22.06.2009 von Falk Madeja
Frank Volmer, vor zehn Jahren beim Telegraaf-Verlag für den Launch der Tageszeitung “Spits” zuständig, hat nun zweierlei zugegeben. Einerseits hatten sie mit dem Management der Amsterdamer Verkehrsbetriebe GVB eine (in den Augen von Wettbewerbshütern sicherlich fragwürdige) Absprache – sollte die 1994 in Stockholm gestartete Gratis-Zeitung “Metro” jemals in die Niederlande kommen, dann sollte der GVB dem Telegraaf-Verlag eine Art Vorrecht geben, eine kostenlose Zeitung herauszugeben (und vor allem sollte der GVB “Metro” hinhalten und abblitzen lassen).
Vor den “Schweden” starten konnte der Telegraaf-Konzern nicht, die damalige GVB-Direktion war schon froh, wenn die Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen pünktlich fuhren. Eine kostenlose Tageszeitung nach dem Vorbild von Stockholm hätte a) für die GVB-Kollegen sehr viel anstrengende Publizität und b) vermutlich sehr viel organisatorischen Wirbel verursacht (bsw. Berge von Zeitungspapier in den Bussen und U-Bahnen). Andererseits war der GVB im Nachhinein gesehen eh nicht der optimale Ansprechpartner.
Denn Metro überraschte den Telegraaf-Konzern damit,… weiter lesen
18.05.2009 von Falk Madeja
Klang vielleich ganz gut – der niederländische “Medien-Minister” Ronald Plasterk will acht Millionen Euro zur Verfügung stellen, mit denen die Gehälter von 60 jungen Journalisten finanziert werden sollen. Diese würden in der jetzigen Krise entweder als erstes gekündigt oder gar nicht erst eingestellt. Das Haager Parlament muss aber erst mal zustimmen. Inzwischen, so berichtet die Website der niederländischen Journalistengewerkschaft NVJ, hat allerdings bereits die erste Zeitung die Finanzierung von “Staats-Journalisten” abgelehnt. Der Chefredakteur der Zeitung “Trouw”, Willem Schouten, Dabei muss die Zeitung wohl sechs Redakteure entlassen.
Trouw gehört zum Zeitungskonzern PCM – und da geht es momentan chaotisch zu. Zunächst einmal wird PCM zu 50,1 Prozent vom belgischen Zeitungs-Mann Christian Van Thillo (De… weiter lesen
03.03.2009 von Falk Madeja
Nun ist es geschehen! Die belgische Persgroep hat 51 Prozent der niederländischen Zeitungsgruppe PCM übernommen, Kaufpreis 100 Millionen Euro. PCM gibt die Zeitungen De Volkskrant, NRC Handelsblad, NRC Next und Trouw heraus, ausserdem ist PCM Mehrheitseigentümer beim Algemeen Dagblad.
Die Persgroep gibt in Belgien die Zeitungen Het Laatste Nieuws und De Morgen, in den Niederlanden besitzen die Belgier auch schon Het Parool. Diese Amsterdamer Zeitung hatten die Belgier ebenfalls PCM abgekauft, nachdem PCM diesen Titel jahrzehntelang (!) nicht profitabel bekommen konnte.
Die heutigen Eigentümer sind die Stiftung “Democratie en Media” (nun noch 90,3 Prozent), die Stiftung De Volkskrant (7,2 Prozent), die Stiftung “ter bevordering van de Christelijke Pers” (Trouw, 2,5 Prozent) und die Stiftung Lux en Libertas (NRC,… weiter lesen
03.02.2009 von Falk Madeja
Ausverkauf? Jedenfalls muss der Mehrheitseigentümer der niederländischen Zeitungsgruppe PCM (NRC Handelsblad, De Volkskrant, Trouw und Miteigentümer des Algemeen Dagblad) dringend seine finanzielle Situation verbessern. Der Mehrheitseigentümer (90 Prozent) ist “SDM”, die Stiftung für Demokratie und Medien.
Die hat in den Jahren 2004 bis 2007 so um die 300 Millionen Euro verpulvert – u.a. stieg die Beteiligungsgesellschaft APAX ein und wieder aus und dann hatte SDM eben Schulden, so um die 150 Millionen Euro. Nun will SDM eine “Mehrheit” an PCM verkaufen – die Rede ist von einem Preis von 100 Millionen Euro.
Es gibt bzw. gab drei Bewerber. Die TMG, Telegraaf Media Gruppe (u.a. beteiligt an ProSiebenSat1) hakt jetzt aber ab. Anders gesagt wurde ihr Angebot, um über die Übernahme zu sprechen, rüde zurückgewiesen. Die HAL (Investitionsgesellschaft Holland Amerika Linie, heute Eigentümer von Het financieele Dagblad) hätte wohl gern das NRC Handelsblad übernommen, aber einen Teilverkauf wollte PCM nicht. Bleibt… weiter lesen
19.12.2008 von Falk Madeja
Die traditionellen Zeitungsverlage in den Niederlanden kommen von einer Krise in die andere. Beim Verlag “PCM”, Herausgeber der Zeitungen “De Volkskrant”, “Trouw”, NRC Handelsblad und Mehrheitsbesitzer des Algemeen Dagblads, sollen 5 Prozent der 2600 Mitarbeiter gefeuert werden, also 130! Einerseits liegt das an der allgemeinen Krise, andererseits daran, dass mit dem Ein- und Auszug der Beteiligungsgesellschaft “Apax” 300 Millionen Euro in Rauch aufgegangen sind.
Bei der Zeitung “De Telegraaf” geht es auch rund. Dort brennt es an allen Ecken und Enden. Distributionszentren werden geschlossen, die Redaktion sieht sich erhöhtem Spardruck ausgesetzt und kam darum mit einem ungewöhnlichen Plan. Man wolle untersuchen, ob und wie die Zeitung “De Telegraaf” unabhängig von der Mutter-Gesellschaft “TMG” weiter machen könnte. Direktor Frank Volmer erteilte dem prompt im Gewerkschaftsblatt “De Journalist” eine Absage. Die Zeitung sei das Schanier, um… weiter lesen
20.09.2008 von Falk Madeja
Was in Berlin die U 55 (noch immer nicht fahrende Kanzler-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor, wird in einigen hundert Jahren zum Alex verlängert) ist, heisst in Amsterdam Nord-Süd-Linie. Es handelt sich um zwei U-Bahn-Projekte, die sicher irgendwann einmal fertig sind, aber vorläufig Unmengen an Geld kosten und ziemlich viele Probleme verursachen. In Amsterdam raufen sich die Leute seit ein paar Tagen die Haare. Denn wie es befürchtet worden war, sackten in der Vijzelgracht reihenweise Häuser ein. Die Bewohner sind aus dem Haus geflüchtet und trauen sich nicht mehr zurück. Grund: wegen des sandig-feuchten Untergrundes stehen Amsterdams Häuser auf Pfählen. Wenn man beim Graben und Bohren nicht gut aufpasst, dann sacken die Häuser weg. Wie geschehen.
Die Behörden sind peinlich berührt, denn dieser Vorfall wird die Kosten der Nord-Süd-Linie weiter steigen lassen. Wahrscheinlich müssen die Bewohner finanziell entschädigt werden, und das nicht zu knapp.
Ich bin ein U-Bahn-Fan, mit Bruno… weiter lesen
19.09.2008 von Falk Madeja

Im niederländischen Gratis-Zeitungskrieg scheint es nun ein Opfer zu geben. Die Eigentümer der Zeitung “Dag”, herausgegeben vom Verlag PCM (NRC Handelsblad, De Volkskrant, Trouw, Algemeen Dagblad) scheint die anhaltenden Verluste nicht mehr verantworten zu können. Eigentlich sollten noch einmal 7,5 Millionen Euro in das chancenlose Projekt hineingesteckt werden, aber PCM bzw. die dahinter stehenende Stiftungen wollen wohl nicht mehr, schreibt die Website der Journalistengewerkschaft NVJ, Villamedia.
“Dag” war von Anfang an ein wunderliches Projekt. Massgeblich inititiert vom Chefredakteur der Zeitung “De Volkskrant”, Pieter Broertjes. Der Mann, unter dessen Regie die Auflage der Volkskrant dramatisch sank und die heutzutage wegen ihrer moralinsauren Tones auch schon mal “Essig-Bote” genannt wird, hatte sich Ende der 90er wiederholt überheblich über das Phänomen der kostenlosen Zeitungen geäussert.
1998 kam das aus Schweden stammende Zeitungsprojekt “Metro” (in einer schwedisch-niederländisch-deutschen Kooperation) – Metro durfte sich laut Broertjes nicht einmal Zeitung nennen. Viele Jahre später, Metro war… weiter lesen
24.06.2008 von Falk Madeja
Wegen der Flucht des Oppositionsführer in Simbabwe, Morgan Tsvangirai, in die niederländische Botschaft in Harare gibt es erstmal Spott, in Holland. 
23.06.2008 von Falk Madeja
Jetzt hat der lange so umstrittene und schließlich doch harmlose Film von Geert Wilders, “Fitna”, doch noch sein Nachspiel. Niederländische Firmen wie Zwanenburg (Zwan-Würste) und Friesland Foods (Käse) haben sich laut “De Volkskrant” in jordanischen Zeitungen mit Anzeigen von dem Film distanziert.
Es gibt eine Organisation mit dem Namen “The Messenger of Allah United us”, die zunächst zum Kaufboykott dänischer Produkte aufrief, und seit kurzem auch niederländische Firmen negativ listet. Betroffen sind Firmen wie KLM, Philips, Friso und Milupa. So bekamen kürzlich Reisebüros einen Brief, dass sie die KLM boykottieren sollten. (Die KLM ist inzwischen allerdings eher in französischen Händen, das nur nebenbei.)
Zakaria Sheihk von der Boykott-Initiative in Amman sagt, dass man eine Million Poster gedruckt habe. Die Anzeigen der niederländischen Firmen in jordanischen Zeitungen seien nicht genug, es müssten auch in niederländischen welche geschaltet werden.