Ayaan Hirsi Ali auf Stippvisite

von Christine Steinhäuser

„Gut, dass es Geert Wilders gibt! Er ist ein Ventil für alle Niederländer, die mit der Verleugnung des Islamproblems im eigenen Land nicht einverstanden sind. Die werden nicht gewalttätig, sondern wählen eben PVV. Vom Islam in den Niederlanden geht eine größere Gefahr aus als von Geert Wilders.“ Es war gestern nicht das erste Mal, dass Bürgerrechtlerin Ayaan Hirsi Ali ihre Theorie zu Mozart-Joker Wilders äußerte, aber in dieser Situation (nach dem Fall der Regierung) lag das schon bleischwer im Magen der Nation.

„Bei allem Respekt: das ist Blödsinn!“, reagierte dieser Tage der renommierte Schriftsteller Geert Mak in der Niederrheinischen Zeitung. Wilders sei nicht gut für die Niederlande, weil er die Integrationsprobleme auf den Islam reduziere. „Wenn junge Marokkaner Probleme bereiten, dann kann man das doch nicht nur auf deren Religion begrenzen. Die jungen Leute sind doch häufig gar nicht gläubig oder gehen gar nicht in die Moschee.“

Wie dem auch sei, Journalisten stehen Schlange, wenn die seit vier Jahren in den USA lebende Hirsi Ali auf Stippvisite im Land ist – diesmal, um ihr neues Buch ‚Nomade ‘ zu promoten – die Fortsetzung ihrer Biografie ‚Mein Leben, meine Freiheit‘, die auch in Deutschland ein Bestseller war. Gestern in Schipol gelandet, ist Ayaan im Moment die meist gefragte Kommentatorin zur innenpolitischen Lage. Und dazu noch eine, die die ‚Fesseln des Islams‘ aus eigener Kraft abgeschüttelt und sich vom Flüchtling aus Somalia zur emanzipierten und streitbaren Politikerin, und schließlich zur internationalen Publizistin aufgeschwungen hat. Im Gegensatz  zu Wilders‘ Plattitüden wird ihre Islamkritik in den Niederlanden geschätzt, selbst wenn sie auf den ersten Blick wie Wasser auf die Mühlen von Blondie Geert daherkommt.

„Moslems müssen sich anpassen, schließlich sind sie freiwillig im Land“, sagte Hirsi Ali gestern in einem ersten Interview mit dem niederländischen Rundfunk NOS. „Sie müssen ihre Religion nicht völlig aufgeben – nicht das Beten, das Feiern des Ramadans und andere spirituelle Seiten des Islam. Aber die sozial-politische Seite des Islams müssen sie aufgeben, das Thema des Jihad, das Einfordern der Scharia in welcher Form auch immer in Holland, die Unterdrückung der Frau, Intoleranz gegenüber Homosexuellen, Intoleranz gegenüber Menschen, die als Moslem geboren sind, aber etwas anderes leben wollen”. Das sei allerdings ein langwieriger Prozess, dem man nicht mit unrealistischen Vorschlägen wie Wilders Kopftuchsteuer beikomme. „Ich habe gelernt, dass man als Politiker seine Visionen in ausführbare Maßnahmen umsetzen muss. Und das sehe ich bei Wilders nicht.“ Na Gott sei Dank, da sind wir ja beruhigt!

“Die eine Antwort” hatte Ayaan, heute Mitarbeiterin des konservativen Think Tanks American Enterprise Institute und Freundin des Hauses bei Bush’s Ex-Vize Dick Cheney, allerdings auch nicht. Sie empfehle langfristig eine Resozialisation der islamitischen Immigranten durch verpflichtete Kurse, Vereinsarbeit, kurzum den intensiven Kontakt mit Einheimischen, so dass sie die Normen und Werte der Niederländer übernähmen. Also umpolen – sanfter Brainwash statt brutaler Rausschmiss à la Wilders. Guter Plan, bei Ayaan selbst hat’s ja schließlich auch geklappt. – Nur, ist das wirklich nötig? Bei der überwiegenden Mehrheit der in Holland lebenden Moslems hat man das Gefühl, dass sie schon ganz gut integriert sind.

Was auch immer in Sachen Integration passiert, der Mann, der’s richten wird – in dem Punkt sind sich Ayaan Hirsi Ali und Geert Mak einig – ist wiedermal Job Cohen, der trotz seiner erbitterten Twitter-Verweigerung vom Volk geliebte Spitzenkandidat der sozialdemokratischen PvdA. „Die Herausforderung für ihn wird sein, mit Geert Wilders zu debattieren, und zwar nicht über die Person Wilders, sondern über die Inhalte seiner Politik“, sagte Hirsi Ali gestern.

Zu guter letzt beraubte sie uns noch eines vielgehätschelten Wilders-Klischees: Geert’s Engstirnigkeit rühre ganz bestimmt nicht daher, dass er auf Schritt und Tritt von seinen Bodyguards verfolgt werde – sie lebe schließlich auch seit Jahren mit ständigem Begleitschutz, und leide nicht unter dem Scheuklappensyndrom! – Sagt’s und schwebte kryptisch lächelnd zum nächsten Interview.


8 Kommentare zu "Ayaan Hirsi Ali auf Stippvisite"

  1. sehr geehrte frau steinhäuser, sie haben sich absolut im ton vergriffen. die annahme westlich werte hat nichts mit umpolung zu tun, wie sie es frau hirsi ali unterstellen. es ist eine frage des respekts. sie als frau sollten das eigentlich begriffen haben. oder wünschen sie von marrokanischen einwanderern als zeichen, dass sie sich nicht “umpolen” lassen, beschnitten zu werden.

    überlegen sie das nächste mal bevor sie ihre dümmliche polemik ins netz stellen

  2. “Westliche Werte” Aha. Welche “Werte” von welchem “Westen”? ? Vom ganzen Westen oder nur von einem Teil des Westens?

  3. Lieber Herr/ Frau Steinadler,

    ich fürchte, Sie haben die Passage missverstanden. Ich unterstelle
    Ayaan überhaupt nichts, denn sie selbst beschreibt ihren Weg vom
    fundamentalistischen Moslem zum aufgeklärten Demokraten als die größte mentale Umwälzung ihres Lebens. Im Wortsinn kann man hier schon von „umpolen“ sprechen, da sie tatsächlich von einem Pol zum
    entgegengesetzten wechselt. Außerdem hat sie gestern nochmal betont,
    dass sie das islamitische und westliche Denkbild für absolut
    unvereinbar hält, für Gegenpole. Der bloße Prozess des Umpolens sagt in meinen Augen nichts darüber aus, welches Weltbild das „Bessere“
    oder „Erstrebeneswertere“ ist. Ich benenne lediglich den Prozess der
    Umerziehung, und das tue ich in guter Tradition dieses Weblogs
    grundsätzlich überspitzt formuliert. Das Problem mit Ayaan‘s Forderung
    nach Resozialisation ist nur, dass sie – wie Geert Wilders – der
    gesamten islamitischen Gemeinschaft unterstellt, sie müsse von
    fundamentalistischen (und zweifellos unmenschlichen!) Praktiken wie
    der Zwangsverheiratung und der Beschneidung ‚geheilt‘ werden. Auf
    einen kleinen Teil der niederländischen Moslems trifft das sicher zu,
    und es ist Ayaan Hirsi Ali’s Verdienst, dass diese Praktiken in den
    Niederlanden heute auch strafverfolgt werden können, aber der Großteil
    der hier lebenden Moslems ist gemäßigt-religiös und ruft nicht morgen
    zum Heiligen Krieg auf. Ich überspitze Ayaan‘s Vorschlag hier mit den
    Worten „umpolen“ und „Brainwash“ auch, um klarzumachen, dass sie den niederländischen Moslems nicht völlig gerecht wird. Ich denke wie
    Geert Mak, dass ein Teil des Integrationsproblems mit der Religion zu
    tun hat, aber ein anderer Teil mit (Jugend-)arbeitslosigkeit, geringem
    sozialen Status, Ausbildung, Sprache etc.

    Dass Ayaan leider selbst Opfer von Beschneidung war und es in ihrer
    Zeit als niederländische Politikerin geschafft hat, das Thema konkret
    auf die politische Agenda zu setzen, ist unbestritten. Davor hat jeder
    Respekt, ob nun Mann oder Frau. Aber darum geht es in meinem Text auch nicht. Es geht um die Dinge, die sie gestern im Interview geäußert
    hat.

  4. Wir alle wissen, was gemeint ist. Bsw. geht es um die gleichen Rechte von Frau und Mann. Das gilt im Westen als Konsenz, Ayaan Hirsi Ali ist mit dem Thema intensiv befasst, also, bitte nicht so scheinheilig tun.

    Um Werte wird in unserer Gesellschaft immer auch argumentatorisch gestritten, aber selbst Atheisten wie ich können mit den zehn Geboten oder eben sowieso auch mit dem Grundgesetz was anfangen.

  5. Sehr nichtgeehrte Person Steinadler, sparen sich Ihre Pöbelei für den Privatgebrauch, oder schicken Sie den Müll irgendwo anders hin. Ist überflüssig und brackig. Sie kommen ab jetzt in die Abteilung Spam. Tschüß

  6. “Nur, ist das wirklich nötig? Bei der überwiegenden Mehrheit der in Holland lebenden Moslems hat man das Gefühl, dass sie schon ganz gut integriert sind.”

    Kaffee macht keine Flecken, faellt mir dazu ein…

  7. Ja, und?

  8. Schon wieder der angebliche Doktor Frank Melchior.

    Also gleicher Post nochmals:

    Darf ich anmerken, dass der Doktortitel geschützt ist.
    Sollte der Kommentarschreiber mit dem Pseudonym “Dr. Frank Melchior” entweder nicht Frank Melchior oder nicht im Besitz eines Doktortitels sein, könnte diese Person rechtlich belangt werden.

    Auch weiß ich nicht, ob folgende Person begeistert ist, dass ein Kommentarschreiber seinen Namen benutzt:

    http://www.xing.com/profile/Frank_Melchior2

    Die zuletzt aufgeführte Person scheint übrigens kein Doktor zu sein.

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