Erfolgstrainer Guus Hiddink droht empfindliche Steuer-Strafe

von Falk Madeja

Das einzige Mal in meinem Leben, wo ich selbst beinahe in einem Klatschblatt gelandet bin, war ein purer Zufall. Ich sass zusammen mit Paula, einer Bekannten bzw. Freundin, in meinem damaligen Lieblings-Restaurant in der Utrechtse Straat in Amsterdam an der Bar. Das Restaurant hatte lediglich ein halbes Dutzend Tisch und es gab täglich ein anderes Menü, dass der stets schweigsame Koch aus Italien vorzüglich zubereitete. Ein Geheimtipp. Paula und ich sassen wartend auf einen freien Tisch an der Bar, plauderten über dieses und jenes. Auch an der Bar sass Guus Hiddink, damals eigentlich Trainer bei Real Madrid. Neben ihm eine schöne und ziemlich junge Frau. Mir schoss noch kurz durch den Kopf, hmh, hatte ich den Guus Hiddink nicht mal auf einem Foto mit einer etwa gleichaltrigen Frau, seiner Ehefrau, gesehen? Nun ich vergass es wieder, was ging es mich auch an. Doch Tage später fiel mir also zufällig ein Klatsch-Blatt in die Hand – und darin war genau unsere Bar-Szene mit Guus Hiddink und der jungen Dame zu sehen. Guus Hiddink hatte also eine Geliebte. Paula und ich hatten Glück. Der Fotograf musste irgendwo draussen vor der Tür gelegen haben, und wir sassen praktisch hinter dem guten Guus. Der uns sozusagen deckte… Es gab zwar nichts zu verheimlichen, aber ich schreib das jetzt mal so.

 

Inzwischen ist Guus Hiddink weltberühmt. Wir Fussballfans auf dieser Erde haben die unglaubliche Euphorie gesehen, die er als Trainer von Südkorea bei der WM in Japan und Südkorea entfachte. Bei der letzten WM coachte er Australien, jetzt trainiert er Russland – und nun kommen wir zur eigentlichen Geschichte.

 

Wenn Guus Hiddink nämlich Pech hat, dann holt ihn die Vergangenheit jetzt ein. Gestern, also ausgerechnet einen Tag vor dem Länderspiel Niederlande gegen Russland hatte Guus in Hertogenbosch einen peinlichen Gerichtstermin. Staatsanwalt Los forderte sage und schreibe 10 Monate Gefängnisstrafe – wegen Steuer-Hinterziehung von 1,4 Millionen Euro in den Jahren 2002 und 2003. Ohne Bewährung! Staatsanwalt Loos kannte keine Gnade, verhöhnte ihn sogar noch: „Für mich ist Hiddink von seinem hohen Ross gefallen“, sagte er und beschuldigte Hidding, er habe auf „freche und listige Art und Weise“ versucht, das Finanzamt zu hintergehen. Hiddink wollte der versammelten Presse kein Interview geben, es sei erst „Halbzeit, in der kommenden Woche kommt mein Anwalt mit dem Plädoier.“ 

 

Was war passiert? Nach der WM 2002 trat Hiddink in Diensten des Vereins PSV Eindhoven. Sein Steuerberater gab ihm den Rat, im nahen Belgien einen Wohnsitz zu nehmen. Also schrieb er sich in Achel, Belgisch Limburg, ein. Er ist nicht der einzige Niederländer, der das tut. In Belgien ist das Steuersystem anders, u.a. gibt es keine Vermögenssteuer. Das Problem: Hiddink hat in Wirklichkeit niemals in Achel gewohnt. Die Staatsanwaltschaft nennt die ganze Aktion darum auch eine „Scheinveranstaltung“. Loos: „Jemand, der in einer Wohnung nicht schläft, niet isst und auch keine persönlichen Gegenstände hat, wohnt da auch nicht.“ In einem Verhör habe Hiddink das auch zugegeben.

 

Nun zu den Zahlen: Hiddink verdiente 2002 und 2003 in den Niederlanden und Südkorea zusammen 3,5 Millionen Euro. In Südkorea bezahlte er rund 600.000 Euro Steuern, in Belgien 219.000 Euro. Zusammen also 819.000 Euro. Wäre er aber in den Niederlanden steuerpflichtig gewesen, hätte er 1,462 Millionen Euro an den Fiskus abführen müssen. Und genau diese Summe will die Staatsanwaltschaft nun von Hiddink haben. Dazu dürfte auch noch eine satte Geld-Strafe kommen, mal abgesehen von der geforderten Gefängnis-Strafe. Sässe er im Knast, wäre er wohl auch seinen sicherlich gut bezahlten Job in Russland los Seine in Belgien und Südkorea gezahlten Steuern müsste er sich selbst zurückholen, was eventuell auch nicht einfach ist und auch noch extra kostet.

 

Noch peinlicher ist, wie alles heraus gekommen ist. Der PSV Eindhoven hatte zu der fraglichen Zeit einen auf einmal ziemlich umstrittenen Direktor, Fons Spooren. Der Mann wurde von der Polizei abgehört, da der Familien-Vater sexueller Kontakte mit Minderjährigen beschuldigt wurde – obwohl er das HIV-Virus in sich trug.

 

Zufällig bekamen die Beamten beim Abhören also einen Dialog zwischen Spooren und Hiddinks Steuerberater van der Boom mit. Van den Boom: ,,So wie die Situation nun ist, wohnt er nicht in Belgien.’’ Spooren: ,,Nicht allein das, er will auch gar nicht in Belgien wohnen.’’ Ein Fussballnomade, die überall und nirgendwo schlief. In Hotels wie das Dorint Hotel in Eindhoven, bei Freundin in Amsterdam, im Trainings-Komplex des PSV Eindhoven “De Herdgang”, oder sogar mal im Auto. Dann nämlich, wenn er morgens früh beim PSV beim Training sein musste. Wäre er von Amsterdam aus nach Eindhoven gependelt, dann wäre er jeden Morgen 1,5 bis 2 Stunden unterwegs gewesen – und die schöne Belgien-Konstruktion futsch gewesen. Die Staatsanwaltschaft betrachtet die Abhör-Tapes als gültigen Beweis.

 

So. Alle relevanten niederländischen Zeitungen und Websites gehen in grosser Aufmachung auf das Thema ein. Heute Abend findet das Länderspiel Niederlande – Russland statt. Ich bin schon mal gespannt, wie die Sache sich weiter entwickelt.


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