Am Werbellinsee: Die Frage des „Deutschseins“

Flammender Sonnenschein und schweißtreibende Hitze - für das taz.meinland-Team 
kein Grund, um auf einen kollektiven Ausflug zum Werbellinsee zu verzichten. 

Schon erstaunlich, wie schnell man nach der Umrundung der typischen Berliner 
Baustellen und des zähen Nachmittagsverkehrs das Gefühl von Ferne spürt. 
Obwohl es lediglich 60 km sind - eigentlich eine unserer kürzesten Fahrten.

Unser Ziel ist die „Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte“ (EJB) 
am Werbellinsee, die ehemalige „Pionierrepublik Wilhelm Pieck“ der
DDR. Ruhig und idyllisch erstreckt sich das riesige Gelände entlang des 
glasklaren Sees inmitten der Schorfheide. Für einige von uns vielleicht
ein wenig zu malerisch und besinnlich. Mit Disko, Speisesaal und den 
immer gleichen beige gestrichenen Häusern ist der Jugendherbergscharme
hier allgegenwärtig.

Ein längerer Fußmarsch und Bekanntschaften mit zahlreichen Wespen, dann 
finden wir unseren Veranstaltungsort direkt am See. Hier werden
wir am 9. September mit den Freiwilligen der deutschen UNESCO-Kommission 
über die Frage „Was ist deutsch?“ diskutieren. Jedes Jahr kommen die 18-
bis 25-jährigen „kulturweit“-Neulinge am Werbellinsee zusammen, bevor sie zur 
Mitarbeit in Schulen oder an Kulturprojekten des Goethe-Instituts in alle Ecken der 
Welt ausschwärmen. Auf ihren Blick über den Tellerrand werden sie in Seminaren 
vorbereitet, hier reflektieren sie ihre bisherigen Ansichten und  Meinungen über die 
Welt kritisch. Wer, wenn nicht diese Repräsentanten „deutscher Kultur“ im Ausland, 
sollten sich fragen, was „Deutschsein“ ausmacht?

Unsere Vorfreude auf den 9. September und die hoffentlich vielfältigen Meinungen 
der Freiwilligen ist riesengroß. Die auf den Sprung ins Wasser danach aber auch!

ANNIKA MARETZKI, Redakteurin taz.meinland

Foto: Malaika Rivuzumwami

 

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