Orange – für die Niederlande auf einmal ein Dilemma
von Falk MadejaUnd das wegen China! Wenn die Niederländer über ihre Sportler jubeln (meistens natürlich beim Fußball), dann sind sie von oben bis unten in Orange gegleidet. Denn das Königshaus heißt ja “Haus von Orange”, was natürlich nichts mit Apfelsinen zu tun hat sondern dem Adelshaus Orange-Nassau.
Bei den Olympischen Spielen in Peking, so wollen es jetzt einige Künstler aus Dänemark, soll der Protest gegen Chinas Menschenrechts-Politik im Fall Tibet weltweit durch orange Utensilien ausgedrückt werden. Die Aktion wurde durch den Dänen Jens Galschiot initiert und läuft im Internet unter www.thecolourorange.net. So viel wie möglich Menschen sollen bei den Spielen und anderswo irgendwas orangefarbenes anziehen oder orangefarbende Utensilien als Zeichen von Protest verwenden. Die Farbe Orange soll das olympische Ideal der Verbrüderung der Menschheit nachdrücklich verkünden und wiederum ausdrücklich als nicht-politisches Signal gesehen werden. Die Dänen fühlen sich inspiriert durch die orangefarbenen Kutten, die die Mönche da in Asien tragen.
Wenn die dänischen Künstler Erfolg haben, dann ist jeder niederländische Sportler eigentlich automatisch ein Teil der Protestkampagne. Obwohl wir die offizielle Olympia-Kleidung der niederländischen Sportler nicht kennen und diese bestimmt auch in den Fahnen der National-Fahne (rot-weiss-blau) abgestimmt sein wird (die allerdings auch durch dutzende andere Staaten wie Frankreich und die slawischen Länder benutzt werden) – irgendwas orangefarbenes wird immer dabei sein.
Das IOC wird sich statt orange ziemlich wahrscheinlich grün und blau ärgern, die chinesische Regierung wird entsprechend der Landesfahne rot vor Wut sein. Was aber bedeutet das für die Niederlande?
Die Zeitung “De Telegraaf” berichtet schon mal, dass das niederländische NOC*NSF ”unglücklich” über diese Aktion sei. “Wir werden uns anschauen, wie darauf reagiert werden kann”, sagte die NOC-Kommunikationsmitarbeiterin Annemiek van der Meer am Wochenende eigentlich völlig nichts sagend.
Klar ist, die Orange-Aktion ist wie auch immer ein Dilemma. Distanzieren sich die niederländische Regierung, das NOC*NSF und etwa das Parlament davon, dann machen sie sich in der westlichen Welt völlig unmöglich – ausserdem kann ja die Haager Regierung eh nichts machen, wenn jemand in Kopenhagen mit Orange-Protest-Shirts rumläuft oder ein schwedischer Läufer mit einem Orange-Stirnband in Peking im Stadion rumkurvt. Distanzieren sie sich nicht, dann wird sich die Niederlande vielleicht den Zorn der Autokraten in Peking zuziehen. Wie schwierig der diplomatische Drahtseilakt ist, war im Fall des Films von Geert Wilders zu sehen – da wurde monatelang von allen Seiten (inkl. Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende) Panik geschürt und am Ende war das Werk des Anti-Islam-Aktivisten Geert Wilders ein Schuss in den cineastischen Ofen.
Lustigerweise benutzen die Niederländer und Deutschen ja auch das Wort Sinaasappel und Apfelsine, dass ja den gleichen Ursprung hat: es bedeutet chinesischer Apfel oder Apfel aus China! Aber wir können uns nicht vorstellen, dass sich jetzt das Haus von Orange, das Königshaus, in das “Huis van Sinaasappel” (Haus von Apfelsine) umbenennt. Da wäre vielleicht einen vorbeugenden Schritt zu weit.
Der niederländische Kronprinz Willem-Alexander, IOC-Mitglied und in früheren Jahren begeisterter Jubler bei olympischen Erfolgen seiner künftigen Untertanen, muss nun auch überlegen. Kann ich eigentlich bei Olympia-Sieg von Niederländern auch mit einem Orange-T-Shirt feiern, oder geht es nur im schwarzen Anzug? Werde ich mit einem orangefarbenen Utensil sonst von der chinesischen Regierung gemobbt?
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Die neusten Informationen über die Kampagne sind immer hier zu erreichen:
http://www.TheColorOrange.net/uk/
Die Grundidee in deutscher sprache, siehe:
http://www.TheColorOrange.net/uk/page21_de
Mit freundlichen Grüssen
Vagn Frausing
internatinaler Sekretär