Prozess des “Jahrhunderts” in Amsterdam
von Falk MadejaHeute wird in den Niederlanden der “Prozess des Jahrhunderts” wieder aufgenommen. Der Prozess gegen Willem Holleeder! Der “ultimative Angriff” von Polizei und Justiz gegen den König der Amsterdamer Unterwelt, Willem Holleeder. Es geht um 15 Morde in 5 Jahren, Erpressung und Drogenhandel.
Morde, die in den vergangenen Jahren an hellichten Tagen in Amsterdam geschahen. Leute, die auf Scootern herumfuhren und gnadenlose ihre Opfer (häufig Unterwelt-Kollegen) abknallten. Und dann irgenwo in Serbien, Surinam oder sonstwo verschwanden.
Den Hauptverdächtigen kennt in den Niederlanden fast jeder. Willem Holleeder war schon vor diesen vermeintlichen Taten ein “Grosser” unter den niederländischen Kriminellen. So wagte er es, den Biermagnaten Alfred Heineken zu entführen. Am 9. November 1983 entführten sie “Freddy” Heineken und dessen Chauffeur Ab Doderer. Sie erpressten 35 Millionen Euro (ca. 16 Millionen Euro) – und liessen die Opfer dennoch nicht frei. Wochen später wurden diese dann in klitzekleinen Zellen in einem Speicher im Hafen von Amsterdam gefunden wurden. Das brachte Holleeder 11 Jahre Gefängnis ein.
Die Sache ist für viele Niederländer wichtig, weil hier Polizei und Justiz ihre Leistungsfähigkeit gegenüber der Unterwelt zeigen wollen. Der Prozess könnte aber auch ein Fiasko werden. So sind zwei der vermeintlichen vier Erpressungsopfer liquidiert und die zwei anderen streiten alles ab. Die Ausführer der Morde sind häufig Handlanger vom Balkan, die nur für die Tat in die Niederlande einreisten und dann wieder spurlos verschwanden. Natürlich hat der Auftrageber nicht einen “Schiessbefehl” dokumentiert oder das Mords-Geld per Konto-Überweisung bezahlt. Ausserdem wurde bei Willem Holleeder eine schwere Herzerkrankung diagnostiziert, die inzwischen operiert wurde. Er könnte wie weiland Serbiens Diktator Milosovic während des Prozesses sterben.
Der Prozess-Ort in Amsterdam Osdorp ist ein wahrer “Gerichts-Bunker”. Abgeschirmt durch eine meterhohe Wand aus Stahl. Nicht ohne Grund: im April wurde bei Prozess-Beginn das Gebäude mit Raketen beschossen. Täter nach wie vor unbekannt. Später wurde der Prozess wegen der Erkrankung von Holleeder unterbrochen.
Bei der Neuaufnahme des Prozesses bestritt er, etwas mit der Erpressung eines Immobilien-Hais zu tun zu haben. Aber das ist auch nur einer von vielen Vorwürfen.
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