Burka-Fans wollen Donnerstag in Den Haag demonstrieren

von Falk Madeja

Der Burka-Streit geht weiter. Die Niederländer können sich am Donnerstag, um 12:00 Uhr, auf eine ordentliche Burka-Fan-Demo gefasst machen. Angeblich, so dass Algemeen Dagblad, wollen „ca. 100“ Fans der mittelalterlichen Frauen-Verhüllung mit Plakaten und Flugblättern in Den Haag direkt gegenüber dem Parlament gegen das ihrer Meinung ungerechte Burka-Verbot demonstrieren.

Es gibt eine Website, auf der die Niederländer virtuelle Unterschriftenlisten zu allen möglichen Themen platzieren können: www.axci.nl. Die Petition gegen die Legalisierung der Pädo-Partei unterschrieben 1615 Leute, den Aufruf, der Trainer Willem van Hanegem solle zum kriselnden Fussballclub Feyenoord Rotterdam 1005 und die Aktion gegen das Burka-Verbot unterschrieben immerhin auch schon wieder 770 Menschen.

Was haben die Burka-Fans eigentlich für Argumente? Sind ja in der Petition zu lesen. Verkürzte Übersetzung eines Textes, der lt. Algemeen Dagblad einer gewissen Naima Nafi zugeschrieben wird:

Wir sagen Nein! gegen das Burka-Verbot

(…) „In den Niederlanden hat jeder das Recht auf freie Meinungs-Äusserung, und das kann sich auch in der Wahl eines Kleidungsstückes wie der Burka ausdrücken. (…). (Moslim)Frauen mit oder ohne Burka sind erbost über die Diskussion und erfahren die Disskussion und ein eventuelles Verbot als Unterdrückung. Auch der Vergleich mit der Bivakmütze und dem Integralhelm (ala Demo-Vermummungsverbot in Deutschland, Anm. Falk Madeja) stösst die Gruppe Frauen sehr gegen die Brust weil eine Burka eine religiöse Bedeutung hat und die anderen zwei (Verhüllungs-Instrumente, Anm. Falk Madeja) mit Kriminalität in Zusammenhang gebracht werden.

Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft und das bedeutet, dass es neben der niederländischen Kultur auch andere Kulturen gibt. Um gut mit einander zusammen leben zu können, müssen wir gegenseitigen Respekt vor einander aufbringen, mit dem Gedanken in unserem Hinterkopf: was Du selbst nicht erleben willst, darf Du auch nicht einem anderen antun. Integrieren bedeutet nicht assimileren!

(…) Von Klein auf an machen Kinder mit dem Fakt Bekanntschaft, dass in den Niederlanden verschiedene Menschen wohnen, und dass diese Menschen unter Einhaltung der Gesetze ihr Leben nach eigenem Gutdünken einteilen können. Das zur Zufriedenheit aller Betroffener. Und was ruft dann ein Minister in der Hitze des Wahlkampfes, dass sie ein Gesetzes-Vorschlag vorlegen will, um die islamische Gesichtsbedeckung zu verbieten. Das kulturelle Gedankengut von einer Million niederländischer Bürger wird damit vollkommen lächerlich gemacht. Die niederländische Kultur muss die Norm sein und auf eingewanderte Niederländer wird mit dem Finger gezeigt als sei das eine minderwertige Gruppe. Auf diese Art und Weise die eigenen Vision auf Freiheit an den Mitbürger aufzudringen ist eine beunruhigende und polarisierende Bewegung die dazu führen wird, dass der Abstand zwischen Moslems und den Nicht-Moslems in den Niederlanden wächst und das wollen wir gern.

Wir müssen vom Vorurteil Abstand nehmen, dass Frauen die mehr oder weniger verschleiert über die Strasse gehen, unterdrückt sind. Es ist ein unbegründetes Vorurteil, dass man zu hören bekommt, wenn es um das Thema Frauen-Emanzipation geht. Der Fakt, dass diese Frauen trotz der (politischen) Ärgernisse standhaft bleiben, und mit stolz erhobenen Haupt zur Arbeit, Schul oder einfach so in der Stadt rumlaufen, zeugt von grossem Mut und Durchsetzungsvermögen, das nicht bestraft sondern belohnt werden muss! Es ist ein Frage der Akkzeptanz. Nichts hindert eine Frau daran, um am Arbeitsmarkt und sozialen Leben teilzunehmen, ausser die dominante Arroganz einiger einheimischer Niederländer eingeflüstert durch Politiker wie Verdonk, Pastors und Wilders. Diese Menschen halten gern die Vorurteile warm, weil es ihnen in die eigene politische Agenda passt. Und leider gibt es genug Menschen, die dafür empfänglich sind. Diese Menschen hören gerne, dass sie besser sind als andere und dadurch denken sie, dass sie da Recht haben Mensen verbal oder körperlich ab zu weisen.

Aber mit dieser Petition wollen wir das verhindern. Moslimfrauen sind sehr wohl emanziert, und gerade unsere Kleidung beweist das. Wir wollen nicht beurteilt werden aufgrund der Grösse unseres Vorgipfels, der Menge Peroxide in unserem Haar. Warum sollten wir uns Gesicht voll schmieren mit Make-Up (der Niqaab des Westens, gemeint ist wohl der Schleier der westlichen Frauen, Anm. Falk Madeja), nur um gewürdigt zu werden? Wir leben im Zeitalter der Faltenfüller, der Lippeneinspritzung usw.! Das haben wir als emanzipierte Moslemfrauen überhaupt nicht nötig. Wir wollen lieber beurteilt werden auf der Basis unserer Qualitäten. Es ist eine andere Sicht auf die Emanzipation, die nicht so einfach an die Seite geschoben werden kann.

Schlussendlich versucht die Politik auch noch, einen Link zum Kampf gegen den Terror zu legen. Wieviele Frauen im Niqaab sind eigentlich wegen des Terror-Verdachtes verhaftet worden? Man will gern das Gesicht der Menschen erkennen können. Warum dann nicht anfangen mit der Abschaffung des Bartes? Wir wohnen in einem Land, wo Männer als Frauen durch das Leben gehen, und die Akzeptanz ist da. Warum ist es dann so schwierig für einige Politiker eine Frau mit Gesichtsbekleidung zu akzeptieren? Es geht um ein Stückchen Stoff von 30 mal 30 Zentimeter. Es gibt da in der niederländischen Sprache ein Wort, das ich lieber nicht verwenden will. Es hat was mit dem Geschlechtsdrang von Ameisen zu tun!“

Ende

Ehm, was mir auffällt ist der für Extremisten typische Drang, sich gleichsam als Wortführer einer ganzen Gruppe aufzuschwingen. Von den Moslem-Frauen, die ich so in meinem Leben auf den Strassen Berlins oder Amsterdam gesehen habe, trägt nur ein Bruchteil eine Burka. Dennoch heisst es, mit dem Burka-Verbot werden gleichsam alle eine Millionen in den Niederlanden lebenden Moslems beleidigt. Ausserdem finde ich ganz klar: eine Burka hat in unserer Demokratie nichts zu suchen. Und mir kann keiner weissmachen, dass die Frauen in Afghanistan freiwillig ganzkörperverschleiert rumlaufen…


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