Kopftuch ja, Kreuz nein
von Falk MadejaVor zwei Wochen fuhr ich in Tilburg vom Bahnhof zur Hochschule mit dem Bus, beim Einsteigen überraschte mich die Fahrerin, weil sie moslemisches Kopftuch trug. Das hatte ich in einem niederländischen Bus noch nie gesehen, aber, nagut, dachte ich, solange sie den Bus ordentlich fährt, kann ich damit leben. Obwohl ich dem moslemischen Kopftuch ansonsten abweisend gegenüberstehe, ich meine, es ist in meinen Augen ein Symbol für die Ungleichheit von Mann und Frau – ich sollte lieber sagen der Ungleichwertigkeit der Frau. Ob in Paris oder Istanbul eine Busfahrerin ein Kopftuch tragen darf? Ich weiss es nicht, aber wohl eher nicht.
Einige Tage später. Im Vorübergehen an einem Zeitungsstand sehe ich auf der Titelseite der Zeitung “De Telegraaf” von einer merkwürdigen Geschichte. Ich überflog ein paar Zeilen und konnte meinen Augen kaum glauben. Es ging um einen Strassenbahnkontrolleur in Amsterdam namens Ezzas Aziz, dem der örtliche Verkehrsbetrieb, GVB, übel mitspielt. Der Mann ist 56 Jahre alt und trägt seit 26 Jahren ein religiöses Sysmbol um den Hals. Und genau das wollen ihn die GVB-Direkteure verbieten. Es handelt sich nämlich um ein christliches Kreuz. Aziz ist Christ, stammt aus Ägypten und hat seit 1984 die niederländische Staatsbürgerschaft.
Heute, die Zeitschrift “Vrij Nederland” plumste durch den Briefschlitz, befassten sich auch die Kollegen dieses Wochenblatts mit der Angelegenheit. Ich hatte etwas mehr Zeit und las das mal. Und siehe da, die Geschichte ist keineswegs übertrieben (machen ja Boulevardzeitungen gelegentlich). Aziz darf seit einem Jahr nicht mehr mit seinem Kreuz um den Hals arbeiten. Ja, schlimmer noch, die halsstarrige Direktion schickte ihn sogar zum Psychologen und seit Januar darf er nicht mehr arbeiten. Angeblich würde sein Kreuz gegen eine seit Dezember 2008 geltenden Kleiderordnung des GVB verstossen, religiöse Symbole würden dazu nicht passen. Er verwies dann auf moslemische Kolleginnen, die ihr Kopftuch tragen dürfen, woraufhin ihm gesagt wurde, dass die Kopftücher nicht zur Diskussion stehen würden.
Im Gerichtssaal argumentierte dann der Anwalt von Aziz, dass entweder alle religiösen Symbole verboten würden oder keine. Wenn die Moslemfrauen ihre Haare verhüllen wollten, dann ginge das ja auch mit einer neutralen Mütze statt einem Kopftuch. In der kommenden Woche gibt es ein Urteil, ich bin gespannt.
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Ich bin absolut frei von Vorurteilen gegenüber Migranten, ich lebe in einem Viertel mit vielen Nationalitäten zusammen. Aber auch ich habe was dagegen, dass Moslems überall Zugeständnisse bekommen, ich denke, wenn jemand ein Kopftuch tragen will, (was für mich ein Symbol der Unterdrückung der Frau bleibt) dann soll er das in seiner Freizeit tun, ein Kreuz ist und war schon immer in unserer christlichen Welt Schmuck oder unauffälliges Symbol, es verschlägt mir die Sprache, Kopftuch ja, Kreuz nein, wo leben wir denn?
Warum gibt er seinen Job bei diesem gottlosen Arbeitgeber nicht auf?
Ich verstehe gut, dass Menschen an die mahnenden Worte des lebendigen Gottes nicht erinnert werden wollen.
Und das Kreuz IST ein solches mahnendes Symbol: Es sagt jedem, dass sein Leben nicht passt zur Heiligkeit Gottes. Und, dass er deshalb vor Gott verloren ist, wenn er die Augen in dieser Welt schließt und vor IHN antreten muss.
Wenn ich nicht ganz sicher wüsste, dass ich gerettet bin – ich würde diese Botschaft auch nicht ertragen. Deshalb verstehe ich jeden, der lieber “weltanschalich neutral” sein will.