DSB Bank – fällt eine niederländische Bank ganz einfach um?

von Falk Madeja

Dirk Scheringa ist, wie man es auch dreht und wendet, ein bemerkenswerter Mann. Der einstige Polizist hat sich in einigen Jahrzehnten ein finanzielles Imperium aufgebaut – die sogenannte DSB (Dirk Scheringa) Bank, die unter verschiedenen Markennamen Kredite und Hypotheken anbot (diese allerdings gern mit diversen Versicherungen verknüpfte). Im vergangenen Jahr holte sein eigener Fussballverein, AZ Alkmaar, den Titel in der niederländischen Ehrendivision. Ein Museum besitzt er auch noch und am vergangenen Freitag präsentierte er zum Start der neuen Saison wieder sein eigenes professionelles Eislaufteam. Allerdings nicht lange, nach nur 15 Minuten verschwand er wieder, ohne eine Frage zu seiner DSB Bank zu beantworten.

Die Fragen sind allerdings zahlreich. Seit Tagen spekulieren die Offline- und Online-Medien, ob seine Bank nicht einfach umfallen könnte. Grund: Pieter Lakeman, der für die Stichting Hypotheekleed (Stiftung Hypothekenelend), 1100 Parteien vertritt, die bei der DSB Bank (oder Tochterfirmen) Kredite und Hypotheken abgeschlossen hatten und sich betrogen fühlen, hatte unverblümt im Fernsehen gefordert, dass die Niederländer ihre Spargelder bei der DSB Bank abziehen sollten. Es handelt sich um ingesamt 4,3 Milliarden Euro. In wilder Panik versuchten daraufhin viele Betroffene ihr Geld auch wirklich abzuzuziehen – ein Prozent der Summe, also rund 40 Millionen Euro, flossen ab. Danach lag die Website der DSB Bank, also der Teil für das Online-Banking, erst mal platt. Angeblich seien Hacker Schuld. Das war bis zum Wochenende so.

Lakemans lakonisch im Algemeen Dagblad, was ihn betrifft, könne die DSB Bank auch pleite gehen. Für die Betroffenen wäre der Schaden nicht so gross, denn alles bis 100.000 Euro bekämen sie vom Bankensicherungsystem vergütet, ausserdem habe die DSB Bank noch Eigentum.

Die Angelegenheit mit der DSB Bank ist auch politisch heikel. Nannte Finanzminister Wouter Bos noch vor wenigen Tagen die von der DSB Bank vergegebenen Kredite ein “idiotisches System”, so ruderte er inzwischen zurück. Er und Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende nannten Lakemans Aufruf “unverantwortlich”. Vier prominente Mitglieder der opposiionellen VVD sind der DSB Bank verbunden – Ex-Finanzminister Gerrit Zalm (heute, Frank de Grave (stoppte nach zwei Monaten), Robin Linschoten und bis jetzt auch Ed Nijpels, der war Aufsichtsrat und trat jetzt ab.

Die anderen niederländischen Banken würden die DSB Bank ungern fallen sehen. Hat das niederländische Bankensystem doch gerade erst einigermassen das Debakel von ABN Amro Bank und Fortis Bank verarbeitet – letztere wollte erste übernehmen, das scheiterte im weltweiten Bankenkrisenstrudel. Heute ist die ABN Amro Bank defacto eine Staatsbank und, genau, Gerrit Zalm (Ex-DSB) steht hier am Ruder. SNS Reaal ist zehnmal grösser, die Rabobank ist 100 mal grösser – diese Banken gelten als “systemrelevant”. Aber die DSB Bank soll 2,8 Milliarden der Hypotheken an andere Parteien weiter gereicht haben, lt. De Volkskrant weiss aber keiner so genau an wen.

Die Nederlandsche Bank (DNB) gabe am Donnerstag allerdings eine Unterstützungserklärung für die DSB Bank ab. Lakeman weisst aber darauf hin, dass Finanzminister Bos die Kredit-Praxis der DSB Bank “idiotisch” nannte, die DNB aber nicht. Das alles habe dazu beigetragen, dass sich Scheringa “bereichern” habe können. Der IMF sieht übrigens noch mehr Wolken am Horizont, die Wohnungspreise seien in vielen Ländern zum Teil drastisch gefallen, nur in den Niederlanden noch nicht wirklich. Ich bin in den vergangenen Tagen Wochen durch einige Dörfer und Städte in den Niederlanden gelaufen, rund um in Amsterdam und in der Provinz Brabant – die Schilder, Wohnung zu verkaufen, schossen wie Pilze aus dem Boden. Wenn das Angebot weiter steigt, sinken die Preise weiter.

Ironischerweise hatte Scheringa mittten in der finanziellen Krise angeboten, er könne als eine Art Krisenminister die finanzielle Krise lösen – andere könnten das auch, er aber ein bisschen schneller. Nun steht er selbst mit beiden Beinen tief im finanziellen Modder. Es wird auch spekuliert, dass er in Kürze abtreten muss.


3 Kommentare zu "DSB Bank – fällt eine niederländische Bank ganz einfach um?"

  1. Wer einen Eindruck von der Entwicklung auf dem Niederländischen Wohnungsmarkt bekommen will sollte sich die letzten Zahlen des Niederländischen Statistischen Bundesamtes (CBS) anschauen

    http://www.cbs.nl/en-GB/menu/themas/bouwen-wonen/publicaties/artikelen/archief/2009/2009-09-21-m11.htm

    Die Seite ist auf Englisch

  2. ” … diese Banken gelten als “systemrelevant”. -

    Also: Die Banken, bei denen die Holländer staatsverschuldet sind, müssen “gerettet” werden. Witzig: Die Schuldner verschulden sich weiter, um ihre unersättlichen Gläubiger zu “retten”, wg. “Krise” und so. Wie bei uns.

    Krisenexperte:

    „Wir befinden uns am Anfang einer globalen Umwälzung. Alles, was noch fehlt, ist eine große weltweite Krise, bevor die Nationen die ‘Neue Weltordnung’ akzeptieren.”

    David Rockefeller 2005 auf der Bilderberger-Konferenz in Rottach-Egern
    (Wikipedia)

  3. Darf im man im Fernsehen auffordern ‘Euer Geld raus aus DSB’?

    Wie der WDR5 berichtete ging die DSB Bank deshalb unter weil im niederl. FrühstücksFernsehen zum

    Abzug aller Sparguthaben aufgerufen wurde.

    Nachzu hören

    http://www.wdr5.de/sendungen/morgenecho/details.html?tx_wdr5ppfe_pi1%5BshowUid%5D=5467282&tx_wdr5ppfe_pi1%5BbeitragsUid%5D=27351&cHash=2fa3bbc6a7

    Pieter Lakeman von der Vereinigung der Kreditgeschädigten der DSB Bank hatte um den 7.10.09 im niederl.

    FrühstücksFernsehen zum Abzug aller Sparguthaben aufgerufen.

    Weiss jemand wann das gesendet wurde, und wo (auf Youtube) anzusehen?

    Wäre soetwas auch in Deutschland möglich? Denn HypoKnebelverträge und Wucherprovisionen von 80% für unnötige Versicherung im Zusammenhang mit Finanzierungen gibt es auch in Deutschland.

    Bedenke immer: der Kunde einer Bank/Sparkasse ist nicht machtlos.

    Schönen Tag wünscht der BEOBACHTER

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