Hollands letzter Total-Verweigerer wird bestraft

von Falk Madeja

Die Wehrpflicht gibt es in den Niederlanden seit vielen Jahren nicht mehr – logischerweise gibt es also weder Wehrpflichtige oder Zivis. Dennoch: das Land kennt trotzdem Total-Verweigerer, genau genommen einen einzigen. Der 42jährige Bart ten Oever aus Amersfoort soll jetzt auch noch bestraft werden. Ihm droht ein Monat elektronischer Hausarrest.

Er hatte ab 1983 das Antreten der Wehrpflicht oder des Zivildienstes immer wieder hinausschieben können. 1994 bekam er dann eine 7monatige Gefängnisstrafe, die in der Berufung zu 6 Monaten weniger und 240 Stunden Sozialarbeit umgewandelt wurden, die er auch ableistete. Blieb der eine Monat Gefängnis. Anders als Paris Hilton hat er aber einen Job (er ist Anzeigenverkäufer) – und sieht er es eigentlich nicht ein, dass Jahre nach Abschaffung der Wehrpflicht doch noch in das Gefängnis einrücken soll.

Ein Angebot, diesen Monat mit 10.000 Euro Busse abzugelten, wies er zurück. „Sie messen mit zweierlei Mass. Wenn man überlegt, wie viele Menschen in der Vergangenheit sich aus medizinischen Gründen der Wehrpflicht entzogen und wie viele gar nicht erst aufgerufen wurden. Jeder kennt jemanden, der so der Wehrpflicht entkam,“ sagte er dem Algemeen Dagblad. In zwei Wochen muss er sich jetzt im Gefängnis von Haarlem melden – dort bekommt er dann die elektronische Fussfessel. Es sei denn, die Politik erteilt ihm doch noch einen Gnadenerlass. Darüber muss aber ausgerechnet der gleiche strenge Minister entscheiden, der ihm die Hausarrest-Strafe aufgebrummt hat: Ernst Hirsch Ballin. Er bestätigte in einem Brief an die Abgeordneten der post-maoistischen Sozialistischen Partei, Remi Poppe und Jan de Wit, dass die Strafe schon deshalb ausgeführt werden müsse, um „die Glaubwürdigkeit des Strafsystems“ nicht anzutasten. Ob da der gleiche Minister nun Gnade vor Recht ergehen lässt – wir von Meine Güte glauben das nicht.

In Zusammenarbeit mit www.allaboutroyals.com


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