13.10.2010 von Falk Madeja
Ja, offiziell soll die Regierung „Rutte-Verhagen“ heissen – aber darauf fallen wir bei Meine Güte nicht rein. Es ist ganz einfach die Regierung „Wilders“. Punkt aus. Was fällt auf? Einiges. Nehmen wir die Minister:
Obwohl die VVD von Mark Rutte eineinhalb mal so groß ist wie der CDA („der“ – weil Christdemokratischer Appell) von Maxime Verhagen, haben sie je sechs Minister und vier Staatssekretäre. Wilders hat weder Minister noch Staatssekretäre, aber er hat die VVD-CDA-Truppe ja in der Hand. Wenn die nicht spuren, dann schickt er schon seine SMS an Rutte und Verhagen, um die Kritiker in deren Parteien auf Wilders-Linie zu bekommen.
Auffällig auch: kaum Frauen, dafür viele alte Männer unter den Ministern und Staatssekretären, Leute mit Migrationshintergrund schon gar nicht. Wie hatte Geert Wilders geschimpft, als in der letzten Regierung zwei Politiker mit türkischen und marokkanischem Hintergrund einrückten. Liebe Freunde, er hatte sehr viel geschimpft.
Kommen wir zum… weiter lesen
18.05.2009 von Falk Madeja
Klang vielleich ganz gut – der niederländische “Medien-Minister” Ronald Plasterk will acht Millionen Euro zur Verfügung stellen, mit denen die Gehälter von 60 jungen Journalisten finanziert werden sollen. Diese würden in der jetzigen Krise entweder als erstes gekündigt oder gar nicht erst eingestellt. Das Haager Parlament muss aber erst mal zustimmen. Inzwischen, so berichtet die Website der niederländischen Journalistengewerkschaft NVJ, hat allerdings bereits die erste Zeitung die Finanzierung von “Staats-Journalisten” abgelehnt. Der Chefredakteur der Zeitung “Trouw”, Willem Schouten, Dabei muss die Zeitung wohl sechs Redakteure entlassen.
Trouw gehört zum Zeitungskonzern PCM – und da geht es momentan chaotisch zu. Zunächst einmal wird PCM zu 50,1 Prozent vom belgischen Zeitungs-Mann Christian Van Thillo (De… weiter lesen
03.03.2009 von Falk Madeja
Nun ist es geschehen! Die belgische Persgroep hat 51 Prozent der niederländischen Zeitungsgruppe PCM übernommen, Kaufpreis 100 Millionen Euro. PCM gibt die Zeitungen De Volkskrant, NRC Handelsblad, NRC Next und Trouw heraus, ausserdem ist PCM Mehrheitseigentümer beim Algemeen Dagblad.
Die Persgroep gibt in Belgien die Zeitungen Het Laatste Nieuws und De Morgen, in den Niederlanden besitzen die Belgier auch schon Het Parool. Diese Amsterdamer Zeitung hatten die Belgier ebenfalls PCM abgekauft, nachdem PCM diesen Titel jahrzehntelang (!) nicht profitabel bekommen konnte.
Die heutigen Eigentümer sind die Stiftung “Democratie en Media” (nun noch 90,3 Prozent), die Stiftung De Volkskrant (7,2 Prozent), die Stiftung “ter bevordering van de Christelijke Pers” (Trouw, 2,5 Prozent) und die Stiftung Lux en Libertas (NRC,… weiter lesen
16.02.2009 von Falk Madeja
In den Niederlanden gibt es bei den Zeitungen gerade Massenentlassungen. Hier eine Übersicht:
Die TMG (Telegraaf Media Group, Miteigentümer von ProSiebenSat1 und Herausgeber von De Telegraaf und Spits) will 500 der ca. 3600 Jobs streichen, davon 160 Redakteure.
PCM (u.a. NRC Handelsblad, De Volkskrant, Trouw) will fünf Prozent der 2600 Mitarbeiter, also 130, loswerden.
Wegener (gehört noch zu Mecrom, u.a. De Gelderlander) 395 und 465 Mitarbeiter (von einst 4000) zum Verlassen der Firma bewegen.
Bei der NDC Mediagroep (Dagblad van het Noorden, Groningen) geht es um 120 Jobs, die Zahl der verbleibenden Mitarbeiter wird unter 700 sinken.
Und bei der FD Mediagroep (Het Financieele Dagblad, BNR Nieuwsradio und Z24) geht es um ein Fünftel der Jobs, knapp 50.
03.02.2009 von Falk Madeja
Ausverkauf? Jedenfalls muss der Mehrheitseigentümer der niederländischen Zeitungsgruppe PCM (NRC Handelsblad, De Volkskrant, Trouw und Miteigentümer des Algemeen Dagblad) dringend seine finanzielle Situation verbessern. Der Mehrheitseigentümer (90 Prozent) ist “SDM”, die Stiftung für Demokratie und Medien.
Die hat in den Jahren 2004 bis 2007 so um die 300 Millionen Euro verpulvert – u.a. stieg die Beteiligungsgesellschaft APAX ein und wieder aus und dann hatte SDM eben Schulden, so um die 150 Millionen Euro. Nun will SDM eine “Mehrheit” an PCM verkaufen – die Rede ist von einem Preis von 100 Millionen Euro.
Es gibt bzw. gab drei Bewerber. Die TMG, Telegraaf Media Gruppe (u.a. beteiligt an ProSiebenSat1) hakt jetzt aber ab. Anders gesagt wurde ihr Angebot, um über die Übernahme zu sprechen, rüde zurückgewiesen. Die HAL (Investitionsgesellschaft Holland Amerika Linie, heute Eigentümer von Het financieele Dagblad) hätte wohl gern das NRC Handelsblad übernommen, aber einen Teilverkauf wollte PCM nicht. Bleibt… weiter lesen
20.01.2009 von Falk Madeja
In den letzten Tagen schien es so, als ob Mecom-Chef David Montgomery “der Entmachtung” entgehen würde. Meldete ja auch die “taz”. Er verkaufte die Zeitungen in Deutschland, Berliner Zeitung & Co, für 152 Millionen Euro an DuMont Schauberg, löst damit einen Teil der 600 Millionen Euro Schulden ab und dann konnte er noch eine Revolte abwenden. Eine Aufsichtsrat-Mehrheit wollte ihn loswerden, aber die Investoren hielten ihm die Stange.
Alle Investoren? Nein, nicht alle. Da haben wir nämlich Jan Houwert, ehemals Chef und Miteigentümer von Wegener, einem Verlag mit regionalen Zeitungen in den Niederlanden. Der sah mit müden Augen an, wie seine Anteile an Mecom – er tauschte Anteile Wegener gegen Anteile Mecom – um 98 Prozent an Wert verloren. Das bedeutet, so berichten Medien in den Niederlanden, dass er einen Wert von 100 Millionen Euro auf 2 Millionen Euro verdampfen sah. 98 Millionen… weiter lesen
14.12.2008 von Falk Madeja
Rund 40 Herausgeber, Chefredakteure und Direkteure von Zeitungen und Zeitschriften haben dem niederländischen Medien-Minister Ronald Plasterk einen Brief geschrieben, in dem sie sich über Wettbewerbsverzerrung durch die öffentlich-rechtlichen Sender beklagen. Diese bekommen heutzutage 500 Millionen Euro aus Steuergelden (anstelle der früheren TV-Gebühren), dazu streichen sie noch mehr als 200 Millionen Euro durch Werbung ein.
Vor allem letzteres stösst den Vertretern der gedruckten Medien bitter auf. Sie hoffen, dass dieses Geld doch bei den Zeitungen zurecht kommt. Dazu müssten die öffentlich-rechtlichen Sender – die durch die Steuergelder praktisch ein Staatsrundfunk sind - auf Reklame verzichten, und dazu sind sie wohl nicht bereit.
Medien-Minister Ronald Plasterk hatte am Samstag einen Innovationsfonds für die Presse vorgeschlagen. Dieser solle mit 8 Millionen Euro ausgestattet werden. Die Journalisten-Gewerkschaft NVJ hatte allerdings 24 bis 35 Millionen Euro gefordert.
12.12.2008 von Falk Madeja
Um es kurz zu machen: den Mecom-Zeitungen geht es auch in den Niederlanden schlecht. Sehr schlecht. Mecom besitzt hier die regionale Zeitungsgruppe “Wegener”, es handelt sich um sieben regionale Tageszeitungen und viele Anzeigenblätter. Ohnehin schon gab es eine Sanierungsrunde, in der 80 Millionen Euro eingespart und 425 von ca. 4000 Mitarbeitern entlassen werden sollten. Die Redaktionen konnten immerhin erreichen, dass sie von den Entlassungen nicht betroffen waren. Nun, Ende des Jahres 2008, scheint alles noch viel schlimmer. Jetzt, nach dem der Anzeigenmarkt weiter eingebrochen ist, müssen noch einmal 25 Millionen Euro eingespart werden. Wahrscheinlich werden die Redaktionen nun doch dran glauben müssen.
Alex Engbers, Chefredakteur der Zeitung “De Stentor”, sagte, dass die Redaktionen bis zum 1. Januar mit Vorschlägen kommen müssten. Ansonsten würde alles nur noch schlimmer.
Unterdessen spielt noch mehr. Wegener/Mecom besitzt etwas mehr als ein… weiter lesen
29.09.2008 von Falk Madeja
Es ist passiert. Bei der vierten niederländischen Gratis-Tageszeitung “Dag” wurde jetzt der Stecker rausgezogen. Heute morgen bekamen die rund 50 Mitarbeiter zu hören, dass die letzte Ausgabe am 1. Oktober erscheinen soll. Der Verlag PCM teilte mit, dass immerhin die Online-Ausgabe weiter existieren soll. Die dort beschäftigten Redakteure beliefern auch ein Portal der niederländischen Telefongesellschaft KPN (in Deutschland mit E-Plus aktiv).
Dag startete im Mai 2007 und hatte so um die 380.000 Exemplare. Es war allerdings die vierte Gratis-Zeitung am Markt, zuvor waren 1999 der schwedische Metro-Verlag und der Telegraaf mit “Spits” gestartet. Also viele Jahre vor dem Start von “Dag”. Der Verlag PCM, hinter dem einige Stiftungen stecken, hatte auf die Entwicklung des Gratis-Zeitungsmarktes lange Zeit aus Arroganz einiger Spitzen-Manager nicht reagiert. Und das, obwohl im mittleren Management etliche Verantwortliche die… weiter lesen
19.09.2008 von Falk Madeja

Im niederländischen Gratis-Zeitungskrieg scheint es nun ein Opfer zu geben. Die Eigentümer der Zeitung “Dag”, herausgegeben vom Verlag PCM (NRC Handelsblad, De Volkskrant, Trouw, Algemeen Dagblad) scheint die anhaltenden Verluste nicht mehr verantworten zu können. Eigentlich sollten noch einmal 7,5 Millionen Euro in das chancenlose Projekt hineingesteckt werden, aber PCM bzw. die dahinter stehenende Stiftungen wollen wohl nicht mehr, schreibt die Website der Journalistengewerkschaft NVJ, Villamedia.
“Dag” war von Anfang an ein wunderliches Projekt. Massgeblich inititiert vom Chefredakteur der Zeitung “De Volkskrant”, Pieter Broertjes. Der Mann, unter dessen Regie die Auflage der Volkskrant dramatisch sank und die heutzutage wegen ihrer moralinsauren Tones auch schon mal “Essig-Bote” genannt wird, hatte sich Ende der 90er wiederholt überheblich über das Phänomen der kostenlosen Zeitungen geäussert.
1998 kam das aus Schweden stammende Zeitungsprojekt “Metro” (in einer schwedisch-niederländisch-deutschen Kooperation) – Metro durfte sich laut Broertjes nicht einmal Zeitung nennen. Viele Jahre später, Metro war… weiter lesen