Gratis-Zeitung “Dag” – das Ende naht
von Falk MadejaIm niederländischen Gratis-Zeitungskrieg scheint es nun ein Opfer zu geben. Die Eigentümer der Zeitung “Dag”, herausgegeben vom Verlag PCM (NRC Handelsblad, De Volkskrant, Trouw, Algemeen Dagblad) scheint die anhaltenden Verluste nicht mehr verantworten zu können. Eigentlich sollten noch einmal 7,5 Millionen Euro in das chancenlose Projekt hineingesteckt werden, aber PCM bzw. die dahinter stehenende Stiftungen wollen wohl nicht mehr, schreibt die Website der Journalistengewerkschaft NVJ, Villamedia.
“Dag” war von Anfang an ein wunderliches Projekt. Massgeblich inititiert vom Chefredakteur der Zeitung “De Volkskrant”, Pieter Broertjes. Der Mann, unter dessen Regie die Auflage der Volkskrant dramatisch sank und die heutzutage wegen ihrer moralinsauren Tones auch schon mal “Essig-Bote” genannt wird, hatte sich Ende der 90er wiederholt überheblich über das Phänomen der kostenlosen Zeitungen geäussert.
1998 kam das aus Schweden stammende Zeitungsprojekt “Metro” (in einer schwedisch-niederländisch-deutschen Kooperation) – Metro durfte sich laut Broertjes nicht einmal Zeitung nennen. Viele Jahre später, Metro war inzwischen sehr profitabel und Konkurrent Spits vom Telegraaf-Konzern wohl auch, machte er sich ausgerechnet Broertjes für ein Gratis-Zeitungsprojekt des PCM-Verlages stark. “Dag” also. Die Zeitung scheiterte einerseits an inhaltlichen Problemen (fügte dem Markt kein neues Konzept zu), andererseits an einem verfehlten Distributionskonzept. Während Metro und Spits (und auch die Zeitung “De Pers”) ab früh morgens im öffentlichen Nahverkehr verteilt bzw. ausgelegt werden, gab es “Dag” zumeist ab 08:00 Uhr, wenn die Supermärkte wie Albert Heijn öffneten. Studenten, Schüler und Arbeitnehmer gehen aber morgens kaum zu Albert Heijn. Nun bleibt abzuwarten, wann die vierte Gratis-Zeitung “De Pers” die Verluste von schätzungsweise 100.000 Euro pro Tag als zu hoch einschätzt, um weiter zu machen. “Dag” und “De Pers” sind einfach viele Jahre zu spät gestartet….
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