„Ist die (niederländische) Königin auch ein Mafia-Freund?“, fragt Leon de Winter
von Falk MadejaDas fragt sich in einem wunderlichen Kommentar jedenfalls Schriftsteller Leon de Winter.
Eine der Lieblings-Themen von Leon de Winter ist Kritik auf Leute, die alles relativieren. Aber jetzt macht er es selbst. Dabei schreckt er sogar nicht davor zurück, die niederländische Königin in seiner Kolumne im Wochenblatt Elsevier sowie auf Elsevier.nl mit Mafia-Kontakten in Verbindung zu bringen. Natürlich nur, um zu suggerieren, wie absurd die Meinung anderer sei, dennoch aber eine Groteske.
Was ist passiert? Die Niederländer lesen und sehen im Moment von einen erstaunlichen Kriminalfall. Kurz gesagt geht es darum. Vor Gericht in Amsterdam steht ein Mann namens Willem Holleeder. Den wiederum kennen die Niederländer schon viele Jahre, denn der Mann hatte einmal den Bier-Magnaten Freddy Heineken entführt. Ein Riesen-Medien-Spektakel. Das über den Fall geschriebene Buch war so populär, dass noch Jahre später fast sämtliche niederländische Profifussballer in Fragebüchern erklärten, es sei das einzige gewesen, dass sie je gelesen hätten…
Nachdem Holleeder zig Jahre abgesessen hatte, kam er wieder frei und tauchte offenbar in die raue Szene Amsterdams mit seinen Drogen-Geschäften, Erpressungen und Morde ein. Einer, der möglicherweise durch Holleeder liquidiert wurde, heisst Willem Endstra. Dieser wiederum handelt in grossem Stil mit Immobilien – und wie es heisst, wusch er dabei Geld aus dem Drogen-Cirquit weiss. Offenbar, darüber sind in den letzten Monaten haufenweise Bücher und lange Artikel in Print und Internet erschienen, hatte Holleeder den „stillem Willem“ Endstra wiederum erpresst. Ich habe mit Staunen ein Protokoll-Buch gelesen, wie Endstra gegenüber der Polizei in geheimen Gesprächen aus dem Nähkästchen plauderte. Am 17. Mai 2004 wurde Endstra dann vor seinem Büro in Amsterdam Oud-Zuid erledigt. Ja, und nun könnte Holleeder möglicherweise den Auftrag dazu gegeben haben. Dazu gibt es jedenfalls in Amsterdam unter hohen Sicherheits-Vorkehrungen einen Prozess. Holleeder taucht dann schon mal zu seinem Schutz mit Helm auf. Sieht grotesk aus. Ansonsten sitzt Holleeder in einem Hochsicherheits-Gefängnis – aus dem er der Zeitung „De Telegraaf“ kurioserweise ein Interview gab. Wahrscheinlich, so wird spekuliert, mit dem Telefon seines Anwaltes Bram Moszkowicz sind. Holleeder erzählte in dem komischen Interview, er sei kein schlechter Kerl. Ach ja.
Nun wird es lustig. Denn Bram Moszkowicz ist anscheinend Freund von Leon de Winter. Er nennt ihn in seinem Stück in Elsevier„mijn maat“, meinen Freund. Bram Moszkowicz war sowohl Anwalt des ermordeten Willem Endstra als auch des möglichen Täters oder Auftraggebers Willem Holleeder. Tja, das klingt mehr als komisch. Klingt nämlich gefährlich! Ist es wohl auch. Jedenfalls monierte sich der Journalist Jort Kelder vom Business-Magazin „Quote“ darüber. Er nannte Moszkowicz einen „Mafia-maat“ (Mafia-Freund), der sich mit Schwarzgeld (von Holleeder) bezahlen liesse. Dazu muss man wissen, dass die Redaktion von Quote vielleicht 250 Meter vom Büro von Bram Moszkowicz entfernt ist. Sowohl Kelder als auch Moszkowicz sind eitel, eloquent und ständig im Fernsehen. Man trifft sich gelegentlich auf der Strasse, man kennt sich und man fordert sich heraus. Moszkowicz ist einer der Sorte Anwälte, die einen Mandanten 100e Euro oder gar 1000e pro Stunde kosten – und so stellte Kelder zu Recht die Frage, wie der in der Bar- und Schwarzgeld-Gesellschaft operierende Holleeder bei Moszkowicz denn seine Rechnungen bezahlt. Und wie es denn sein kann, dass Moszkowicz zur gleichen Zeit Anwalt des späteren Opfers und des später möglichen Mörders sein könne. Endstra ist ja tot und kein Mandant mehr. Aber dennoch hat Kelder einen guten Punkt. Also forderte er Moszkowicz dazu auf, das Mandat von Holleeder niederzulegen. Dessen Doppelrolle sei unakzetabel.
Moszkowicz war beleidigt und klagte daraufhin gegen Jort Kelder. Der wiederum wehrte sich im Namen der Meinungs-Freiheit tagelang mit Texten und kleinen Filmen auf der Website von Quote. Andere Medien mulitiplizierten die Berichterstattung. Kelder gewann in erster Instanz die juristische Auseinandersetzung – Moszkowicz will wohl nun in Berufung.
Nun zu Leon de Winter. Er hat in dem Wochen-Magazin Elsevier sowie auf der Website eine Kolumne. Gelegentlich übernehmen einige deutsche Medien einen Text. Wie gesagt: er schreibt selbst, dass Bram Moszkowicz sein „maat“ (Freund) ist. Seine Logik: „Wenn Bram ein Mafia-Freund ist, und ich sein Freund, dann bin ich der Freund vom Mafia-Freund, und dann bin ich also auch ein Mafioso, oder mindestens ein Mafia-Freund.“ Nun, Leon de Winter muss selbst wissen, mit wem er befreundet ist. Wenn er gern Freund eines Mafia-Freundes ist, dann nur zu! Dazu steht bestimmt nichts im Gesetzbuch.
Um nun deutlich zu machen, dass der Richter, Jort Kelder und die anderen nachweisbar nicht Mafia-Freunde absurde Ideen von Meinungsfreiheit haben, dreht er sich die Sache so zurecht. “Ich habe mehrere Freunde. Ein anderer Freund ist Professor Afshin Ellian. Angesichts dessen, dass ich ein Mafia-Freund bin und damit auch als Mafiosi bezeichnet werden kann, und Afshin mein Freund ist, ist auch er ein Mafia-Freund/Mafiosi.“ So macht Leon de Winter jetzt weiter. Afshin sei Freund von Justizminister Ernst Hirsch Ballin, der wiederum Freund von Premier Jan-Peter Balkenende, der wiederum Freund von Ex-Justizminsiter Piet Hein Donner… Alles Mafia-Freunde/Mafiosis. „Und nun kommt es: Piet Hein Donner hat in unserer Fürstin, Beatrix von Oranje, eine Freundin. Angesichts dessen, dass Piet Hein Donner ein Mafia-Freund ist, ist unsere Königin auch ein Mafia-Freund/Mafiosi.“
Nach der Logik von Leon de Winter sind alle Niederländer also Mafiosis. Das meint er natürlich nicht ernsthaft, er will nur sagen, wie blöd der Richter und wie dumm der Journalist Jort Kelder sind. Willkommen im Reich der Relativierer, Leon de Winter!
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