Telegraaf-Journalisten wieder freigelassen
von Falk MadejaBart Mos und Joost de Haas, die zwei eingesperrten Journalisten der niederländischen Tagszeitung De Telegraaf, werden nach drei Tagen Haft wieder freigelassen. Das jedenfalls beschloss das Gericht in Den Haag. Der Fall hatte sich für die niederländische Justiz als PR-GAU erwiesen. Mehr als 7000 Unterschriften aus dem In- und Ausland forderten die Freilassung, im Haager Parlament liefen etliche Abgeordnete mit Abzeichen „Lasst sie frei!“ herum. Tja, wer sich mit der grössten Zeitung seiner Landes anlegt und dann mal eben deren Mitarbeiter einsperrt – der muss mit kräftig Gegenwind rechnen. Zumal die zwei Journalisten völlig zu Recht darauf bestanden, dass ein hohes Gut bestand haben muss: Quellenschutz, d.h. Journalisten müssen das Recht verteidigen, ihre Zeugen nicht nennen zu müssen.
Was war passiert? Zu Beginn diesen Jahres berichteten Mos und De Haas in De Telegraaf über ein Leck beim niederländischen Geheimdienst AIVD. Sie enthüllten, dass AIVD-Akten über den Top-Kriminellen Mink K. und Korruption bei den Behörden in die Hände von Unterwelt-Figuren gefallen waren. Kurz nach dem Erscheinen des Artikels wurde Ex-Schlapphut Paul H. unter dem Verdacht verhaftet, er habe die fraglichen Akten herausgeben.
Nun wollte das Gericht gern wissen, wie nun die Journalisten Bart Mos und Joost de Haas, Zeugen in der Rechtssache gegen Paul H an die AIVD-Akten kamen. Aber die zwei Journalisten wollten ihre Quellen nicht preisgeben.
Aus dem Gefängnis schrieben die zwei einen offenen Brief: “Mit ihrer Entscheidung uns zu geiseln bringen Sie die Pressefreiheit in Gefahr”, schrieben Mos und De Haas am Mittwoch Morgen an Richter Van Steen. Ihre Meinung nach könne die Pressefreiheit nur funktionieren, wenn Menschen, die das Risiko bereit sind geheime Information weiterzugeben, auf den Quellenschutz der Journalisten rechnen können.
Der PvdA-Abgeordnete Aleid Wolfsen will nun ein Gesetz im Parlament eindienen, in dem der Quellenschutz von Journalisten besser geregelt wird. Dazu müsse allerdings erst einmal eine Parlements-Mehrheit gefunden werden.
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