23.06.2009 von Falk Madeja
Zeitungs-Holland angeblich in Not – jedenfalls die Bezahl-Zeitungen und nun will die Regierung in Den Haag eingreifen. Grund: weil immer mehr junge Niederländer sich ihre Nachrichten von kostenlosen Zeitungen wie “Metro” und “Spits” oder unerhörterweise aus dem Internet holen bzw. stundenlang in sozialen Netzwerken, Chatrooms, bei Twitter usw. you-name-it verweilen und weder Zeit noch Lust auf traditionelle Zeitungen haben, hat eine Regierungs-Kommission unter Leitung des Ex-CDA-Ministers Elco Brinkman einen verwegenen Plan bedacht.
Das ganze Land soll zwangsweise über einen Aufschlag auf das Abo beim Internet Service-Provider mit einer Zusatz-Steuer auf den rechten Pfad – die Bezahl-Zeitung – zurück gebracht werden. Ziel ist es, um mit der virtuellen Wegelagerei jährlich 20 Millionen Euro zusammen zu bekommen und dieses Geld dann über die Redaktionen der traditionellen Zeitungen auszuschütten. Die sollen damit dann “innovative Internet-Projekte” bedenken.
“Innovative Internet-Projekte” – selbst in den Redaktionen der Bezahlt-Zeitungen dürften die meisten Leute vor Lachen vom Stuhl… weiter lesen
22.06.2009 von Falk Madeja
Frank Volmer, vor zehn Jahren beim Telegraaf-Verlag für den Launch der Tageszeitung “Spits” zuständig, hat nun zweierlei zugegeben. Einerseits hatten sie mit dem Management der Amsterdamer Verkehrsbetriebe GVB eine (in den Augen von Wettbewerbshütern sicherlich fragwürdige) Absprache – sollte die 1994 in Stockholm gestartete Gratis-Zeitung “Metro” jemals in die Niederlande kommen, dann sollte der GVB dem Telegraaf-Verlag eine Art Vorrecht geben, eine kostenlose Zeitung herauszugeben (und vor allem sollte der GVB “Metro” hinhalten und abblitzen lassen).
Vor den “Schweden” starten konnte der Telegraaf-Konzern nicht, die damalige GVB-Direktion war schon froh, wenn die Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen pünktlich fuhren. Eine kostenlose Tageszeitung nach dem Vorbild von Stockholm hätte a) für die GVB-Kollegen sehr viel anstrengende Publizität und b) vermutlich sehr viel organisatorischen Wirbel verursacht (bsw. Berge von Zeitungspapier in den Bussen und U-Bahnen). Andererseits war der GVB im Nachhinein gesehen eh nicht der optimale Ansprechpartner.
Denn Metro überraschte den Telegraaf-Konzern damit,… weiter lesen
17.12.2008 von Falk Madeja
Aufregung um ein Foto von Geert Wilders im Leichensack! Jedenfalls war er so auf einem Foto der niederländischen Zeitschrift “Revu” zu sehen – das allerdings vom Mutter-Verlag “Sanoma” vor der Publikation zurückgezogen wurde. Der Anti-Islam-Politiker Geert Wilders guckt lächelnd aus einem noch offenen Leichensack.
Der Verlag zog das Bild also zurück, dennoch tauchte das Cover wieder auf. Die Zeitung “Spits” publizierte die Abbildung und nun stellt sich die Frage, was in den Köpfen der Macher bei “Revu” so vor sich ging. Das werden wir in den kommenden Tagen hören. Oder Stunden.
Zumal das Bild dann irgendwie doch wieder in der Weihnachtsausgabe der “Revu” erschien.
29.09.2008 von Falk Madeja
Es ist passiert. Bei der vierten niederländischen Gratis-Tageszeitung “Dag” wurde jetzt der Stecker rausgezogen. Heute morgen bekamen die rund 50 Mitarbeiter zu hören, dass die letzte Ausgabe am 1. Oktober erscheinen soll. Der Verlag PCM teilte mit, dass immerhin die Online-Ausgabe weiter existieren soll. Die dort beschäftigten Redakteure beliefern auch ein Portal der niederländischen Telefongesellschaft KPN (in Deutschland mit E-Plus aktiv).
Dag startete im Mai 2007 und hatte so um die 380.000 Exemplare. Es war allerdings die vierte Gratis-Zeitung am Markt, zuvor waren 1999 der schwedische Metro-Verlag und der Telegraaf mit “Spits” gestartet. Also viele Jahre vor dem Start von “Dag”. Der Verlag PCM, hinter dem einige Stiftungen stecken, hatte auf die Entwicklung des Gratis-Zeitungsmarktes lange Zeit aus Arroganz einiger Spitzen-Manager nicht reagiert. Und das, obwohl im mittleren Management etliche Verantwortliche die… weiter lesen
19.09.2008 von Falk Madeja

Im niederländischen Gratis-Zeitungskrieg scheint es nun ein Opfer zu geben. Die Eigentümer der Zeitung “Dag”, herausgegeben vom Verlag PCM (NRC Handelsblad, De Volkskrant, Trouw, Algemeen Dagblad) scheint die anhaltenden Verluste nicht mehr verantworten zu können. Eigentlich sollten noch einmal 7,5 Millionen Euro in das chancenlose Projekt hineingesteckt werden, aber PCM bzw. die dahinter stehenende Stiftungen wollen wohl nicht mehr, schreibt die Website der Journalistengewerkschaft NVJ, Villamedia.
“Dag” war von Anfang an ein wunderliches Projekt. Massgeblich inititiert vom Chefredakteur der Zeitung “De Volkskrant”, Pieter Broertjes. Der Mann, unter dessen Regie die Auflage der Volkskrant dramatisch sank und die heutzutage wegen ihrer moralinsauren Tones auch schon mal “Essig-Bote” genannt wird, hatte sich Ende der 90er wiederholt überheblich über das Phänomen der kostenlosen Zeitungen geäussert.
1998 kam das aus Schweden stammende Zeitungsprojekt “Metro” (in einer schwedisch-niederländisch-deutschen Kooperation) – Metro durfte sich laut Broertjes nicht einmal Zeitung nennen. Viele Jahre später, Metro war… weiter lesen