Hintergrund: Leben als deutscher Journalist mit Flüchtlingshintergrund

Die erste und einfachste Möglichkeit für einen Journalisten im Exil zu arbeiten, ist es dies wieder mit den Medien in seiner eigenen Sprache zu tun. In diesem Fall wird man aber keinen anderen Nutzen aus dem neuen Ort, an dem man lebt ziehen können als die Presse- und Meinungsfreiheit. Und diese Freiheit kann man auch haben, wenn man sich in einer Höhle verkriecht und mit dem Internet verbunden ist. Es ist genau diese Freiheit in Isolation, die ich nicht brauche. Die andere Möglichkeit, die ich ergriffen habe ist es das Risiko einzugehen und zu versuchen ein Mitglied der Medienlandschaft meines neuen Exils zu werden.

Für mich war das schwierig, weil ich, als ich beschloss Journalist zu werden, eben schon im Exil war. Im Libanon wo ich geboren bin, außerhalb meiner Heimat Palästina und dann noch einmal, als ich gezwungen war den Libanon zu verlassen um nach Deutschland zu kommen. Ich bin immer noch der, der ich war, nur in einer neuen Situation, einem neuen Exil, einer neuen kulturellen Umgebung, der man sich anpassen muss, was einem erst einmal schwierig vorkommt, aber absolut nicht unmöglich.

Journalist in „meinland“

Meine ersten journalistischen Erfahrungen in Deutschland begannen im November 2016 als ich „KuB“ (Kontakt- und Beratungsstelle für Außereuropäische Flüchtlinge eingetragenen Verein e.V.)  kontaktierte um mich über meine Rechte aufklären zu lassen und die Gelegenheit zu bekommen mich freiwillig als Journalist zu betätigen. Und KuB setzte mich in Kontakt mit Gina Bucher von taz.meinland, die mir die Hand hielt bei meinem Start auf der Reise mit dem taz.meinland Team.

Der Titel des Projekts interessierte mich sehr: meinland, das war etwas, was ich noch nie in meinem Leben gehabt hatte, etwas, wovon ich immer geträumt habe, mein Heimatland Palästina zurück zu bekommen. Auch wenn ich dort vielleicht gar nicht leben werde. Für mich ist das Heimatland eines jeden Menschen, der Ort, der ihm das Recht gibt zu bleiben, wenn er müde ist oder sich fürchtet. Wenn man Deutsche, die gerade nicht in ihrem Land leben, fragt was ihr Heimatland sei, werden sie sicherlich Deutschland sagen. Und ich brauche eine ähnliche Antwort, nämlich Deutschland zusätzlich zu Palästina.

Diskussion auf dem taz.lab: Schwierigkeiten und Gelegenheiten

Um auf mein Hauptthema zurück zu kommen, Ich fühle mich selbst als Journalist im Exil. Während des taz.labs am 29sten April diesen Jahres habe ich darüber mit Journalisten aus Syrien, Bahrain und der Türkei an einem runden Tisch diskutiert. Alle leben wir jetzt in Deutschland. Die Diskussion konzentrierte sich auf die Schwierigkeiten, die unsere journalistische Arbeit in Deutschland begegnet. Wir waren alle der Meinung dass die Sprache das wichtigste sei. Nicht nur um mit der deutschen Gesellschaft kommunizieren zu können, sondern auch miteinander.

Als zweites sprachen wir über die Herausforderung sich einer neuen Kultur anzupassen, sich neue Verhaltensweisen anzueignen und auch unsere Art zu schreiben und zu bemerken was um uns herum passiert, zu lernen, zu lernen und zu lernen. Weil man zum Beispiel eben nicht einfach auf arabisch schreiben und den Text dann ins Deutsche übersetzen kann. Das fühlt sich nach Verlust an und vielleicht bedeutet das auch Verlust. Ich muss wissen, was die Deutschen über meine Probleme wissen, über meine Kultur, was ich noch mehr beschreiben muss und was ich einfach erwähnen kann ohne es vorher erklären zu müssen.

Journalist mit multi-kulturellem Hintergrund

Ein Journalist im Exil zu sein bedeutet nicht nur außerhalb seines Heimatlandes zu leben, auch wenn man gezwungen ist sein Land zu verlassen weil es keine Freiheiten gibt oder auch aus anderen Gründen, die einen daran hindern journalistisch zu arbeiten. Ein Journalist im Exil zu sein bedeutet, dass du ein Journalist mit doppeltem Hintergrund bist: Zwei Kulturen, zwei Orte, zu denen du gehörst, was besonders schwierig ist wenn diese zwei Kulturen sehr unterschiedlich sind.

Es ist nur eine Frage der Zeit, nicht mehr ein erfolgreicher Journalist im Exil zu sein, sondern ein deutscher Journalist mit Flüchtlingshintergrund. Das ist mein Ziel für die kommenden Jahre und ich werde mein Bestes geben, dies zu erreichen.

 

BURHAN YASSIN, taz.meinland Redakteur

Aus dem Englischen übersetzt von Mareike Barmeyer

Foto: Bjoern Kietzmann 

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