Telegraaf-Gruppe in ProSiebenSat1-Desaster
von Falk MadejaDie Telegraaf Media Groep (TMG) hat sich tatsächlich ein ProSiebenSat1-Desaster aufgehalst. Wie am Freitag Abend bekannt gegeben wurde, zwingen die Finanzinvestoren KKR und Pemira die Niederländer, die u.a. die noch auflagenstärkste Tageszeitung “De Telegraaf” herausgeben, zu Übernahme von 12 Prozent an ProSiebenSat1.
Übernahme-Betrag: 377 Millionen Euro! Dazu muss man wissen, was TMG pro Aktie bezahlen muss – 28,71 Euro – der aktuelle Wert liegt bei 5,50 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen.
Hintergrund: im vergangenen Jahr übernahmen KKR und Pemira von TMG 20 Prozent der Anteile an der TV-Gruppe SBS, TMG bekam dafür 433 Millionen Euro. Und die Möglichkeit, um später 12 Prozent an ProSiebenSat! übernehmen zu können. Im Juni verwarf TMG die Option, um die 12 Prozent für 455 Millionen Euro (also 34,71 Euro pro Aktie) übernehmen zu können, nun werden sie zur Übernahme gezwungen.
TMG verliert 150 bis 200 Millionen Euro. Es wird wohl Entlassungen geben. Im Jahr 2007 setzte man 738 Millionen Euro um, in diesem Jahr soll es eine Rendite von vielleicht 8 Prozent geben.
Der Verlag der Tageszeitung “De Telegraaf” kämpft mit einem ähnlichen Dilemma wie der Axel-Springer-Verlag. Den Kartellbehörden ist bzw. war es ein Dorn im Auge, wenn Verlage mit einer traditionellen Marktführerschaft (soll heissen im Zeitungsmarkt!) sich im Fernseh-Markt betätigen. Dabei haben Gratis-Zeitungen (in den Niederlanden Metro) und zig Websites inzwischen gerade bei jüngeren Zielgruppen inzwischen soviel Marktanteile erobert, dass De Telegraaf oder Bild gar nicht mehr marktbestimmend sind – und es auch nicht mehr sein würden, wenn der betreffene Verlag nun ein paar Fernsehsender hat.
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