Archive for Februar, 2010

16.02.2010 von Sven Regener
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Ausgespielt!

von Sven Regener

In meiner mehr als nur politischen Jugend las ich einmal einen im Endeffekt sehr suggestiven Roman, der zur Zeit des Kapp-Putsches spielte und von der Entstehung, dem Kampf und der Niederlage der Roten Ruhrarmee erzählte, und das war ein sehr dramatisches, düsteres Buch voller Endzeitstimmung, und die zwei Protagonisten, beide Kämpfer und Anführer der Roten Ruhrarmee, überlebten die ganze furchtbare Sache nur sehr, sehr knapp, um sich dann aber, im letzten Kapitel, völlig überraschend einige Zeit später bei sonnigem Wetter am Rheinufer im Düsseldorf wiederzutreffen.  Dort saßen sie dann auf einer Terasse, bestellten einen Kaffee und plauderten ein wenig, wie’s denn so geht usw. Starker Kontrast. Ganz normales Leben plötzlich. Nichts mehr von Kampf bis zum Ende, keine Roten Armeen mehr, keine Märsche auf die Zitadelle Wesel usw., stattdessen weißes Porzellan, Sonnenschein, draußen gibt’s nur Kännchen und das ganze Programm. Sehr beeindruckend.
Ganz ähnlich mein Gefühl, als zwei Tage… weiter lesen

10.02.2010 von Sven Regener
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Das deutsche Las Vegas – Versuch über die Kultfabrik

von Sven Regener

Die sog. Kultfabrik ist gar keine Fabrik, sondern ein Gelände, sie ist Europas größtes Party-Areal, ein Vergnügungszentrum, bestehend aus unzähligen Clubs, Discos, Kneipen, Imbissen, Restaurants usw. Sie ist Nachfolgerin des sog. Kunstpark Ost. Hier steht die auch Tonhalle, in der wir neulich schon und heute abend wieder spielen.
Die Kultfabrik, die von vielen immer noch Kunstpark Ost genannt wird, weil sie ja die Nachfolgerin ist, so wie ja auch ältere Menschen oft noch “Brenninkmeyer” sagen, wenn sie C&A meinen, und auch damit nicht unrecht haben, die Kultfabrik hat bei vielen Leuten keinen guten Ruf, weil sie trashig und billig daherkommt, aber das tun Coney Island und Las Vegas auch; manche Leute finden es doof, dass hier die ganzen Menschen aus dem Umland herkommen und am Wochenende einen draufmachen, dass es scheppert. Aber das gilt für Coney Island, Brighton und Las Vegas auch. Saufen bis zum Kontrollverlust? Bei Nicholas Cage… weiter lesen

09.02.2010 von Sven Regener
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Genfood, Hartz IV, Afghanistan, Merkel, Königgrätz, Bachelor-Studiengebühr, Naher Osten, Atommüll!

von Sven Regener

Flug nach Wien: Am Flughafen Tegel kommt es im Vorgriff zum Zusatzkonzert in München (morgen, i.e. 10.2. dann) schon mal zum Hofbräuhaus-Frühstück: Japanischer grüner Tee und Brezel bzw. Brezn. Egal, was man dagegen macht: Irgendwann nimmt einen die Folklore, die einem bei einer solchen Tournee kreuz, quer, hin und her durch Mitteleuropa natürlich an jeder Ecke begegnet, und der man immer und immer wieder blogweis gesehen natürlich auszuweichen bemüht ist, dann doch in die seelische Beinschere. Sei’s drum: Beim Konzert München II (das wird jetzt alles mal durchnummeriert wie bei den Brokdorf-Demonstrationen in den 70ern) werden Coconami Vorgruppe sein, da kann ein bisschen vorfreudige Einstimmung nicht schaden!
Und da klingelt auch das Telefon.

Hamburg-Heiner: Das franst jetzt aber ein bisschen aus mit dem Blog, da sind sich hier alle einig.
Sven: Wer ist alle?
HH: Ich und die freiwillige Deichwehr. Die Erstsemester. Muss ich… weiter lesen

06.02.2010 von Sven Regener
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Die Samba-Karnevals-Straßenbahnfahrt von Bremen!

von Sven Regener

Ich dachte ja eigentlich, ich hätte in dem schon erwähnten Standard-Blog alles über Bremen gesagt, man muss sich da ja kurz fassen, aber auch präzise sein, beim Österreicher zählen nur Fakten, Lakonie und Nachhaltigkeit, aber nun habe ich auf meine alten Tage noch von etwas erfahren müssen, was es wohl schon sehr lange gibt, von dem mir meine Bremer Informanten aber nie, nie, nie etwas gesagt haben: Die Bremer haben, darauf bestehen sie, den größten Samba-Karneval Europas. Und deshalb fahren die Straßenbahnen heute etwas anders durch die Gegend, die Linie 3 Richtung Gröpelingen fährt zum Beispiel teilweise auf der Strecke der Linie 10, und kam so  zu einer Streckenführung, wie es sie vielleicht nur zum Samba-Karneval gibt, wer weiß. Und ich durfte dabei sein, ich lief von Radio Bremen, dessen Haltestelle nicht bedient wurde, bis zum Berufsschulzentrum und stieg dort an der Haltestelle Doventor (sic!) in die Linie 3… weiter lesen

05.02.2010 von Sven Regener
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Wer ist “wir”?

von Sven Regener

Das Telefon klingelte genau in dem Moment, in dem wir die niedersächsisch-hamburgische Landesgrenze auf der A7 überquerten, also kurz vor Harburg, direkt bei Klein Moor, das liegt zwischen Groß Moor und Gut Moor, und das war schon gespenstisch, diese Präzision, aber natürlich auch albern, was will er damit erreichen?

Hamburg-Heiner: Das ist mir aber jetzt schon aufgefallen, dass du neuerdings das “sich” in deiner Prosa auf eine Weise hintanstellst, wie es nur adornobesessene Kulturwissenschaftler der frühen 80er Jahre noch sich trauten, Freund!
Sven: Man könnte tagelang damit sich vergnügen, es würde auf Dauer aber als prätentiös sich entlarven, fürchte ich. Deshalb mal was anderes: Wirst du heute abend in der Alsterdorfer Sporthalle sein?
HH: Die eigentlich unter dem Namen “Sporthalle Hamburg” firmiert.
Sven: Was ein bisschen seltsam ist, so als ob es in Hamburg nur eine einzige Sporthalle gäbe.
HH: Für die, die die Halle betreiben,… weiter lesen

04.02.2010 von Sven Regener
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Versuch über den ruhigen Tag (mit Lied)

von Sven Regener

Ein ruhiger Tag. Sehr ruhig. Gestern in Bochum die Bochum-Supersause mit Jahrhunderthalle, über 3000 Leuten und Bernd Kowalzik auf der Aftershowparty, heute alles ruhig. Sehr ruhig. Früher, als man noch neu im Tourgeschäft war, wäre so ein ruhiger Tag nicht möglich gewesen, das hätte man niemals zugelassen, dass so ein Tag auf Tournee so ruhig vor sich hinplätschert, weil man dann Angst gehabt hätte, dass man so dermaßen abschlafft im Verlauf eines solchen ruhigen Tags, dass man abends auf der Bühne den Biss nicht hat. Heute sieht man das gelassener und weiß, dass es diesen direkten Zusammenhang nicht gibt, man kann den ganzen Tag die Sau rauslassen und umeinanderlaufen wie Hühner bei Gewitter, und dennoch oder gerade deshalb am Abend irgendwie tatsächlich oder auch nur eingebildet abgeschlafft in den Seilen der eigenen Songs gerade so auf den Beinen sich noch halten, wie man aber auch andererseits einen mehr als ruhigen,… weiter lesen

03.02.2010 von Sven Regener
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Ostwestfalen, mon amour!

von Sven Regener

Es ist erfreulich am Beispiel der Horwarths zu sehen, wie recht ich damals, im letzten Jahr, in meinem Standard-Blog damit hatte, den österreichischen Tourismus nach Deutschland zu fördern. Der Flo, der Mike, der Kyrre – seit sie durch Deutschland unterwegs sind, ist ihr Verständnis und ihre Liebe für unser schönes Land geweckt. Ab jetzt ist “alles einfach nur noch schön und gut” (Mike) für sie, “endlich hab ich’s kapiert”, sagte Florian gestern in Bielefeld nach einem ausführlichen Besuch der Bielefelder Innenstadt, und dann sagte er noch: “Hier würde ich gerne mal Urlaub machen”, und ich: “In Bielefeld?” und er: “Aber klar, wo denn sonst?” und ich: “Paderborn ist auch sehr schön und Herford und Gütersloh erst”, und er: “Auch die Menschen. Die Menschen sind schön. Und lieb!” und so ging das immer weiter bis es fast unerträglich wurde, eine Orgie in Einverständnis und Angekommensein und Trauerarbeit auch… weiter lesen

02.02.2010 von Sven Regener
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Die internationale Genfood-Mafia benutzt den Obstteller eines Mittelklassenhotels in Bielefeld, um ihre teuflischen Produkte zu testen!

von Sven Regener

Ich fotografierte gerade den Obstteller in meinem Hotelzimmer in Bielefeld, um damit später die anderen neidisch zu machen, als Hamburg-Heiner anrief.

Hamburg-Heiner: Was machst du gerade?
Sven: Ich fotografiere den Obstteller in meinem Hotelzimmer.
HH: Glückliches Deutschland. Was ist denn alles drauf?
Sven: Kiwi, Banane, Birne…
HH: Das war nur eine Scheinfrage, die war ironisch gemeint.
Sven: …Weintrauben, Apfel, Orange…
HH: Ja, ja! Ist ja gut.
Sven: … rote Johannisbeeren. Wo die die jetzt wohl herhaben?! Und dann ist da noch ein Irgendwas, das mit Schokolade überzogen ist, ein herzförmiges Ding auf einem Holzstiel, den sie in einen der Äpfel gestochen haben.
HH: Soso! Wie läuft’s mit dem Bloggen?
Sven: Schlecht. Es gibt nichts zu meckern. Das ist gut für’s Leben, schlecht für’s Bloggen. Das Bloggen ist doch irgendwie und vor allem zum Meckern erfunden worden, wie soll man das machen,… weiter lesen