In noch nicht mal einer Woche wird in den Niederlanden gewählt – und es wird sehr spannend. 150 Sitze gibt es im Haager Parlament, der sogenannten Zweiten Kammer. In der letzten vom Untersuchungsbüro NSS wird der Sozialistischen Partei (SP) des kahlköpfigen Ex-Maoisten Jan Marijnissen ein spektakulärer Sprung von 9 auf 30 Sitze prognostiziert, aber die Partei der Arbeit (PvdA) des weichgespülten Wouter Bos bleibt hängen bei 32 – sage und schreibe 10 weniger als bei den Wahlen 2003. Da GrünLinks der sympathischen aber parteipolitischprofilschwachen Femke Halsema bei 7 (-1) hängen bleibt, reichen 32 + 30 + 7 = 69 nicht an die nötigen 76 für die Mehrheit nötigen Sitze heran. Die linksliberalen Demokraten 66 haben weiter erfolgreich an ihrer Selbstzerstörung gearbeitet – die 2 prophezeiten Sitze sind ein Drittel der bisherigen 6 Kammer-Plätze. Die Linken könnten sich höchstens noch bei der neuen Partei der Tiere (2) oder den orthodoxen Protestanten… weiter lesen
Archive for November, 2006
Wer eben noch ein paar Euro übrig hat und gern in Fussball investiert: in den Niederlanden haben die eigenen Fans ihren Fussball-Club bei Ebay zum Kauf angeboten. Es handelt sich sogar um einen Profi-Verein: ADO Den Haag. Objektnummer 300049784288. Objekt-Beschreibung: „Scheiss Elf ADO Den Haag angeboten + gratis Trainer“.
Der Haken dabei: es handelt sich um den Tabellenletzten der Ehrendivision, der in 12 Spielen nur einmal gewonnen und gerade mal 5 Punkte hat. Heute Nachmittag waren so etwa 550 Euro geboten. Dabei gibt es den erfolglosen Trainer, Frans Adelaar, gratis obendrauf. Eventuell würden die Verkäufer ihr Team auch gegen ein Team mit älteren Damen eintauschen.
Oh, nicht zu vergessen – es gibt noch einen zweiten Haken. Die Fans stehen zwar nicht in der Objekt-Beschreibung – aber die müsste der Käufer wohl auch mit übernehmen. Die ADO-Fans haben sich u.a. einen Namen damit gemacht, ein Spiel lang die Frau des heutigen… weiter lesen
Eine wirklich gute Nachricht: der niederländische Staat und die Deutsch-Amerikanerin Marei von Saher haben nun definitiv einen Vertrag geschlossen, in dem die Übergabe von 202 durch den niederländischen Staat der Familie von Marei von Saher „enteigneten“ Bilder geregelt ist. Bis zum April 2007 muss die Übergabe abgeschlossen sein. Warum mich die Geschichte berührt? Zwei Gründe. Erstens aus persönlichen Gründen. Als vor Jahren die Goudstikker-Sache öffentlich wurde, interviewte ich Marei von Saher in New York oder genauer gesagt Greenwich nahe New York für die ARD und die niederländischen Tagesthemen, NOVA. Es war mein erster Besuch in New York, und alles war beeindruckend. Bis kurz vor Abflug in Amsterdam wusste ich, ob die zwei Sender sich auf Kofinanzierung einigen konnten. Sie hätten ja auch ihre New-York-Korrespondenten losschichen können- Beim Einchecken klingelte mein Handy und ich hatte Grünes Licht. Dann aber wurde die KLM-Maschine gecancelt – und ich bekam einen Sitz in einer… weiter lesen
Das Anne-Frank-Haus ist für viele Amsterdam-Besucher ein Pflicht-Besuch, und ich weiss nicht wie oft ich an den langen Besucher-Warte-Reihen vor dem Anne-Frank-Haus in der Prinsengracht 263 vorbeigelaufen bin. Sehr oft jedenfalls. Das aus Frankfurt stammenden jüdische Mädchen Anne, verraten und ausgeliefert von Niederländern und ermordet von Deutschen, hat uns gerührt mit ihrem Tagebuch, das sie in ihrem Hinterzimmer-Versteck schrieb. So manches Mal schrieb sie darin über den Kastanienbaum, die sie aus ihrem Dachfenster sehen konnte, so bsw. am 13. Mai 1943: „Unser Kastanienbaum steht von oben bis unten in voller Blüte, er ist voller Blätter und viel schöner als vergangenes Jahr.“ Die Stelle fand das NRC Handelsblad. Ich stelle mir vor, wie die kleine Anne ihre Hoffnung an den Baum klammerte, denn einmal musste dieses unheimliche Versteck spielen doch vorbei sein. Aber sie wurde nicht gerettet, sie starb in einem der Nazi-Lager, ein Kind noch, und das werde ich eines… weiter lesen
Es sind nur noch wenige Tage bis zu den niederländischen Parlaments-Wahlen am 22. November – und Sozialdemokrat Wouter Bos zeigt Schwäche. Vor einigen Monaten sah er wie einer der Sieger aus. War er doch so viel charismatischer als sein Haupt-Opponent, der hölzerne Premier Jan-Peter Balkenende von den Christdemokraten und wenn sich wie in den meisten westeuropäischen Ländern die zwei Mitte-Parteien einander inhaltlich so gleichen, dann können solche Sachen den Ausschlag geben. Übrigens ist es praktisch ausgeschlossen, dass in den Niederlanden eine Partei eine Mehrheit der 150 Parlaments-Sitze holt, auch die Partei mit den relativ meisten Sitzen braucht immer ein oder zwei Koalitionspartner.
Bos dann. Gut aussehend, eloquent, weil aus der Wirtschaft (früher bei Shell) kommend auch ökonomisch kompetent. So ganz anders als der Mann, der eigentlich jetzt die Partei der Arbeit führen sollte: Aad Melkert. Den Mann habe ich mal interviewt, als er noch Minister war – und er stand… weiter lesen
Im Herbst 1997 drehten wir für die ARD einen Beitrag über die erste Homo-Ehe in den Niederlanden. Wobei die Wortschöpfung Homo-Ehe nicht zutreffend war – denn, wie Hollands einflussreicher Publizist und Herausgeber der Gay-Krant (Gay-Zeitung) immer zu Recht sagte, handelte es sich nicht um eine „Homo-Ehe“ (wer sagt denn Hetero-Ehe?) sondern um Ehe. Um genau zu sein in dem fraglichen Moment auch nicht um Ehe sondern um registrierte Partnerschaft. Inzwischen ist es auch wirklich Ehe, und als Pieter und Peter (Onkels meiner Tochter Jard) sich im September 2006 das Ja-Wort gaben, dann ist das alles ganz normal. Jard (8 Jahre alt) wächst schon damit auf, dass eben auch Frauen Frauen und Männer Männer heiraten können. Das ist auch gut so, sagten wir uns, als wir vor einer Woche bei Pieter und Peter in aller Seelenruhe in ihrer Wohnung in Utrecht Cafe tranken.
Doch ist es noch lange nicht so, dass… weiter lesen
Wenn Sie sich demnächst irgendwo lesen, dass in den Niederlanden noch mal so etwas wie Enschede passiert ist, dann ist das kein Wunder. Enschede – dort starben am 13. Mai 2000 23 Menschen nach einem Riesen-Feuerwerk-Unglück. 1000e Menschen verletzten sich – und 100e Wohnungen sahen aus wie eben bombardiert. Fassunglos stappfte später Königin Beatrix durch die rauchenden Ruinen – und das niederländische Gebühren-Fernsehen musste einen rabenschwarzen Tag verarbeiten. Weil die Redakteure im zentralen Hilversum sich traditionell sehr wenig um die Städte und Regionen ausserhalb der vier grossen Städte kümmern, war der deutsche Sender WDR schneller beim Unglücksort als die lahmen Gebührenfunker aus Hilversum.
Nun zu „Holland und das Feuerwerk“. Die Feuerwehr Rotterdam und der Umweltdienst Rijnmond haben sich die Mühe gemacht, und die Feuerwerk-Verkaufsplätze rund um Rotterdam untersucht. Die Ergebnisse waren erschreckend. 4 von 5 genügten nicht den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen. Auf das ganze Land hochgerechnet sind demnach von 3000 Verkaufspunkten… weiter lesen
Alex Geert Castermans versteht die Welt nicht mehr. Der Vorsitzende der Gleichbehandlungs-Komission (CGB) in den Niederlanden muss nämlich fürchten, dass die 1994 als Anti-Diskriminierungs-Institution gegründete CGB aufgelöst wird: „Bei den 100en Urteilen pro Jahr rund um Lohnunterschiede auf der Basis des Geschlechts, Alter oder Behinderung wird in 70 Prozent der Fälle unserem Urteil gefolgt, und das finden wir ein schönes Resultat.“ Das Schöne daran: wird der CGB-Entscheidung gefolgt, muss der Fall nicht mehr vors Gericht. Doch bei zwei der jüngsten Urteile hat sich die Kommission gründlich vertan. Einwanderungs-Ministerin Rita Verdonk sowie ihre Partei, die liberale VVD, will darum die CGB gleich abschaffen.
Was war passiert? Im Utrechter „Vader Rijn College“ hatte eine moslemische Lehrerin aus heiterem Himmel angekündigt, dass sie ab jetzt zur Begrüssung niemanden mehr die Hand schütteln wolle. Schuldirektor Bart Engbers suspendierte sie dafür promt. Direktor und Lehrerin wandten sich daraufhin an die Anti-Diskrimierungs-Kommission – weil… weiter lesen
Die Geschichte von Hollands Baby-Knochenbrecher schaffte es dann sogar auf die Titelseite der lokalen Zeitung „Berliner Kurier“. Es sah nämlich danach aus, dass da irgendein geisteskranker Mensch heimlich in niederländischen Krankenhäusern die Kinderstationen aufsuchte, um Kindern die Knochen zu brechen. Es handelte sich um vier Fälle in Amsterdam und Tilburg.
Nun kann wohl Entwarnung gegeben werden. Die Vereinigung der niederländischen Kinderärzte hat die Fälle untersucht und kann keinen Zusammenhang finden. Bei einem Kind im Amsterdamer Medisch Centrum waren drei Rippen gebrochen – das Kind liegt seit seiner Geburt vor einem halben Jahr im Krankenhaus und hat ein schwaches Skelett, heisst es im NRC Handelsblad. Die zwei Fälle im anderen Amsterdamer Krankenhaus, dem der Vrijen Universiteit, wurden zwar nicht näher beschrieben, sollen aber wohl nicht mit dem Rippenbruch-Fall in Verbindung stehen können. Die Polizei untersucht auch noch. Der Fall im südniederländischen Tilburg ist noch nicht aufgeklärt.
Dick Tibboel vom Erasmus Centrum… weiter lesen
Ich werde nie vergessen, wie dramatisch in den Niederlanden der von Den Haag mit zu verantwortende Fall der bosnischen Moslem-Enklave Srebrenica war. Scheinbar machtlos sahen die niederländischen Blauhelme am 11. Juli 1995 zu, wie die Serben Frauen und Männer von einander trennten – und mehr als 8.000 Männer zur Seite führten und erschossen. Hinterher feierten die NL-Blauhelme ihr eigenes Überleben mit Bier in der Hand einen Freunden-Tanz und Oberst Karremans war blamiert, als er zusammen mit Mladic Champagner-trinkend fotografiert wird. Damals schrieb ich über Karremans, der sich in einer Kaserne im Cabrio vor versammelter Mannschaft wie ein drittklassiger Putschisten-General aus Südamerika verabschieden liess, wohin auch immer. Nun kommt das Thema wieder hoch – denn der niederländische Verteidigungsminister Henk Kamp hat einen Plan, den Muska Begovic-Omerovic in der Tageszeitung Trouw mit den Worten „krankhaft und unbegreiflich“ nennt. Ihr Grossvater, Vater und Bruder sind damals nämlich ermordet worden. Was will also Kamp?… weiter lesen