10.12.2009 von Falk Madeja
Vor zwei Wochen fuhr ich in Tilburg vom Bahnhof zur Hochschule mit dem Bus, beim Einsteigen überraschte mich die Fahrerin, weil sie moslemisches Kopftuch trug. Das hatte ich in einem niederländischen Bus noch nie gesehen, aber, nagut, dachte ich, solange sie den Bus ordentlich fährt, kann ich damit leben. Obwohl ich dem moslemischen Kopftuch ansonsten abweisend gegenüberstehe, ich meine, es ist in meinen Augen ein Symbol für die Ungleichheit von Mann und Frau – ich sollte lieber sagen der Ungleichwertigkeit der Frau. Ob in Paris oder Istanbul eine Busfahrerin ein Kopftuch tragen darf? Ich weiss es nicht, aber wohl eher nicht.
Einige Tage später. Im Vorübergehen an einem Zeitungsstand sehe ich auf der Titelseite der Zeitung “De Telegraaf” von einer merkwürdigen Geschichte. Ich überflog ein paar Zeilen und konnte meinen Augen kaum glauben. Es ging um einen Strassenbahnkontrolleur in Amsterdam namens Ezzas Aziz, dem der örtliche… weiter lesen
07.09.2009 von Falk Madeja
Und was wollte Geert Wilders? Er wollte, dass die Regierung ausrechnet, was die Einwanderung (nicht-westlicher) Menschen den Niederlanden gekostet habe. Die Zeitschrift “Elsevier” hatte ausgerechnet, dass es wohl um 200 Milliarden Euro ginge, wahrhaft kein kleiner Betrag.
Geert Wilders bzw. sein parlamentarischer Handlanger Sietse Fritsma fragten offiziell die Regierung, was die ganze Einwanderung gekostet habe. Einwanderungsminister Eberhard van der Laan sagte zunächst vollmundig zu, dass man diese Frage beantworten wolle – doch nun, lesen wir in De Volkskrant, zieht er seine Zusage zurück. Minister gönnt Wilders seinen Spass nicht, heisst es in De Volkskrant. Wie auch immer – Wilders kann davon nur profitieren. Die Regierung will nicht über die Kosten der Einwanderung sprechen, Wilders wird das wieder und wieder thematisieren. Eine typische Steilvorlage. Hätte die Regierung die Frage beantwortet und die Kosten lägen wie Elsevier sagt tatsächlich bei 200 Milliarden Euro – dann hätte er auch eine Steilvorlage.
01.09.2009 von Falk Madeja
Was für ein Finale! Am Samstag habe ich mir in Amstelveen, Vorort von Amsterdam, das Frauen-Hockeyfinale Deutschland gegen die Niederlande angeschaut. Mein kleines niederländisch-deutsches Mädchen jubelte über das 3:2 der Niederlande – und gegenüber auf der anderen Seite des Wagner-Stadions jubelte eine ganze Familie. Nämlich die von Prinz Willem-Alexander.
Deutlich war der Mann, der gerade in Mosambique eine Villa bauen will und daran grandios zu scheitern scheint, an seinem Oranje-Schal zu erkennen. Neben ihm Maxima und die Kinder. Rund um das Spiel wurden die Kinder auf großen Bildschirmen gezeigt – kurios.
Denn einen Tag zuvor hatte der Kronprinz in einem Prozess gegen die US-Nachrichtenagentur AP erreicht, dass vier völlig unschuldige Urlaubsfotos der Kronprinzen-Familie aus Argentinien nicht mehr veröffentlicht werden dürften, denn dann würden ja die Kinder zu sehen sein und die Privatsphäre der Familie beschädigt. Am heutigen Dienstag, als ich wieder gen Berlin fuhr, lese ich… weiter lesen
05.05.2009 von Falk Madeja
Auch das noch. Während die meisten Niederländer noch grübeln, wie sie das Königinnentag-Attentat verarbeiten können, stören auf einmal ein paar irre Deutsche Gottesdienste rund um Apeldoorn. Es handelt sich um Anhänger des “Evangelisten” Horst Schaffranek. Die Sekten-Mitglieder behaupteten, dass die Tat von Karst T. eine “Strafe Gottes” sei.
Laut der Zeitung “Nederlands Dagblad”, die vor allem Leser aus dem protestantischen Millieu bedient, ergriffen die Reli-Eiferer in den Gottesdiensten “ungefragt” das Wort bzw. teilten sie Zettel aus.
Die Sekte des 1923 geborenen Horst Schraffenek, der heute in Rickenbach bei Bad Säckingen leben soll, hat wohl um die 100 Anhänger.
04.05.2009 von Falk Madeja
Das niederländische Staatsoberhaupt, Königin Beatrix, trat nach dem grauenvollen Ereignissen am Königinnen-Geburtstag (sieben Tote in Apeldoorn, viele verstörte Niederländer, nicht zuletzt die Königin selbst) wieder öffentlich auf.
Am 4. Mai, dem Gedenktag der Toten des Zweiten Weltkrieges, war sie bei dem Gedenken am Nationaal Monument auf dem Platz “Dam” in Amsterdam genauso dabei wie Kronprinz Willem-Alexander und dessen Ehefrau Maxima.
13.02.2009 von Falk Madeja
Der Klassiker! Die niederländische Ehrendivision steht wieder vor dem Klassiker. Ajax Amsterdam gegen Feyenoord Rotterdam - das ist wie Glasgow Celtics gegen Glasgow Rangers, Schalke 04 gegen Borussia Dortmund, Real Madrid gegen den FC Barcelona.
Die beiden Bürgermeister, Job Cohen (Amsterdam, jüdisch) und Ahmed Aboutaleb (Rotterdam, moslemisch) haben keine Lust auf eklige Gesänge – und daher kamen sie am Freitag mit einer ungewöhnlichen Drohung: sollten die Fans mit Hetzgesängen kommen, dann wird es 5 Jahre (fünf!) keine Auswärtsbesuche der Fans mehr geben!
Liebe Freunde, lasst uns nicht um den heissen Brei reden. Alle Welt wartet darauf, dass die Feyenoord-Fans so etwas rufen wie “Hamas, Hamas, Joden aan het gas”. Ajax Amsterdam hat das Image, ein jüdischer Verein zu sein – was zwar nicht stimmt und was… weiter lesen
20.09.2008 von Falk Madeja
Was in Berlin die U 55 (noch immer nicht fahrende Kanzler-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor, wird in einigen hundert Jahren zum Alex verlängert) ist, heisst in Amsterdam Nord-Süd-Linie. Es handelt sich um zwei U-Bahn-Projekte, die sicher irgendwann einmal fertig sind, aber vorläufig Unmengen an Geld kosten und ziemlich viele Probleme verursachen. In Amsterdam raufen sich die Leute seit ein paar Tagen die Haare. Denn wie es befürchtet worden war, sackten in der Vijzelgracht reihenweise Häuser ein. Die Bewohner sind aus dem Haus geflüchtet und trauen sich nicht mehr zurück. Grund: wegen des sandig-feuchten Untergrundes stehen Amsterdams Häuser auf Pfählen. Wenn man beim Graben und Bohren nicht gut aufpasst, dann sacken die Häuser weg. Wie geschehen.
Die Behörden sind peinlich berührt, denn dieser Vorfall wird die Kosten der Nord-Süd-Linie weiter steigen lassen. Wahrscheinlich müssen die Bewohner finanziell entschädigt werden, und das nicht zu knapp.
Ich bin ein U-Bahn-Fan, mit Bruno… weiter lesen