmet Fraktion dabei. Die leisten Übermenschliches.

HH: Ich ruf nochmal an. Ich muss jetzt auflegen, die werden unruhig, die Erstsemester, da muss man sich kümmern, die kennen das noch nicht mit dem Hamburger Winter!
Und weg war er. Wird der Eisbrecher kommen? Wird es ein Wiedersehen geben?


Sporthalle Hamburg: “Einzigartigkeit im Auge des Betrachters”


Warten auf den Eisbrecher: Deichgraf und Erstsemester

04.02.2010

Versuch über den ruhigen Tag (mit Lied)

von Sven Regener

Ein ruhiger Tag. Sehr ruhig. Gestern in Bochum die Bochum-Supersause mit Jahrhunderthalle, über 3000 Leuten und Bernd Kowalzik auf der Aftershowparty, heute alles ruhig. Sehr ruhig. Früher, als man noch neu im Tourgeschäft war, wäre so ein ruhiger Tag nicht möglich gewesen, das hätte man niemals zugelassen, dass so ein Tag auf Tournee so ruhig vor sich hinplätschert, weil man dann Angst gehabt hätte, dass man so dermaßen abschlafft im Verlauf eines solchen ruhigen Tags, dass man abends auf der Bühne den Biss nicht hat. Heute sieht man das gelassener und weiß, dass es diesen direkten Zusammenhang nicht gibt, man kann den ganzen Tag die Sau rauslassen und umeinanderlaufen wie Hühner bei Gewitter, und dennoch oder gerade deshalb am Abend irgendwie tatsächlich oder auch nur eingebildet abgeschlafft in den Seilen der eigenen Songs gerade so auf den Beinen sich noch halten, wie man aber auch andererseits einen mehr als ruhigen, einen schon geradezu phlegmatisch oberverschnarchten Tag durchstehen und am Abend auf der Bühne dennoch das Tier der Tour an sich sein kann. Oder umgekehrt. Denn das ist ja überhaupt der Grundfehler, dass immer dauernd alles miteinander in Beziehung gesetzt und unter Wechselwirkungsverdacht gestellt wird, wo es doch tatsächlich in dieser Welt im allgemeinen und in der Welt des Rock’n'Roll im Besonderen meistens so ist, dass das eine mit dem anderen mal wieder nichts, aber auch gar nichts zu tun hat.

Das Lied von Koinzidenz und Kausalität

Zwischen dem, was man trinkt
Und dem Lied, das man singt
Zwischen dem, was man weiß
Und dem was man meist
Dann zu sagen sich traut
Zwischen dem, was man haut
Und dem, was man liebt
Es im Grunde nur wenig
Zusammenhang gibt


Kühner Versuch, alles in einem Aufwasch zu erledigen: rewirpowerSTADION (Bochum)


Gelungene Symbiose: Bernd Kowalzik und Ruhrgebiet!

03.02.2010

Ostwestfalen, mon amour!

von Sven Regener

Es ist erfreulich am Beispiel der Horwarths zu sehen, wie recht ich damals, im letzten Jahr, in meinem Standard-Blog damit hatte, den österreichischen Tourismus nach Deutschland zu fördern. Der Flo, der Mike, der Kyrre – seit sie durch Deutschland unterwegs sind, ist ihr Verständnis und ihre Liebe für unser schönes Land geweckt. Ab jetzt ist “alles einfach nur noch schön und gut” (Mike) für sie, “endlich hab ich’s kapiert”, sagte Florian gestern in Bielefeld nach einem ausführlichen Besuch der Bielefelder Innenstadt, und dann sagte er noch: “Hier würde ich gerne mal Urlaub machen”, und ich: “In Bielefeld?” und er: “Aber klar, wo denn sonst?” und ich: “Paderborn ist auch sehr schön und Herford und Gütersloh erst”, und er: “Auch die Menschen. Die Menschen sind schön. Und lieb!” und so ging das immer weiter bis es fast unerträglich wurde, eine Orgie in Einverständnis und Angekommensein und Trauerarbeit auch über die verlorenen Jahrzehnte und Jahrhunderte mit dem ganzen Anti-Piefke-Ding, das “aber sowas von daneben ist”, wie Florian wieder und wieder nicht müde wurde zu betonen, “ein so ein feines Land!” und Kyrre immer “Leiwand, Leiwand!” und wie sie nicht genug bekommen konnten von den Informationen, die ich ihnen zur Beruhigung hinwerfen musste wie Fleischbrocken in einen Hundezwinger, Wirtschaftsstruktur von Ostwestfalen, Miele, Gütersloh, Dr. Oetker, so Sachen, kulturell auch, der wahre Heino, Wiglaf Droste und wer sonst noch so von hier kommt… – das war schon erschütternd zu sehen, wie ausgerechnet Ostwestfalen sie so dermaßen zum Überschnappen brachte, Teutoburger Wald, als die Römer frech geworden, Jugendzentrum Jöllenbeck 1987, Vlotho, Externsteine, Horn-Bad Meinberg, Petra Husemann, das ging alles durcheinander, rauf und runter, sie konnten einfach nicht genug bekommen, sie hätten das nie gedacht, sagten sie, “ich hätte das nie gedacht”, sagte Florian, und Kyrre bestätigte ihn darin nur nickend, “ich auch nicht”, sagte er, “ich schon mal dreimal nicht, nie hätte ich das gedacht, dass die Externsteine das deutsche Stonehenge sind”, sagte er, “nur viel schöner!” fiel ihm Florian ins Wort und Mike tanzte dazu.
Nur der Bongogott, der hier in der Nähe aufgewachsen ist, allerdings auf der niedersächsischen Seite, lächelte fein und schweigsam in sich hinein und man weiß noch immer nicht, wie man dieses Lächeln deuten soll!

Völlig aus dem Häuschen: Ostwestfalen-Connaisseure!

Ostwestfale (links): “Schön und lieb!”

02.02.2010

Die internationale Genfood-Mafia benutzt den Obstteller eines Mittelklassenhotels in Bielefeld, um ihre teuflischen Produkte zu testen!

von Sven Regener

Ich fotografierte gerade den Obstteller in meinem Hotelzimmer in Bielefeld, um damit später die anderen neidisch zu machen, als Hamburg-Heiner anrief.

Hamburg-Heiner: Was machst du gerade?
Sven: Ich fotografiere den Obstteller in meinem Hotelzimmer.
HH: Glückliches Deutschland. Was ist denn alles drauf?
Sven: Kiwi, Banane, Birne…
HH: Das war nur eine Scheinfrage, die war ironisch gemeint.
Sven: …Weintrauben, Apfel, Orange…
HH: Ja, ja! Ist ja gut.
Sven: … rote Johannisbeeren. Wo die die jetzt wohl herhaben?! Und dann ist da noch ein Irgendwas, das mit Schokolade überzogen ist, ein herzförmiges Ding auf einem Holzstiel, den sie in einen der Äpfel gestochen haben.
HH: Soso! Wie läuft’s mit dem Bloggen?
Sven: Schlecht. Es gibt nichts zu meckern. Das ist gut für’s Leben, schlecht für’s Bloggen. Das Bloggen ist doch irgendwie und vor allem zum Meckern erfunden worden, wie soll man das machen, wenn doch alles wunderbar ist, die Tour ist weitgehend ausverkauft…
HH: Berlin auch?
Sven: Ja. Und Bremen. Und Hannover. Und Köln. Und die ganze Schweiz. Und Österreich. Und Wien. Und was weiß ich. Alles ausverkauft, außer Bielefeld.
HH: Ha! Da kann man doch ansetzen. Was ist da los in Bielefeld?
Sven: Was soll schon los sein? Das Wetter ist scheiße und heute abend kommen viele Leute.
HH: So kann man nicht bloggen.
Sven: Sag ich ja. Wenn man wenigstens eine anständige Verschwörungstheorie am Start hätte, irgend so einen total doofen Quark, den man jetzt unter die Leute bringen könnte, oder eine total bescheuerte, von keiner Ahnung getrübte Meinung…
HH: Was ist denn unter der Schokolade?
Sven: Welche Schokolade?
HH: Na das herzförmige Ding mit Schokolade drüber, was ist das denn?
Sven (beißt rein, kaut): Das ist irgendwie Schwamm mit Schokolade. Könnte Pflaume sein. Aber wo ist der Kern? Kann man aus einer Pflaume neben dem Kern ein so großes Stück herausschneiden, dass da so ein Herz bei rauskommt?
HH: Ich glaube, da sagt man Stein und nicht Kern. Das heißt Steinobst, nicht Kernobst.
Sven: Das ist schon mal ein gutes Ergebnis für heute, dass das mal gesagt wurde!
HH: Vielleicht eine Neuzüchtung: Steinobst, ohne Stein. Genfood, getarnt mit Schokoladenüberzug.
Sven: Die internationale Genfood-Mafia benutzt den Obstteller eines Mittelklassenhotels in Bielefeld, um ihre teuflischen Produkte zu testen!
HH: Das ist gut, wird aber schwer zu beweisen sein.
Sven: Seit wann muss man so einen Scheiß beweisen?
HH: Auch wieder wahr!

Das Böse kommt oft unscheinbar daher: Obstteller des Todes!

31.01.2010

Das Wort zum Offtag

von Sven Regener

“Jeder Fremde, der sich mit dir in die Liebe zu deinen Bergen teilt, sei der Kamerad.”
Luis Trenker, zitiert aus OÖ Nachrichten, Linz, vom 23. Jänner 2010

30.01.2010

Leser fragen, der Blogger antwortet (II)

von Sven Regener

David Y. aus L. fragt: “What happened to the fight club? Why is nobody answering my challenge?”

Sven Regener: Der Fightclub ist geschlossen. Wird renoviert. Der unerwartete Einbruch von Florian Horwath in die Arena mit  zwei Blogs zugleich hat eine zu große Schweinerei hinterlassen. David Young hat sich geweigert, unter solchen Bedingungen den Kampf fortzusetzen und wer kann’s ihm verdenken? Ringrichter Heiner H. aus H. hat sich mit sich selbst auf Unentschieden geeinigt, das Preisgeld geht an die christliche Seemannsmission Hamburg-Veddel.

David Y. aus L.: But this is me and I’m still here and none of what you say is true.

Sven Regener: No, it’s fiction.

David Y. aus L.: Ah, fiction!

Franklin S. aus W. fragt: Mir gefällt euer Tourbus sehr. Kann der auch nachts fahren?

Sven Regener: Ja. Hier der Beweis:


Blick aus dem Bus bei Nacht. Die Armaturen zeigen, dass er tatsächlich fährt.

Ivan L. aus B. fragt: Manche sagen ja, der Monitormixer hätte den interessantesten Blick auf die Bühne überhaupt. Ist da was dran?

Sven Regener: Urteilen Sie selbst!


Blick eines Monitormixers auf Florian Horwath und Band.