taz logo klein
logo taz.de logo tazblogs

Schrift

Schrift vergrößernSchrift verkleinern

Niederlande im Bann von FARC-Tanja - sie wird Kult!

von Falk Madeja

Wie Meine Güte berichtete, wird in den niederländischen Medien viel über die in Kolumbien bei der Terror-Organisation FARC kämpfende Tanja Nijmeijer geschrieben. Inzwischen scheint sie schon Kult-Karakter zu haben! Der Rotterdamer Grafiker Vos Broekema hat ein T-Shirt entworfen, in dem ihr Gesicht ala Che Guevara stilisiert wird. “Tanja would go” steht darunter. Hier ein Link: www.vosbroekema.nl

Die Wirklichkeit sieht aber wohl weniger revolutions-romantisch aus. Inzwischen durfte die Niederländerin Liduine Zumpolle (Menschenrechtlerin) Tanjas bei einer Flucht zurückgelassenen Tagebücher gelesen. Tanja beschwert sich darin über Langeweile sowie sexistische und autoritäre Kommandanten. Es gäbe den Tagebücher zufolge keine anderen niederländischen FARC-Terroristen, andere Quellen gehen von insgesamt 22 FARC-Leuten aus dem Ausland aus. Die Tagebücher sollen an ihre Eltern gehen, die allerdings untergetaucht sind.

Die FARC fand sich am Samstag auch in De Volkskrant wieder. Die linksliberale Zeitung aus Amsterdam lud von der Website der FARC Fotos von 16 mehr oder weniger hübschen FARC-Babes in Uniform herunter und druckte diese ab. Eine Reportage in Groningen, wo Tanja mal studierte, brachte ein Bild zu Tage, wie wir das in Deutschland dieser Tage ja auch kennen. Ulm - eine alles andere als revolutionär anmutende Stadt, dennoch (oder deswegen!) Schlagzeilen über Schlagzeilen über bombige Bewohner oder Gäste. Über Groningen schreibt De Volkskrant: “Die Revolution, die nicht weiter geht als Proteste gegen Bush, spielt sich vor allem im veganistischen Restaurant Volxkeuken Salmonella und in den Wohnläden der hausbesetzten Post ab.” Es wird nach Sprechstunde über Hausbesetzungen sowie Gegenmassnahmen der Hausbesitzer informiert. Allgemein gesagt, sei die Atmosphäre zwischen Hausbesetzern (Kraker genannt) und der Polizei “gemütlich”, einer der Stadträte war selbst mal Kraker.

Tanja selbst wohnte laut De Volkskrant mal in dem Kraker-Haus “Op Drift”, wo auch schon mal Leute von der Zapatistas aus Mexico kamen. An ähnliche Besuche von der FARC kann sich laut De Volkskrant niemand erinnern, aber in einem Blog auf der Website der kolumbianischen Zeitung “El Tiempo” ist von einem Besuch in Groningen vor sechs Jahren die Rede, wo Reklame-Broschüren für die FARC ausgeteilt worden seien. Im Jahr 2001 hat eine Nachfolge-Partei der niederländischen CPN, die Nieuwe Communistische Partij Nederland (NCPN) in Den Haag, Leiden und Amsterdam Diskussions-Abende über Kolumbien organisiert - Leute von der FARC waren mit Namen in den Redner-Listen genannt. “Das war noch zu verteidigen”, kommentiert “De Volkskrant”, denn in diesem Moment habe die kolumbianische Regierung mit der FARC Friedensgespräche geführt. Die Aktivisten von Ravage Digitaal führten ein Interview mit einer 29jährigen FARC-Dame, die Ravage mit Handy und elektronischem Taschenkalender verblüffte.

De Volkskrant zufolge soll die FARC inzwischen jede Menge Geld mit Entführungen und Drogenhandel. Es soll sich um die “reichste Guerrilagruppe der Welt” handeln. Die Regierung Kolumbiens soll demnach schätzen, dass die FARC allein im Jahr 2003 rund 500 Millionen Euro “verdient” habe. Es sollen heutzutage 12.000 bis 15.000 FARC-Leute durch den Dschungel laufen. Seit dem Jahr 1997 steht die FARC auf einer Liste von Terror-Organisationen der USA und seit dem Jahr 2002 auch bei der Europäischen Union.

Übrigens führt ein Link auf der Website der FARC (www.farcep.org) zur Zeitung “Junge Welt”. Und zwar der hinter dem Wort “deutsch” - allerdings läuft der Link ins Leere…

Ein Kommentar zu “Niederlande im Bann von FARC-Tanja - sie wird Kult!” (1)

    Lebt Tanja noch? Denn nachdem was die kolumbianische Semana von ihren Tagebüchern und Briefen abgedruckt hat, dürfte die FARC nun nicht mehr allzu glücklich mit ihr sein. Tragisch, aber vielleicht verstehen so mehr Leute in Europa, dass die FARC nichts anderes als ein Haufen irrer Drogenschmuggler ist, die mit linker Ideologie nichts zu tun haben und gerade denen am meisten schaden die sie doch angeblich vertreten. Die ärmsten Campesions leiden am meisten unter diesen Verbrechern.

Kommentar schreiben