28.02.2007 von
Die Ankunft ist geglückt. Vor der mühsamen Orientierung übe ich mein Ankunftsritual aus, durch das ich mich an jedem Ort der Welt heimisch fühlen kann: Ich begebe mich in das lokale Pizza-Hut. Vor der Flucht hatte ich keine Gelegenheit zu Frühstücken. Beim Essen schaue ich mich um: Niemand ist verkleidet. Ziel erreicht.
Ich mache mich auf dem Weg zum „Instant-Sleep“. Das Hostel ist das Hauptquartier für die vielen engagierten Menschen aus dem Rest der Republik, die unseren Hamburgern Freunden bei der schwierigen Unterschriftensammlung helfen und die von der CDU als „Politiktouristen“ beschimpft werden.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Der Name des Hostels ist Programm. Die Nächte dort werden so viel mit geruhsamem Schlaf zu tun haben, wie Instant-Coffee mit original-italienischem Espresso.
Der Bochumer
26.02.2007 von
Uff. Ich habe es geschafft. So gerade eben noch. Glücklich sitze ich mit einer Reihe Flüchtlingen und verlasse die vom Feind bedrohte Stadt. So ungefähr müssen sich die Passagiere der Gustloff gefühlt haben, als das Schiff den Hafen verließ.
Köln, Karneval und ein Westfale? Nein, das passt nicht zusammen. Da mache ich doch lieber einen Aktionsurlaub in Hamburg.
Dabei ist der Karneval ein wichtiger Grund, warum Köln so eine besondere und liebenswerte Stadt ist. Zum Beispiel gibt es hier eine ausgeprägte Kneipenkultur, in der man auch am Mittwoch Abend nette Leute und nicht nur alleinstehende Alkoholiker trifft.
Köln und Karneval. Das ist wohl auch der Grund für den in Köln weit verbreiteten Klüngel. Die jährliche Festivität sorgt wohl dafür, dass der Anteil Blutsverwandter in dieser Stadt deutlich höher sein dürfte als im Bundesdurchschnitt. Wer schon einmal einen 11.11. in einer Eckkneipe in Klettenberg überlebte, dürfte wissen, was ich meine.
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21.02.2007 von
Probleme der Demokratie in Kenia / Afrika
Auch in Afrika stellt sich die berühmte Frage: „Brauchen wir drei Parteien oder drei Mahlzeiten am Tag?“ Und tatsächlich, wie sollen Wahlen in sogenannten „failed states“, also zerfallenen Staaten stattfinden? In denen Bürgerkriege und Warlords herrschen? Urnengänge ohne Infrastruktur, Lokalverwaltung, Wählerregister? Wahlkämpfe ohne Medien? Auch das eigentliche Subjekt fehlt teilweise, der aufgeklärte Bürger, die Mittelschicht, die Zivilgesellschaft, die demokratische Reformen nachhaltig einfordert.
Ich hatte öfter das Gefühl auf dem WSF, das viele Menschen, die höchst engagiert auf lokaler Ebene arbeiten, mit dem abstrakten Zeug, von dem wir reden, gar nichts anfangen können. Es geht in erster Linie um sauberes Wasser, Armut, Schule, familiäre Probleme, Krankheit etc.
Viele Menschen sind sich Ihrer grundlegenden Bürgerrechte nicht bewusst, deshalb ist sicher Bildung und civil education zentral.
Unsere voll ausgebaute dreistufige Volksgesetzgebung ist oft kaum vermittelbar. Eine wichtige Zwischenstufe könnte sein: Die Möglichkeit von recall… weiter lesen
15.02.2007 von
Auf dem Weltsozialforum in Nairoibi waren ca. 1500 Organisationen vertreten und 1400 Veranstaltungen angemeldet. Bei der Auswahl der von uns besuchten Workshops haben wir uns natürlich auf den Themenzusammenhang Demokratie, Partizipation, politische Strukturen etc. konzentriert. Die Vielzahl von Eindrücken und Erlebnissen chronologisch wiederzugeben, ist kaum möglich, so fasse ich ein wenig zusammen:
Eines der ersten, intensiven Gespräche fand mit einem sehr engagierten Lehrer aus dem Westen Kenias statt: Er hat schon in vielen Teilen Kenias gewohnt, da sein Vater als Beamter oft versetzt wurde, hatte also einen gewissen Überblick über das Land. Er leitete eine NGO mit ca. 20 Mitarbeitern und berichtete: Die Mädchen sind zuständig für das Wasserholen und sind dazu oft stundenlang unterwegs. Deswegen haben sie weniger Zeit in die Schule zu kommen als die Buben und sind alleine schon deswegen benachteiligt. Seine einfache, aber höchst wirksame Maßnahme: Er organisierte, dass an den Schulen Wassertanks aufgestellt werden.… weiter lesen
08.02.2007 von
Nicht unbedingt auf der Reeperbahn nachts um halb eins, sonst aber zu fast allen hellen Tagesstunden an vielen Orten in Hamburg werben Aktive von Mehr Demokratie seit Januar 2007 für die Unterstützung der beiden Volksbegehren “Rettet den Volksentscheid” und “Hamburg stärkt den Volksentscheid”. Hauptziele der beiden Volksbegehren: verbindliche Volksentscheide statt Übergehen von Abstimmungsergebnissen durch die Hamburger Bürgerschaft und die Wiedereinführung der 2006 mit CDU-Mehrheit durch das Landesparlament abgeschafften freien Unterschriftensammlung für Volksbegehren.
Bei Temperaturen um die null Grad und Schneetreiben an manchen Tagen sind die so genannten “Aktionsurlauber” von Mehr Demokratie und so auch ich selbst in der Hansestadt von morgens bis abends auf den Beinen, um unterstützungswillige Hanseaten Anträge auf Briefeintragung zum Volksbegehren ausfüllen zu lassen. Das klingt nicht nur kompliziert, es ist auch kompliziert. Und dieses unnötig umständliche Verfahren motiviert viele Hamburger zur Unterstützung der Volksbegehren.
Eintragungsservice für Bürger
Mit dem Sammelservice von Mehr Demokratie soll sicher… weiter lesen