Yes we Cohen – verrückt auf Personenkult

von Falk Madeja

YouTube Preview Image Momentan erlebt die Niederlande beeindruckende Triumphe des Personenkults. Ja, unsere Nachbarn scheinen sich vor allem in der Politik daran zu berauschen. Sie haben ein Staatsoberhaupt, dass sie nicht wählen - und im ganzen Land sind zig Strassen und Plätze nach deren Familie benannt. Wenn sie, also die Königin, einmal abtreten will, dann kommt eben jemand anders aus der Familie.

Dann gibt es da eine Ministerin, die einfach 100.000 Zeitschriften drucken lässt, ihren Vornamen “Gerda” auf die Titelseite setzt und zig Fotos von sich selbst abdrucken lässt.

In den Umfragen liegt eine Partei vorn, die sogenannte Freiheitspartei PVV, vorn, die nur ein einziges Mitglied und logischerweise nur einen Führer hat – Geert Wilders! Wenn er mal einen Parteitag hat, dann kann er allein klatschen. Und fast aus dem Nichts entwickelt sich auch noch um den neuen sozialdemokratischen Spitzenkandidat Job Cohen ein handfester Personenkult.

Obwohl der Mann als Bürgermeister von Amsterdam in den letzten Jahren nicht zur Wahl stand, wollen ihn 55 Prozent der Niederländer vom einen auf den anderen Moment zum Ministerpräsidenten wählen, vielleicht jedenfalls! Auf YouTube gibt es bereits ein Lied von ihm, Yes we Cohen. Von Faeke & the Emanon Project. Eigentlich mal für Obama geschrieben, aber jetzt auf Job Cohen zugeschnitten, lesen wir bei Joop.nl.

Auf Facebook entwickelt sich rasent schnell eine Fangemeinde, inzwischen 7755 Mitgliedern. Motto: Support Job Cohen for (minister) President. Let’s give those Wilder’s voters a run for their money;). Teilweise überschlagen sich die Cohen-Fans in den Diskussionen. Sie finden seine Reden ganz toll, halten ihn für den Wilders-Verhinderer und am 30. Mai soll ein nationaler Theetrink-Tag organisiert werden. Das, weil Wilders seinem Kontrahenten Cohen ja vorgeworfen hatte, mit den Einwanderern zu viel Thee zu trinken.


8 Kommentare zu "Yes we Cohen – verrückt auf Personenkult"

  1. Der Personenkult um Cohen ist das letzte panische Aufbäumen des niederländischen Polit-Establishments bevor es von Wilders zu Grabe getragen wird.

    Die Rücktritte, bzw. erwarteten Rücktritte (Balkenende), sind nichts weiter als das Eingeständnis, dass das Establishment am Ende ist.

    Viel mehr als die Dämonisierung Wilders haben sie nämlich nicht zu bieten.
    Was jetzt gebraucht wird, ist das Erarbeiten von Lösungen, statt nur immer weiter die Katastrophe Multikulti schönzureden.

  2. Jetzt ist aber ein gewisser ‘Tak de Bosnegert’ dabei der populärste zu werden (http://www.geenstijl.nl und http://www.opinieleiders.nl/wordpress/?p=5322 ).

  3. Das werden wir ja sehen. Worin besteht eigentlich die Dämonisierung Wilders? Dass jemand dagegen ist, wenn er Millionen Moslems deportieren will?

    Ich kritisiere also jemanden, der Millionen Menschen deportieren will und diese damit natürlich erst mal dämonisiert und dann dämonisiere ich also den Dämonisierer? Es gibt doch auch Meinungsfreiheit für Leute, die mit Wilders nicht einer Meinung sind? Oder muss man erst mal die Meinung von Wilders haben, um ein Recht auf Meinungsfreiheit zu haben?

    Bullshit. Es ist nicht mal so schwer, um zeigen, dass Wilders statt Lösungen nur Geschrei anbietet.

  4. “Millionen Menschen deportieren”, immer langsam, zuerst geht es um Dinge wie den weiteren Zuzug aus muslimischen Ländern zu stoppen.

    Kommunismus und Faschismus versucht man ja auch aus guten Grund zu stoppen. Es wird wohl darum gehen, die Erfahrungen, die man bei der Bekämpfung anderer totalitärer Ideologien gemacht hat, auf den Islam zu übertragen.

    “Millionen Menschen deportieren”, das ist übrigens genau die Dämonisierung, die ich meine!

  5. So ein Quatsch. Als ob es in den Niederlanden Millionen Kommunisten und Faschisten gäbe, die Wilders deportieren wollte. Er redet nur über Moslems, die er deportieren will. Das ist doch ein Fakt und keine Dämonisierung?

  6. “Millionen Menschen deportieren”

    Es gibt in den Niederlanden etwa eine Million Muslime. Selbst wenn Wilder tatsächlich alle Muslime deportieren lassen wollte, wären das nicht “Millionen”, sondern maximal eine Million!

    Dämonisierung beginnt mit Übertreibung!

    Selbst wenn man mit Zwang deportieren wollte, wäre es wohl nur nötig die Nicht-Intregrationswilligen zu deportieren, das heißt nur einen Teil der Muslime.

    Soweit ich informiert bin (kann mich aber auch täuschen, aber dafür bitte Belege!) will Wilders keine niederländischen Staatsbürger zwangsdeportieren lassen. Er will lediglich die Rückkehr fördern, was etwas ziemlich anderes ist.

    Menschen, die keine Staatsbürger sind und sich als dauerhafte Last erweisen und zudem die gewachsene Lebensweise der Niederländer ablehnen, sollte man keine Daueraufenthalterlaubnis gewähren.

    Sachlichkeit im Umgang mit Wilders würde der ganzen Diskussion sehr gut tun.

  7. Geert Wilders hat bei einer PK in Dänemark von Millionen gesprochen. Mal ganz abgesehen davon, dass heute in Europa überhaupt niemand deportiert werden sollte – wer soll dann eigentlich entscheiden, wer integriert ist? Das sind alles Ideen, die eben auch Widerstand hervorrufen.

    Wer Wilders mal im Parlament debattieren gesehen und gehört hat, der weiss wer hier sachlich ist und wer nicht. Einer Ministerin ruft er zu, sie sei “durchgeknallt” und ein “Kopftuch” ist ein “Kopffeudel”. Wer das auf habe, soll 1000 Euro Strafe zahlen. Tja.

  8. Es gibt hier auch noch einen zweiten Aspekt. “Soweit ich informiert bin (kann mich aber auch täuschen, aber dafür bitte Belege!) will Wilders keine niederländischen Staatsbürger zwangsdeportieren lassen.”

    Und hier werde ich echt sauer. Wilders pöbelt in Sachen doppelte Staatsbürgerschaft. Moslem-Bashing, zwei Staatsbürgerschaften. Marokkaner. Moslems.

    Es gibt aber auch Kinder aus anderen Ländern, die Mama und Papa aus zwei Ländern haben, zum Beispiel mein Kind. Hätte Wilders ein Kind, seine Frau ist Ungarin, wäre das wahrscheinlich auch so.

    Er geht mit dem Thema aus opportunistischen Gründen respektlos um. Reitet auf dem Rücken von Kindern und Heranwachsenden herum. Ich persönlich finde, wenn ein Kind zugleich Niederländisch und Deutsch ist, dann muss ein anderes Kind auch Niederländisch und Marokkanisch sein können. Das gebietet der Gleichheitsgrundsatz der Grundgesetze der Niederlande oder etwa Deutschlands.

    Und, wenn Wilders derartige Werte unser westlichen Demokratien aushebeln will, dann nutze ich die Freiheit, meine Meinung dazu zu äussern. Mein niederländisch-deutsches Kind ist genauso viel Wert wie ein niederländisch-marokkanisches Kind.

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