25.05.2010 von Falk Madeja

Telegraaf mit teurem Telefonat
‘Teures Telefonat”, titelt die Zeitung Spits, und die Zeitung muss es wissen. Es geht um das Mutterblatt “De Telegraaf”. 1000 Abonnenten sind weg. Verschwunden. Abgesagt. Auf Nimmerwiedersehen. Alles nur wegen eines einzigen Anrufes.
Frank Volmer, Direktor Telegraaf Media Nederland, seufzt. Es seien sowohl Probe-Abos als auch langjährige Abos gekündigt worden.
Das alles wegen eines unethischen Telefonats – und zwar mit dem neunjährigen Ruben, dem einzigen Überlebenen des Flugzeugabsturzes in Tripolis. Telegraaf-Mitarbeiterin Jolande van de Graaf hatte den kleinen Jungen aus Tilburg im Krankenhaus angerufen, eine Geschichte daraus fabriziert und für einen Sturm der Entrüstung gesorgt.
Auf Twitter und sonstwo bildeten sich Anti-Telegraaf-Gruppen. Ein Quartal-Abo kostet 67,50 Euro x 4 = 270 Euro im Jahr… x 1000 = 270.000 Euro. O.k., Zeitungen, die nicht abgenommen werden, müssen nicht gedruckt und ausgeliefert werden, aber auch so dürfte es das teuerste Telefonat der Telegraaf-Geschichte sein.
16.05.2010 von Falk Madeja

Nee-Sticker für Hinterbliebene
Privatsphäre! Für die Telegraaf-Journalistin Jolande van der Graaf gibt es die anscheinend nicht – für eine gute Story wie die des neunjähren Ruben ruft sie schon mal dasbeim Flugzeugabsturz in Tripolis schwer verletzte Kind im Krankenhaus an und macht ein “Interview”. Sie hat dafür in den letzten Tagen reichlich Prügel bekommen, bsw. schrieb der Kabarrettist Youp van’t Hek in seiner Wochenend-Kolumne im NRC Handelsblad von “Opfer-Porno”. Im Mikroblog Twitter bildete sich eine Telegraaf-Boykott-Gruppe mit inzwischen mehr als 6400 Followern.
Der populäre Blog Geenstijl.nl hat auf seiner Website einen “Hinterbliebenen-Sticker” zum Herunterladen undwie die Aufkleber mit Ausdrucken angeboten, denen sich die Niederländer an ihre Haustür kleben können. Darauf steht, im Stil der Aufkleber gegen unerwünschte Briefkasten-Reklame:
Links: NEE, niet aanbellen (NEIN, nicht klingeln) und Rechts: NEE, niet vragen om info (NEIN, nicht um Informationen fragen).
Der Aufkleber sei (angeblich) vom Journalisten-Gewerkschaftsbund NVJ für… weiter lesen
15.05.2010 von Falk Madeja

Schaf in Roosendaal aufgehangen
Roosendaal! Stadt an der niederländisch-belgischen Grenze. Wie oft bin ich auf dem Bahnhof umgestiegen, auf meinen Reisen nach und von Brüssel. Hier treffe ich manchmal Henk, den Cowboy, hier bin ich einmal eine Stunde auf der Suche nach Kondomen gewesen ( zig Cafes auf der Suche nach Kondom-Automaten besucht, die Leute hinter der Bar grinsten bei ihren verfluchten Absagen – aber schließlich habe ich nach einem Tip einer jungen Dame “das Nötige” in einer Seitenstraße in einem Automat vor einem Sex-Shop gefunden), hier habe ich im Hotel Central eines der verrücktesten Wochenenden meines Lebens verbracht, hier weinte jemand eine Nacht in meinen Armen und hier war ich voller Liebe. Gott habe die Person selig! Sie hat dort auch noch ihr Telefon verbummelt, nein was für ein Wochenende in Roosendaal. Ich habe ihr ein neues gekauft und das hat sie immer noch obwohl… weiter lesen
14.05.2010 von Falk Madeja

Skandal-Interview in Telegraaf
Was wird sich die Mi(s)tarbeiterin der Zeitung De Telegraaf, Jolande van de Graaf, bei dieser Aktion wohl gedacht haben? Ruben, neun Jahre, ist der einzige Überlebende des Flugzeugunglücks in Tripolos. Er verlor seine Mutter, seinen Vater und seinen Bruder. Er liegt nun mutterseelenallein in Tripolis im Krankenhaus – und der Telegraaf ruft einfach mal an.
Mit der Aktion hat die Amsterdamer Boulevard-Zeitung für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Politiker diverser politischer Parteien gaben ihren Ärger via Twitter bekannt. Aussenminister Maxime Verhagen, will, dass künftig die Privatsphäre von Opfern besser beschützt werden solle. Familienminister Andre Rouvoet twitterte, dass er “erbost” über den “schamlosen Telegraaf”. Die Grünen-Politikerin Femke Halsema nannte den Vorgang “unglaublich” und die Sozialdemokratin Sharon sprach von “Gewissenlosigkeit”, der Junge habe doch gar Ahnung, was wirklich passiert sei.
Die Chefredaktion des Telegraaf kam Freitag Mittag, 12:00 Uhr, mit einer Erklärung, in… weiter lesen
27.03.2010 von Falk Madeja
Jetzt werden in Sachen Kindermord in Dordrecht neue Fakten bekannt. Wie bereits berichtet wurde die zwölfjährige Milly Boele vom 26jährigen Sander V., einem Polizisten und Nachbarn, ermordet und in seinem Garten begraben. Der Mann trank dann abends noch ein Bier auf dem Grab, schickte zynischerweise den Eltern des Opfers eine Postkarte. Ist Polizist! War Polizist.
Nun, wie De Telegraaf berichtet, hat er das Mädchen erst sexuell missbraucht und dann erwürgt. Das sei den Angehörigen schon mitgeteilt worden, aber eben noch nicht der Öffentlichkeit.
Am Freitag gab es noch Irritationen. Es hieß, dass Milly angeblich in ihrem letzten Telefongespräch ihrer Mutter den Namen des späteren Täters genannt habe. Sie unterbrach das Gespräch, weil jemand an der Tür geklingelt hatte. Sie hatte aber offensichtlich nicht den Namen des späteren Täters genannt sondern gesagt, da stehe jemand mit einer Katze vor der Tür. Das war dann letztendlich der spätere Täter, aber die Mutter… weiter lesen
28.02.2010 von Falk Madeja
Könnte den Niederlanden drohen! Die Zahlen, die der neuesten Umfrage des Meinungsforschers Maurice de Hond zu entnehmen sind, versprechen nichts Gutes.
Große Parteien, die in der Vergangenheit die Mitte vertreten haben, verlieren und verlieren. 150 Sitze sind im Haager Parlament zu vergeben, CDA würde nun 25, PvdA 21 bekommen. Die “Partei” des Anti-Islam-Fanatikers Geert Wilders würde die stärkste Partei mit 26 Sitzen.
Vor allem die PvdA hat große Probleme. Am 3. März gibt es Gemeinderatswahlen. Obwohl die PVV von Geert Wilders nur in Den Haag und Almere antritt, scheinen sie die Hälfte ihrer Wähler nicht halten zu können.
Sowohl lokal als auch national droht der Niederlande große Instabilität. Aber keine Sorge. Ampeln werden weiter funktionieren und Strassenschlachten sehe ich auch nicht als realistisches Szenario.
07.12.2009 von Falk Madeja
Ich kenne einen Polizisten (Name muss anonym bleiben) im Süden der Niederlande, der verdient netto so um die 1700 Euro – im Monat. Und in den Medien vernehme ich von einer Polizeichefin namens Miriam Barendse im Süden der Niederlande, die verdient 1400 Euro – am Tag.
Seit Tagen herrscht rund um einige heikle Vergütungen der Polizei-Bosse helle Aufregung, nehmen wir mal den Mann, der sich “wie ein König” (De Telegraaf) durchs Land kutschieren lässt: Ad van Baal, täglich rund 680 Kilometer per Chaffeur zur Polizeischule. Van Baal – sein Name ist schon mit dem Desaster von Srebrenica verbunden (damals war er noch Armee-General), seine Karriere ging weiter. Jetzt unterrichtet er halt Polizeischüler in Apeldoorn, er selbst wohnt in Alphen aan den Rijn. Sein Fahrer wohnt aber im friesischen Drachten, weshalb täglich 100e Kilometer Leer- und Extrafahrten entstehen, dazu kommen Hotel-Kosten. Alles auf Kosten der… weiter lesen
25.06.2009 von Falk Madeja
Ob die Sonnenbrille von Finanzminister Wouter Bos einmal richtig berühmt wird, sagen so wie die von Polens General Jaruzelski? Man weiss es nicht, aber die Zeitung “De Volkskrant” spekuliert, dass ihn seine auf einer Dienstreise gestohlene Sonnenbrille noch einmal auf die Füße fallen könnte.
Es handelt sich genauer gesagt um eine RayBan-Brille im Wert von 113 Euro. Die ist ihm in Brüssel geklaut oder er hat sie dort verloren, jedenfalls ging er zurück zu Hause zur Polizei, zeigte den Verlust an und liess sich die Brille vergüten. Aber was wird an Bos in dieses Sache hängen bleiben (ausser der Spot des Blogs “Geenstijl”, es sei wohl eine Gaybrille gewesen)?
Tja, jedes Land hat so seine Affären – und die Brillen-Affäre hielt die Niederlande heute beinahe in Atem. Am Morgen war… weiter lesen
23.06.2009 von Falk Madeja
Zeitungs-Holland angeblich in Not – jedenfalls die Bezahl-Zeitungen und nun will die Regierung in Den Haag eingreifen. Grund: weil immer mehr junge Niederländer sich ihre Nachrichten von kostenlosen Zeitungen wie “Metro” und “Spits” oder unerhörterweise aus dem Internet holen bzw. stundenlang in sozialen Netzwerken, Chatrooms, bei Twitter usw. you-name-it verweilen und weder Zeit noch Lust auf traditionelle Zeitungen haben, hat eine Regierungs-Kommission unter Leitung des Ex-CDA-Ministers Elco Brinkman einen verwegenen Plan bedacht.
Das ganze Land soll zwangsweise über einen Aufschlag auf das Abo beim Internet Service-Provider mit einer Zusatz-Steuer auf den rechten Pfad – die Bezahl-Zeitung – zurück gebracht werden. Ziel ist es, um mit der virtuellen Wegelagerei jährlich 20 Millionen Euro zusammen zu bekommen und dieses Geld dann über die Redaktionen der traditionellen Zeitungen auszuschütten. Die sollen damit dann “innovative Internet-Projekte” bedenken.
“Innovative Internet-Projekte” – selbst in den Redaktionen der Bezahlt-Zeitungen dürften die meisten Leute vor Lachen vom Stuhl… weiter lesen
22.06.2009 von Falk Madeja
Frank Volmer, vor zehn Jahren beim Telegraaf-Verlag für den Launch der Tageszeitung “Spits” zuständig, hat nun zweierlei zugegeben. Einerseits hatten sie mit dem Management der Amsterdamer Verkehrsbetriebe GVB eine (in den Augen von Wettbewerbshütern sicherlich fragwürdige) Absprache – sollte die 1994 in Stockholm gestartete Gratis-Zeitung “Metro” jemals in die Niederlande kommen, dann sollte der GVB dem Telegraaf-Verlag eine Art Vorrecht geben, eine kostenlose Zeitung herauszugeben (und vor allem sollte der GVB “Metro” hinhalten und abblitzen lassen).
Vor den “Schweden” starten konnte der Telegraaf-Konzern nicht, die damalige GVB-Direktion war schon froh, wenn die Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen pünktlich fuhren. Eine kostenlose Tageszeitung nach dem Vorbild von Stockholm hätte a) für die GVB-Kollegen sehr viel anstrengende Publizität und b) vermutlich sehr viel organisatorischen Wirbel verursacht (bsw. Berge von Zeitungspapier in den Bussen und U-Bahnen). Andererseits war der GVB im Nachhinein gesehen eh nicht der optimale Ansprechpartner.
Denn Metro überraschte den Telegraaf-Konzern damit,… weiter lesen