Oh Holland: dürfen Pädos auf Volkskrant-Site bloggen?

von Falk Madeja

Bizarrer Streit bei „De Volkskrant“: darf ein Funktionär der niederländischen Pädophilen-Partei PNVD auf der Volkskrant-Site bloggen?
 

Als ich vor einer Woche am Samstag in Amsterdam in einem Cafe am Overtoom nahe Vondelpark in der Zeitung „De Volkskrant“ blättert, traute ich meinen Augen kaum. Offensichtlich spielt sich in der Redaktion der als politisch korrekt angesehenen Zeitung ein bizarrer Streit ab. Nun, für mich als Journalist sind sich streitende Journalisten schon immer ein lustiges Thema (jedenfalls, wenn ich mit denen nicht zuammen arbeiten muss) – aber das hier konnte ich kaum glauben. Es ging doch tatsächlich um die Frage: dürfen Pädophile auf der Volkskrant-Website bloggen? Das wäre in etwa so, als würde in Deutschland eine vergleichbare Zeitung wie die „Süddeutsche“ das Pädo-Bloggen einführen würde oder, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, die NPD ihre Web-TV-Nachrichten fortan auf der ARD-Website ausstrahlen. Beides ziemlich unwahrscheinlich, schätze ich mal.
 

Thom Meens, Ombudsmann von „De Volkskrant, sieht sich aber mit einem solchen Fall konfrontiert. Im eigenen Haus: Marthijn Uittenbogaard, Funktionär der PNVD, der niederländischen Pädophilen-Partei, ist nämlich zum Entsetzen von Meens Volkskrant-Blogger – und wie Meens nun von Chefredakteur, Pieter Broertjes, sowie Website-Chef Geert-Jan Bogaerts vernehmen durfte, soll das auch so bleiben.
 

Das wollte der aber nicht hinnehmen. Normalerweise widmet der Volkskrant-Ombudsmann ja seine samstägliche Zeitungs-Kolumne Fragen und Kritiken zw. Lesern und Redaktion (also etwa Fragen wie, ob die Parlaments-Reaktion denn entweder zu rechts oder zu links sei), diesmal aber gings um mehr und so schrieb Meens mit kaum verhaltener Wut an die Adresse der Chefredaktion: „Die Freiheit der Meinungs-Äusserung hat in meinen Augen Grenzen. Die liegen genau dort, wo die Pädo-Partei die Handlungen ihrer Mitglieder verteidigt und sexuelle Handlungen mit Kindern als die normalste Sache der Welt verkauft.“ Doch Chefredakteur Broertjes beschied dem Ombudsmann: der Pädo-Blog bleibe. „Ich bin der Mann des freien Wortes,“ erklärte er.
 

Der umstrittene Blogger Marthijn Uittenbogaard, ein momentan suspendierter Altenpfleger aus Leiden, ist Funktionär einer der seltsamsten Parteien der Welt: die PNVD, die niederländische Pädophilen-Partei. Übrigens nennt sich die Partei aus gewissen Gründen offiziell anders: Partei für Nächstenliebe, Freiheit und Diversität. Ich nenne die Partei trotzdem weiterhin Pädo-Partei. Zum warum komme ich gleich.
 

Seit Monaten sorgt die Partei für helle Medien-Aufregung. In „De Telegraaf“ bsw. nannte der schrullige Professor Bob Smalhout die Pädo-Partei „einen Albtraum für Millionen Eltern“ und verglich sie mit Marc Dutroux. Es gab also kräftig Gegenwind, schliesslich ist die Pädo-Partei auch für die angeblich so toleranten Niederländer eine GVP, eine Grösste Vorstellbare Peinlichkeit. Dennoch überlebte die im Mai gegründete Pädo-Partei im Juli im Haager Gericht aus formalen Gründen einen Prozess um eine einstweilige Verbots-Verfügung.
 

Aber den Pädos sahen sich erst mal im Aufwind, nach dem Motto: Bad news is good news. Anfang September gaben sie in Den Haag eine Pressekonferenz. Aber im direkten Gespräch mit Journalisten sowie wie auf der eigenen Website winden die Pädos ihrer Worte. Wer sich aber die Mühe macht und das Partei-Programm der Pädo-litiker leist, sieht unverblümte Forderungen: in Punkt 9.2.heisst es, dass die Altersgrenze für sexuelle Kontakte auf 12 gesenkt und später ganz abgeschafft werden solle, in Punkt 9.5. wird die Senkung der Altersgrenze für Porno-Darsteller auf 16 gefordert und in Punkt 9.8. geht es um die Freigabe des Besitzes von Kinderporno. Tja, um den heissen Brei drehen sie im Partei-Programm nicht gerade, Hollands Pädos. Sie wollen also Straffreiheit für Sex (sprich Missbrauch) mit Babys und Kindern sowie Kinder-Porno für jedermann. Brrrr…
 

Der Volkskrant-Pädoblog blieb wg. Schlamperei monatelang unentdeckt. Erst vor einer Woche Freitag informierten die Internet-Redaktion ihren Chefredakteur. Ombudsman Meens machte allein das schon wütend: „Wie kann das sein, dass der umstrittene Blog 3 Monate unentdeckt bleibt?“, schrieb er. „Was passiert da noch alles, was die Redaktion nicht weiss?“ Seiner Meinung nach werde der Pädo-Blog unter dem Markenzeichen von De Volkskrant veröffentlich und falle damit unter das Redaktionsstatut. „Das Statut sagt, dass die Redaktion sich für die Entrechteten und Unterdrückten einsetze. Gehören Kinder, die durch Erwachsene zu sexuellen Handlungen verleitet werden, nicht zu dieser Kategorie?“ Chefredakteur Broertjes und sein Internet-Chef Bogaerts belehrten ihre Ombudsmann: „In Weblogs muss man maximalen Raum bieten“, so Broertjes „anders hat es keinen Sinn. Manchmal ist das unangenehm. Ich bekomme auch Anrufe von Lesern, die so was nicht lesen wollen – und ich will das selbst auch nicht lesen. Aber man kann das ja auch einfach wegklicken.“ Die Spielregeln des Volkskrant-Weblogs würden besagen, dass Beleidigungen Aufruf zum Diskriminieren oder Reklame für kommerzielle oder politische Ziele verboten sei. „Wir haben auch einige Teile (der umstrittenen Kolumne, Anm. FM) entfernt, in der Reklame für die Partei gemacht worden ist“, wird Broertjes „NRC Handelsblad“ zitiert. Der Pädo-Blogger veröffentlichte einen dementsprechenden Mahn-Brief der Chefredaktion gleich auf seinem Blog – mit dem Kommentar, er mache ja gar keine Partei-Propaganda.
 

Damit kam die Chefredaktion von De Volkskrant aber nicht weg. Auf der frechen Website Geen Stijl (Kein Stil), wurde getitelt: „Volkskrant promotet Pädophelie“ und „Volkskrant steht wie ein Mann hinter Pädo-Partei“. Das war natürlich masslos übertrieben, aber die Geschichte war eben das „gefundene Fressen“ der respektlosen Schreiber von Geen Stijl. In der Tageszeitung Metro forderte dann Ronald van der Beek von der „Partij voor de Jongeren, dass es eine im Internet einsehbare Liste aller Pädophiler geben solle. Der Pädo-Blogger Marthijn Uittenbogaard liess sich darauf hin doch tatsächlich von „Metro“ zitieren: „Die Pädos werden die neuen Juden“. Darunter machen sie es eben nicht, die Pädo-Funktionäre.
 

Wieder eine Woche später, diesmal hole ich mir die Samstag-Ausgabe„De Volkskrant“ in Berlin am Bahnhof Zoo, geht der Ombudsmann auf die Sache nicht mehr ein. Die Website der Pädo-Partei finde ich am Sonntag von irgendjemand gehackt – der dazu aufruft, „verurteilte Pädophile chemisch zu kastrieren“. Die niederländische Netzeitung, Nu.nl, schrieb, dass die Pädo-Partei 570 Unterschriften für die Zulassung zur Wahl brauche – und im September erst 100 Unterschriften gehabt habe…Ich bin schon sehr neugierig, ob denn in der kommenden Samstag-Ausgabe der Ombudsmann doch noch mal nachlegt. Da werde ich mir „De Volkskrant“ im Amsterdamer Goethe-Institut durchlesen…


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