Butterwegge: Ein deutscher Bernie Sanders?

Der Kölner Politikwissenschaftler Prof. Christoph Butterwegge tritt als parteiloser Kandidat für DIE LINKE an, um für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren. Am 20. Januar war er in Köln und bezog Position zu Themen wie Armut und Reichtum, Frieden und Rüstung oder Rechtsextremismus. Ein Rückblick auf die Veranstaltung.

„Ich trete mit einer Agenda der Solidarität an“, sagt Christoph Butterwegge am vergangenen Freitag bei einem Gespräch in Köln anlässlich seiner Kandidatur. Nicht nur taz.meinland tourt durch Deutschland. Auch Butterwegge ist auf Mission durch die Republik – für eine solidarische und gerechte Gesellschaft. Obwohl er jetzt in den Ruhestand getreten ist, sagt er, möchte er die Welt weiter verbessern und humaner gestalten.

Ganz und gar nicht Establishment

Ganz unkonventionell nimmt Butterwegge den Haupteingang und tritt zwischen die wartenden Gäste, beinahe als sei er selbst einer von ihnen. Kurz darauf, im restlos überfüllten Veranstaltungssaal, hängen die Zuhörer*innen gebannt an Butterwegges Lippen. Er besitzt eine packende Art, die Missstände unserer Gesellschaft aufzuzeigen. Immer wieder Kopfnicken und zustimmendes Klatschen. Man versteht ihn und die von ihm erklärten empirischen Daten, anhand welcher er die unfaire Steuerpolitik oder den zu niedrigen Mindestlohn aufzeigt.

Butterwegge schaut dort hin, wo die etablierten Politiker wegschauen. Er malt unsere Gesellschaft nicht schön, sondern zeigt, wo wir als Gemeinschaft noch gerechter und sozialer werden können. Er beugt sich nicht den „Reichen“, sondern bietet Paroli und übt Kritik: Die zunehmende Armut habe die strukturelle Funktion, dass Hyperreiche, wie Stefan Quandt und Susanne Klatten (BMW-Großaktionäre), noch mehr Vermögen anhäufen könnten. Diesen wachsenden Hyperreichtum gelte es aufzuhalten, um der Prekarisierung entgegenzuwirken.

Der richtige Kandidat?

Auch spezifische Kölner Befindlichkeiten und Anliegen, die sich innerhalb der Schere zwischen Arm und Reich immer mehr und mehr auftun, werden mit den Beteiligten diskutiert. Nach gut 90 Minuten sind die Besucher*innen begeistert und von ihrem alternativen Kandidaten höchst angetan. Umso bedauerlicher ist, dass einen schnell das Bewusstsein einholt: Christoph Butterwegge, als symbolischer Gegenkandidat von Frank-Walter Steinmeier, wird am 12. Februar nicht der zwölfte Bundespräsident Deutschlands. Er bleibt uns aber als ein wirkungsvoller Empath der Solidarität, der Denkanstöße für die offene Gesellschaft gibt, erhalten.

Am 10. Februar wird Christoph Butterwegge nach Berlin kommen und mit taz.meinland im taz Café diskutieren. Im Gespräch mit Barbara Junge, stellvertretende Chefredakteurin, und Pascal Beucker, Inlandsredakteur, wird es genau darum gehen: wie eine offene Gesellschaft aussehen muss und wie wir sie gestalten können.

 

DAVID PRINZ, taz.meinland Team

Foto: (c) dpa

1 Kommentar

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  1. Auch er thematisiert die Zusammenhänge unzureichend. Welche mathematisch begründbaren Prozesse in der Volkswirtschaft beschleunigen und begründen die Umverteilung: