Hollands Geheimdienst lässt Journalisten einsperren
von Falk MadejaAuch in den Niederlanden gibt es eine Art Cicero-Fall. Die Polizei verhaftete zwei Reporter der Tageszeitung „De Telegraf“, der grössten Tageszeitung des Landes. Sie heissen Joost de Haas und Bart Mos – und sitzen nun im Gefängnis von Scheveningen ein. Sie konnten kurz mit der Redaktion telefonieren und bescherten sich, dass sie in einer nach Urin stinkenden Zelle von 2 mal 4 Meter einsitzen müssten. In Scheveningen gab es offenbar anders als im friesischen Drachten kein Luxus-Zellen-Bau-Programm, ich schrieb darüber ja vor einigen Tagen. Auf der Website von De Telegraaf steht noch, dass der fragliche Zellen-Komplex nach dem Krieg diente, um Nazis einzusperren.
Was war geschehen? Nun, die zwei Reporter hatten im Auftrag ihrer Zeitung geschrieben, dass es beim Geheimdienst AIVD offenbar ein Leck gab. Denn irgendjemand verkaufte staatsgeheime Akten über Mink K., laut Zeitschrift wie Vrij Nederland „ein Top-Krimineller“, an andere Kriminelle. Aber wer? Die Journalisten hielten ihre Quellen wie es sich gehört geheim – und Hollands Schlapphüte grämten sich. Erst versuchten sie monatelang, die zwei Journalisten abzuhören. Aber die bekamen das mit, es folgte eine juristische Prozedur und der Richter verbat die Spionage.
Doch Den Haags Geheimdienst wollte sich dabei bewenden lassen. Das Leck musste wie auch immer gefunden werden. Schliesslich erreichten sie, dass das Gericht die Journalisten in Geiselhaft nahm. Die Reaktionen waren zu Recht heftig. De Telegraaf machte am Dienstag auf Seite 1 grosslettrig auf mit „Lasst sie frei!“. Die Chefredaktion gesellte sich zum Gefängnistor und teilte dort die Zeitung aus. Für die Journalistengewerkschaft NVJ protestierte Sekretär Thomas Brüning: „Es ist für Journalisten lebenswichtig, dass sie ihre Quellen schützen können. Sobald Journalisten gezwungen werden, ihre Quellen zu nennen, dann werden die als verlängerter Arm der Justiz angesehen.“ Die Presse habe nun einmal eine wichtige Rolle – und das sei das Aufdecken von Missständen.
Arounda Joustra, Chefredakteur des einflussreichen Magazins Elsevier nannte den Vorgang „absurd“. Die Journalisten hätten lediglich ihre Arbeit gemacht. “Wenn das der einzige Weg ist für einen Geheimdienst, der ein Leck in der eigenen Organisation aufzuspüren, dann ist dieser Geheimdienst wertlos. Lasst sie erst einmal die eigenen Mitarbeiter befragen und nötigenfalls in Geiselhaft nehmen.“
Es gab schon einmal eine Erzwingungshaft für einen Mitarbeiter der Telegraaf-Organisation. Im September 2000 wurde Koen Voskuil, Reporter der gratis erscheinenden Telegraaf-Tochter „Spits“ 17 Tage lang eingesperrt, weil er die Quelle eines Artikels nicht nennen wollte. „Mund halten und durchhalten“, gab er seinen Kollegen Joost de Haas und Bart Mos als Tipp.
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