Herman van Veen, Geert Wilders und die Dämonen
von Falk MadejaFür Herman van Veen sind es schwierige Tage. Am Wochenende hatte er in einem Brief in der Zeitung “De Volkskrant” und bei einem Auftreten in Utrecht die Partei von Geert wilders, die PVV, mit der Nazi-Partei NSB verglichen. Woraufhin sofort eine KLawine auf ihn heranbrach, nämlich auf seiner Website. E-Mails mit Beschimpfungen.
Gestern Abend sehe ich dann im TV-Programm “Pauw & Witteman”, wie Herman van Veen versucht, der Angelegenheit ein paar Nuancen zuzufügen. In der TV-Sendung ging es auch um den Fall der Mauer, und wenn irgendein Niederländer vor dem Fall der Mauer in der DDR oft aufgetreten ist, dann doch wohl Herman van Veen. Er weiss jedenfalls, wovon er spricht, wenn er an den Charakter nicht-demokratischer Bewegungen bzw. Parteien erinnert. Und eine Partei wie die PVV von Geert Wilders mit nur einem Parteimitglied (Wilders also), so das Argument von Herman van Veen kurz zusammengefasst, sei nun einmal undemokratisch und darüber mache er sich Sorgen.
Am Dienstag Morgen dann geistertb auf der Titelseite des “De Telegraaf” ein Zitat des Anwaltes Bram Moszkowicz wie ein böser Zeigefinger herum. “Van Veen dämonisiert Wilders”. Der NSB-Vergleich von van Veen sei “infam” und alles möglich andere auch noch – Wilders selbst sagte nichts, sein Anwalt, jener Moszkowicz sah gleich zwei Millionen Niederländfer beleidigt. Und habe Wilders nicht vor kurzem noch in den USA mit Elie Wiesel am Tisch gesessen? Kurzum, die Wilders-Partei, so sein Anwalt weiter, habe keine Mitglieder, weil diese dann durch allerlei Menschen von Innen kaputt gemacht werde. Menschen wie Herman van Veen würden mit ihrer Herumdämonisiererei dafür sorgen, dass es Anschläge geben könnte.
Scheint also, als ob dieser in meinen Augen so sanfte Herman van Veen in den Niederlanden irgendwelche Dämonen geweckt hat. Im Laufe des Dienstags ruderte Geert Wilders ein bisschen zurück. Herman van Veen dürfe von seinen Anhängern nicht bedroht werden und wenn das doch geschehe, dann sei er böse.
Kurioserweise verliert Herman van Veen auf seiner deutschen Website über die Affäre kein Wort. Stattdessen am 9. November eine Geschichte über die Mexikanische Grippe, Impfen und so.
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Nachdem die Nazi’s 1940 das kleine Holland überfallen und über 3.000 niederländische Soldaten getötet hatten, sang der Höllander Johan Heesters in Deutschland weiter für die Wehrmachts- und SS-Truppen. In 1940, 1941, 1942, 1943 und 1944 (über 1945 finde ich so schnell keine Daten). Sogar in den Vernichtungslagern sang er – obwohl er von den Greueltaten da natürlich nichts gewusst hat….
Mit seinen Auftritten hat er die Moral der deutschen Soldaten und der deutschen Bevölkerung wesentlich unterstüzt.
Deswegen würde er und wird er von vielen Holländern immer noch von Landesverrat bzw Hochverrat beschuldigt.
Anders als Heesters stand Herman van Veen seinem Deutschland, der DDR, kritisch gegenüber. Deswegen war er da auch sehr beliebt. Bei der Bevölkerung. Aber auch bei den Regierenden, die Hermans Auftreten immer wieder als ein Ventil nutzten womit die Unzufriedenen Dampf ablassen konnten – um dann völlig erholt am nächsten Morgen wieder an die Front zu gehen – am Arbeitsplatz, Kampfplatz für den Frieden. Bezahlt hat die DDR in harte Währung.
Nun möchte ich Herman ungerne mit Jopie vergleichen. Aber das Herman indirekt den rechtspopulistischen Geert Wilders mit einem Kollaborateur vergleicht, das geht zu weit. Etwas mehr Bescheidenheit würde ihm passen. Artisten sind leider selten bescheiden, sie lieben grosse Worte.
Als jemand der weiss was sich tatsächlich ereignet hat bin ich ausgesprochen entsetzt und möchte doch herzlich bitten das Leute die sich hier bei so einem brisanten Thema öffentlich äußern doch einige Dinge beherzigen und bedenken sollten.
Erstens sich zuerst über die Tatsachen zu informieren.
Herman van Veen hat sich tatsächlich mit Sorge über die Entwicklung der Demokratie in Europa und in dem Zusammenhang auch über Parteien in den Niederlanden geäußert. Kein Wunder wer würde sich nicht ängstigen in Anbetracht der vielen Parteien die in den Ländern Europas für einen bedenklichen Rechtsruck sorgen.
Was allerdings die wirklich beängstigende Flut von Hassmails und Drohungen, der Ausdruck Beschimpfungen trifft es wirklich nicht annähernd, ausgelöst hat war die Tatsache das diese Äußerungen von einem Journalisten falsch wiedergegeben wurden. Besagter Journalist hat sich inzwischen öffentlich entschuldigt und klargestellt das Herman van Veen nie die Äußerung so gemacht hat die für diese heftigen Reaktionen gesorgt haben.
So hat Herman van Veen auch in der Talkshow “Pauw & Witteman” nicht versucht der Angelegenheit ein paar Nuancen zuzufügen sondern mühsam und vorsichtig versuchte klarzustellen das er das eben nicht so gesagt hat wie es fälschlicherweise gedruckt wurde. Vielleicht ist ihm das nicht so gelungen wie er es gerne wollte. Aber wem wäre das auch gelungen wenn er sich wie Herman van Veend plötzlich der Tatsache gegenübersieht mit samt der ganzen Familie für etwas mit dem Tode bedroht zu werden das man nie gesagt hat.
Man stelle sich mal vor, man sagt etwas, jemand anderer verändert und veröffentlicht es so das man haufenweise ernstzunehmende Todesdrohungen aus der rechten Ecke bekommt. Wie würden sie sich fühlen. Wie würden sie reagieren. Sie wüssten auch nicht was jetzt tun. Soll man sich dazu äußern oder würde das nur noch mehr Staub aufwirbeln. Würden sie nicht auch zuerst überlegen bevor sie sich äußern. Das ist nicht kurios sondern absolut normal und vernünftig.
Übrigens gibt es keine Deutsche Webseite von Herman van Veen. Es werden lediglich zweitversetzt .(schließlich dauert das auch ein bisschen) die deutschen Übersetzungen des holländischen Weblogs veröffentlicht.
Und sehr geehrter Herr Wouter Albrecht,
um ganz ehrlich zu sein Ihren Vergleich finde ich widerlich. Da hilft es auch nichts „nach“ dem Vergleich zu schreiben „Nun möchte ich Herman ungerne mit Jopie vergleichen.“ denn sie haben es ja schon getan.
Ich erdreiste mich nicht einmal Heesters zu beurteilen. Ich nehme an Sie haben so wenig wie ich im Krieg gelebt und können deshalb so wenig wie ich beurteilen wie die Zeiten damals waren noch wissen Sie oder ich was Heesters dazu bewegt hat. Das ist auch völlig gegenstandslos den ein Vergleich ist aus vielen Gründen vollkommen unrealistisch; ähnlich wie bei Birnen und Äpfeln.
Was die DDR-Regierung dazu bewogen hat Herman van Veen immer wieder einzuladen sei dahingestellt. Sicher nicht weil man dem „Volk“ ein Vergnügen gönnen wollte. Aber van Veen hat sich nie, wie sie hier offenbar unterstellen wollen, zur Hure dieser Regierung gemacht. Egal was und welche Lieder oder Äußerungen man ihm auch immer verboten hat, und das waren einige, er sang und sagte sie trotzdem mit der Folge das ihm Auftritte dann immer wieder viele Jahre verwehrt wurden. Sein Ziel war es immer wenigstens einen Stein aus dieser unseligen Mauer zu singen. Und bis heute sagen viele X-DDRler das ihm das auch gelungen ist.
Und woher nehmen Sie das Recht irgendjemanden arrogant den Mund zu verbieten. Warum sollen sich Künstler nicht politisch äußern dürfen. Sie haben das selbe Recht wie jeder wählender Bürger. Noch dazu dann wenn sie ein Leben lang für die Rechte derer gekämpft haben die bis heute in unsrer angeblich so fortschrittlichen Welt keine haben und damit auch noch mehr erreicht haben wie so mancher Politiker.
Statt sich ohne das nötige Wissen in so einer brisanten Situation zu äußern und vielleicht noch mehr das Leben vieler zu gefährden, denn das ganze betrifft ja nicht nur Herman van Veen persönlich, sollte das einzige worüber wir uns alle Gedanken machen sollten sein:
Sind wir heute schon wieder so weit das man zum Freiwild erklärt wird wenn man seine Meinung äußert.
Vielleicht sollten wir alle den Mut aufbringen deutlich zu sagen das wir es nicht zulassen werden das es wieder so weit kommt wie es schon einmal war.
Wilders “Parteikonstruktion” ist sicher nicht demokratisch, andererseits ist sie eine Folge seiner Erfahrungen in der VVD, die ja damals zwischen den zwei, ja eigentlich sogar drei Flügeln völlig in sich zerrissen war.
Es ist durchaus möglich, daß sich die PVV, sofern sie an der nächsten Regierung beteiligt ist, sich weiter demokratisiert.
Der heutige Wilders wäre ein anderer, hätte es nicht die Morde an Pym Fortuyn, an van Gogh, die zahlreichen Morddrohungen gegen ihn gegeben.
Dies sollte man nicht vergessen !
van Veens Gleichsetzung der PVV mit Nazis/Rechtsradikalen ist totaler Quatsch. Die PVV ist mehr eine national-liberale, vielleicht sogar national-liberitäre Partei, die sogar einige wenige linke Positionen hat.
Daß van Veen kein Freund von Wilders ist, ist ja nichts neues. Da ich dies alles nur aus 2.Hand mitbekommen habe, weiß ich auch nicht, was van Veen jetzt wortwörtlich gesagt hat.
Seine Kritik an den Rechtsparteien greift aber zu kurz, da die doch sehr verschieden sind. Die FPÖ ist nicht die NPD, die PVV ist gar keine originär rechte Partei.
Auf dem rechts/links Schema schwer einzuordnen, wie z.B. auch die ungarische Fidesz oder UKIP. Wilders plumper Anti-Islamismus geht mir allerdings auch zu weit. Trotzdem wird Wilders die nächste Wahl vermutlich gewinnen ? Warum ? Weil seine Partei sehr EU kritisch ist.
Alle anderen Parteien von links bis rechts ( die ganz extremen Ränder mal ausgenommen ) sind es nicht. Die D66 ist mittlerweile weder linksliberal, noch ist sie auch nur in Ansätzen kritisch gegenüber der EU Nomenklatura, obwohl die D66 sich früher mal als radikal demokratisch verstand. Solange es keine vernünftige liberale Alternative gibt, werden eben auch die Wilders wählen, die kaum mit seinem Parteiprogramm übereinstimmen, aber immerhin ein paar wichtige Punkte dort wiederfinden. Ich werde ihn wohl auch Mangels Alternativen wählen.
Eigentlich spielt es gar keine Rolle ob ein Vergleich stattgefunden hat oder nicht (er hat nicht). Der Punkt ist doch das man heute wieder so weit ist sich nicht frei äußern zu dürfen.
Ist das wirklich keinem klar.
Selbst wenn jemand Wilders direkt mit Hitler verglichen hätte, dann rechtfertigt das in einer Gesellschaft die für sich in Anspruch nimmt freiheitlich und demokratisch zu sein höchstens Empörung aber sicher nicht das was inzwischen in ganz Europa wieder stattfindet.
Es rechtfertigt auf alle Fälle nicht widerliche Beschimpfungen und schon gar keine Drohungen oder persönliche Angriffe auf Leib und Leben auf wen auch immer.
Wenn jemand sich nun in der Geschichte nicht auskennt, nicht sehen kann oder will dann könnte er fragen was hat das mit Leuten wie Wilders oder ähnlichen Parteien zu tun. Aber für jeden normal denkenden gebildeten Mensch tritt es klar zu Tage: Es sind SEINE Anhänger und Anhänger dieser Parteien die Mord und Totschlag zur Durchsetzung ihrer Meinung für angemessen erachten. Oder zumindest Drohung und Einschüchterung um Andersdenkende mundtot zu machen einsetzten. Hatten wir das nicht alles schon einmal?!
Wollen wir das wieder, wollen wir das wirklich noch einmal.
Da helfen auch die demokratischsten Strukturen einer Partei nicht, hilft es nichts wenn einzelne Teile von Parteiprogrammen gut oder akzeptabel sind. Rechts bleibt rechts, zieht immer Gleichdenkende an und mit jeder Stimme die diese Parteien bekommen werden ihre Anhänger immer häufiger jedes Mittel für richtig erachten ihre Ideologie weiter durchzusetzen.
Ich wehre mich dagegen, will nicht noch mehr Menschen die den Rest ihres Lebens von der Polizei beschützt werden müssen, die sich verstecken müssen weil sie es wagten sich gegen diese Entwicklung zu äußern. Nicht noch mehr die es nicht mehr wagen zu sagen was sie denken. Nicht noch mehr die ermordet werden weil sie es wagten.
Ich möchte das wir uns alle das bewahren was wir uns mühsam nach dem Krieg erarbeitet haben. Eine Gesellschaft die so frei wie möglich ist, wo jeder glauben und denken kann was er möchte solange er keinen anderen dadurch einschränkt. Es ist traurig das wir das heute nicht zu schätzen wissen, nicht sehen das wir unglaublich privilegiert sind. Das es kaum Länder und Gesellschaften in unserer Welt gibt die diese Freiheit genießen können.