Einleitung 4: Die Grenzen der Revolution


Nichts ohne Voraussetzung
Wie wird der Alte aus dem Gang kommen, wo sich die Katze in den Schwanz beißen soll, kurz vor Ende der Einleitung zur Hegelkritik. Da nimmt er Luthers Reformation als deutsche Vorlage für eine Kulturrevolution. Da soll der nur einfach – zum inneren Glauben – befreite deutsche Protestant nun zum doppelt freien Menschen erhoben werden. Für eine solche radikale, menschliche Revolution fehle den Deutschen aber eine Art englischer oder französischer politischer Revolution. Aber nicht die menschliche Revolution versichert sich Marx, sei ein utopischer Traum, die politische. Die entscheidende Voraussetzung des deutschen Sturms auf die Bastille sei, dass das Bürgertum sich wirtschaftlich bereits durchgesetzt habe, also „alle Geld und Bildung beliebig erwerben können“. Das aber eben hat es nicht. – Da wären wir ganz nah dran an der vollen Zivilgesellschaft, rufe ich aus. Wir haben heute Geld und Bildung zuhauf, ja geradezu überschüssig und für Marx ist das Haupthindernis für die Große Wende zur vollen Menschlichkeit nicht deren Verteilung. Was verteilt werden kann, ist von den frühen Generationen von Großeltern geschaffen worden – und von den späten Maschinen.

Die zweite Voraussetzung – Enthusiasmus und Energie
Wenn nun aber das Ökonomische fehlt, dann würde auch der sonst zusätzlich nötige Enthusiasmus einer Befreierklasse nicht greifen, zu dem sich die zu befreienden Massen aufschwingen könnten. Diese Klasse kann dann nicht wirklich „der soziale Kopf und das soziale Herz“ der Gesellschaft werden. Den GRÜNEN, springe ich nun vor, „reichen zur politischen Ausbeutung aller Sphären der Gesellschaft im Interesse der eigenen Sphäre revolutionäre Energie und geistiges Selbstgefühl allein nicht aus.“ Ob sie das schon wissen? Wer immer sich da aufschwingt oder emporgetragen fühlt in Deutschland – er sollte sich den Marxschen Text zumuten.

Die dritte Voraussetzung: die underdogs
Es braucht nach Marx für die GRÜNEN – denn die LINKE hat absehbar mit sich zu tun – eine Opfergruppe, (eine Sphäre, ein Stand), die aktuelles und überkommendes materielles und kulturelles Elend, Unterjochung und Verbrechen (!!) dieser Gesellschaft so verkörpert, dass deren Befreiung „als die allgemeine Selbstbefreiung erscheint.“ Diese Klasse von underdogs oder Parias fehlte 1843 nach Marx ebenso wie die der Großen Befreier. Der „Hauptstock“ der Deutschen sei bescheidener Egoismus, episches Miteinander und Repräsentanz allgemeiner Mittelmäßigkeit. Sie reagierten nicht auf politischen Druck politisch, sondern, „sobald ohne ihr Zutun die Zeitverhältnisse eine gesellige Unterlage schaffen, auf der sie ihrerseits den Druck ausüben (können).“

So wie die Arbeiter- Parias fehlten, fehlten auch die bourgeoisen Revoluzzer, die mit sich selbst diese befreien könnten und dazu jene als Geschichtssubjekte nutzten. So kommt die Revolution weder radikal noch politisch, sondern technologisch über Deutschland. Sie schafft die Brechstange Arbeiterklasse, das Brechmittel Lohnarbeit und die Brache des wirklichen Massenelends.

Gut. Das haben hinter uns. Spielt wer heute hier die damaligen Rollen? Ist der Komputer der Godot, der die wirtschaftswunderliche Mittelstandsgesellschaft bis zur Radikalisierung polarisiert? Oder kommt die ohne jede Revolution hinter unserm Rücken hervor, wenn wir nur lang genug durchhalten? Was verlangte Marx neuen Reformatoren Revolutionäres heute ab? Oder bringt Marx den Großen Salto nicht mehr in den Stand in einer „Einleitung zur Kritik“? Wir haben noch 2 Seiten Zeit.

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