Machtkampf bei Ajax geht heute weiter
von Falk MadejaVor der Versammlung des Mitgliederrates von Ajax Amsterdam am Montag Abend hat Johan Cruiiff die Messer gewetzt. Erst telefonierte er am Sonntag wie gewohnt seine Kolumne für die Tageszeitung “De Telegraaf” durch, dann platzte am Abend die Bombe. Er und zehn Jugendtrainer (wie Dennis Bergkamp) wollen gegen den Aufsichtsrat (Steven ten Have, Marjan Olfers, Paul Römer und Edgar Davids) juristisch vorgehen.
Eigentlich werden es zwei Prozeduren. Die Trainer wollen es arbeitsrechtlich anpacken (weil ihnen Louis van Gaal vor die Nase gesetzt wurde), Cruijff wirtschaftsrechtlich (weil der Aufsichtsrat den van-Gaal-Beschluß hinter dem Rücken von Aufsichtsrats-Mitglied Cruijff genommen hatte). Die Anwältin Mirjam De Blécourt verkündete, dass Cruijff & Co eine “85 prozentige” Sieg-Chance hätten.
In dieser Affäre passierten in den vergangenen Tagen die verrücktesten Dinge. Aufsichtsrats-Mitglied Paul Römer witzelte auf der Nikolausfeier seines Arbeitgebers (TV-Sender NTR), dass Sinterklaas (der für die Niederländer aus Spanien kommt) doch Cruijff zurück nach Spanien nehmen solle. Ein Sänger namens Barry van Vliet will van Gaal und Cruijff versöhnen, und dazu im Mittelkreis singen. Edgar Davids nennt Cruijff einen Rassisten – während die Cruijff-Stiftung im vorrangig von Einwanderern bewohnten Stadtteil Amsterdam Bijleer ein Fußball-Feld eröffnet (es sind inzwischen um die 120 Cruijff Courts). Van Gaal hat sich nach Asien verdrückt, gibt keinen Kommentar. Der glatzköpfige Aufsichtsrat-Vorsitzender Steven ten Have beschuldigt Cruijff-Direktor-Kandidat Tscheu La Ling der Korruption, und kann es nicht beweisen. Er verpaßt von Tscheu La Ling gestellte Deadline zur Zurücknahme der Vorwürfe um Stunden, Anzeige folgte. Der harte Kern der Ajax-Fans will sich heute Abend vor der Arena versammeln und Cruijff unterstützen.
Seit Wochen tobt ein regelrechter Medien-Zirkus, die Dossiers der Zeitungen und diverser Websites zum Thema quillen regelrecht über. Cruijff redet für seine Verhältnisse ziemlich viel und wirbt für seine Positionen, Klagen über seine schlechte Erreichbarkeit (er hat kein Handy) kontert er mit der Bemerkung, in seiner Umgebung habe jeder ein iPod (er meinte iPhone). Heute Abend werden zig TV-Sendungen (RTL, Lokal-Sender AT 5, öffentlich-rechtliche Sender) darüber ausführlich berichten.
Und nun? Cruijff hat in seiner Telegraaf-Kolumne listigerweise geschrieben, dass Ajax mit einer Generation von Bergkamp & Co gerettet werden soll – weder van Gaal noch er selbst sollten das tun. Er hat angekündigt, dass er nicht weichen wolle, auch wenn der Mitgliederrat ihn nicht unterstützen wolle. Er kann dann nämlich als Mitglied des Aufsichtsrates weitere Schritte gegen die anderen vier Mitglieder unternehmen. Dem Vernehmen nach soll der 24köpfige Mitgliederrat in etwa zu 50 Prozent für und zu 50 Prozent gegen van Gaal sein. Am 12. Dezember gibt es noch eine Mitgliederversammlung. Die Soap wird noch eine Weile dauern, es sei denn die vier Aufsichtsrats-Mitglieder sowie van Gaal geben sich freiwillig geschlagen.
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