vontaz.meinland 27.02.2017

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Die A6 Richtung Kaiserslautern schlängelt sich durch den Pfälzer Wald, vorbei an kleinen Burgen, verschlafenen Dörfern und Reihen an kahlen Weinreben. Der graue Umriss am Himmel, der sich vor mir herbewegt und langsam tiefer sinkt, ist kein Raubvogel. Es ist einer der Armeetransportflieger der Amerikaner, die die Airbase in Ramstein – unweit von Kaiserslautern – ansteuern.

Ein Thema, das in Kaiserslautern und Umgebung omnipräsent ist. Auf dem amerikanischen Sender AFN EAGLE stimmt die Moderatorin ihre Landsmänner und -frauen auf das Wochenende ein: „There is so much going on this weekend. Don’t miss it!“

In Kaiserslautern hat man sich längst daran gewöhnt, dass die Amerikaner  zum Stadtbild gehören. Das heißt aber nicht, dass man sich damit abgefunden hat, dass hier in der Region das größte Munitionslager auf europäischem Boden befindet. Dass von hier aus Signale für die Drohnenangriffe im Yemen, in Afghanistan oder in Pakistan weitergeleitet werden. Und dass die Bundesregierung das alles toleriert.

Belästigt vom Fluglärm

In Kaiserslautern treffe ich Winfried Frank. Er hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass Ramstein immer noch die Gemüter der Menschen in der Region erregt. „Ich fühle mich belästigt“, sagt er. Bei Ostwind spürt er den Start der Transportflugzeuge im ganzen Haus. Dass vor einem Jahr bestätigte wurde, dass über Ramstein auch Drohnenangriffe gesteuert werden, ist nur ein weiteres Argument gegen die Militärbasis zu sein.

Auch dass sich unter der Führung Donald Trumps irgendetwas ändern würde – daran glaubt hier niemand. „Man weiß ja auch gar nicht, was er wirklich will“, sagt Winfried Frank. Gerade wird ein neues Militärhospiz gebaut, auch eine neue Einflugschneise wird vorbereitet. Alles Zeichen dafür, dass man weiter fest mit Ramstein plant.

In Ramstein-Miesenbach bin ich mit Bürgermeister Ralf Hechler verabredet. Er erklärt sich sofort bereit, die taz-meinland Veranstaltung in Ramstein-Miesenbach zu machen. Die Gemeinde liegt fast direkt an der Militärbasis. Die Menschen sind gespalten. Einerseits ist man gegen die kriegerischen Handlungen, die von hier aus koordiniert werden. Andererseits ist man immer noch finanziell abhängig von den Amerikanern. Sie mieten Häuser, gehen einaufen oder ziehen am Wochenende durch die Kneipen in Kaiserslauterns Innenstadt. „Man muss das differenziert betrachten“, sagt Hechler.

Ramstein-Protest als Lebensziel

Wolfgang Jung ist da ganz anderer Meinung. Der 79-Jährige verklagte vor etwa einem Jahr die Bundesregierung wegen der illegalen Drohnenangriffe, die von Ramstein aus weitergeleitet werden. Er wurde zwar abgewiesen, da er nicht direkt betroffen sei. Doch Jung kämpft weiter. Er hat es sich zu seinem Lebensziel gemacht. Dafür musste er viel Kritik einstecken. Doch wegen seines Wissens wird er von vielen als der Ramstein-Experte gehandelt. Er sagt: “ Die Menschen hier wissen gar nicht, was in Ramstein wirklich passiert“. Das ganze Interview mit Wolfgang Jung werden Sie in Kürze in der taz lesen können.

Am Donnerstag, den 16. März um 18.30 Uhr, wollen wir mit den Menschen aus der Region und allen im Text genannten Personen über das Thema Ramstein diskutieren. Unter dem Titel „Unter Drohnen – Wie die Militärbasis Ramstein eine Gemeinde spaltet“ laden wir Sie herzlich in das Haus des Bürgers in Ramstein-Miesenbach ein.
PAUL TOETZKE, Reporter taz.meinland

Foto: dpa

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