Jazz für 2016

Von Alphabetisierung bis Zero Tolerance für Nazi-Thesen – unsere Wünsche für den Jazz im Jahre 2016

 

 

Alphabetisierung

Kampagnen für Alle, die von Musikern schreiben und damit Männer und Frauen meinen – inakzeptabel, unerträglich. Das gilt für:

– die Initiative Musik, Fördereinrichtung der Bundesregierung und Musikwirtschaft für Rock, Pop und Jazz

– das Bundesjazzorchester, fast alle Landesjugendjazzorchester

– sämtliche Landesmusikräte in Deutschland

– lokale Jazzinitiativen, zum Beispiel nrwjazz.net

Für den Anfang, zum Mitschreiben: Musikerinnen und Musiker, Künstlerinnen und Künstler, Performerinnen und Performer, Veranstalterinnen und Veranstalter, Dozentinnen und Dozenten, Produzentinnen und Produzenten, MusikerInnen, Musiker_innen, Musiker*innen, KünstlerInnen, Künstler_innen, Künstler*innen, PerformerInnen, Performer_innen, Performer*innen, VeranstalterInnen, Veranstalter_innen, Veranstalter*innen, DozentInnen, Dozent_innen, Dozent*innen, ProduzentInnen, Produzent_innen, Produzent*innen

Cover – mehr Einfallsreichtum als schwindsüchtige Vampire, die immer gleichen Potenzposen, farbige Rechtecke mit serifenfreier Schrift, nett drapierte Vokalistinnen – das Auge isst schließlich mit.

Diversität unter Menschen und Instrumenten – auf der Bühne und im Publikum! Nur so bleibt Jazz relevant.

Musiker in drag.

Die Entdeckung der ersten Schallaufzeichnung von Buddy Bolden im Nachlass eines hundert Jahre alten Friseurbetriebs aus New Orleans – in der Versteigerungsmasse eines New Yorker Auktionshauses.

Farbe – auch wenn Fotos und Videos in schwarz-weiß 2016 der neue alte heiße Scheiß sind – gewandet euch in leuchtende Farben, Performer_innen! Dashikis, Kutten, Suits, Kleider und Masken dazu bitte in passenden Größen.

Frauen

– in die Leitungsgremien der Musikhochschulen

– als Lehrende in den Jazz-Abteilungen der Musikhochschulen

– in den Beirat des Bundesjazzorchesters, das gefördert wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

– als Dozentinnen des Bundesjazzorchesters (derzeit keine einzige)

– in die Besetzung des Bundesjazzorchesters (derzeit ,nur‘ Sängerinnen)

– in den Musikbeirat des Goethe-Instituts

– in die ,Expertenjurys‘ der Jazzmesse jazzahead (derzeit 5 von 28, Messe gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für und Medien)

– in die Jurys für Jazz des Preises der Deutschen Schallplattenkritik

Gegenwind ist auch Wind für die Segel des Jazz: Kein Rückzug in Spezialdiskurse, sondern im Namen der Abenteuerlust gemeinsam ans Ruder mit Verbündeten in anderen Musikrichtungen.

Kein neuer Super-GAU: funktionierende Gehirne von allen, denen 2015 bei einem 180-minütigen Album auch noch die letzten Sicherungen durchbrannten.

Genres – immer nur Modern, Mainstream, Avantgarde? Bitte nicht! Hier ein Anfang: Progbop, Free Bounce, Swingcore, Doom Blues ………tbc

Interdisziplinarität – gehört für MusikerInnen schon längst zur Wirklichkeit. Sie verdienen Anerkennung, Wertschätzung, Abbildung und konstruktive Begleitung in den Medien.

Eine Jazzstudie, die auch für die hier lebenden und arbeitenden MusikerInnen aus anderen Ländern der Welt funktioniert – und zwar von vornherein mit Fragen auf Deutsch und mindestens Englisch. Präsentation der Ergebnisse im Frühjahr 2016.

Jedes Konzert in diesem Jahr für David Bowie.

Kassetten am laufenden Band – Alben on tape, do it again!

Live, live, live – Texte über Musik schreiben sich nicht anhand von Alben, sondern durch Konzertbesuche. So richtig mit reingehen und zuhören, nicht mit halbem Ohr und dann fertigem Urteil.

Mehr Musikerinnen

– auf Festival-Bühnen und Protest bis hin zum Boykott durch MusikerInnen, Publikum und PublizistInnen, wenn die leitenden Akteure dazu nicht bereit sind und keine Stellung beziehen.

– in die Jazz-Sendungen des Deutschlandfunks.

Die Neue Jazzforschung, ein Netzwerk aus WissenschaftlerInnen und JournalistInnen 50-minusminus macht von sich reden.

Mal wieder rasieren.

Scheitern – ein Album hören und daran leiden, die Musik nicht einfach aufessen zu können.

Weniger Seife – bloß weg von musikalischem Devotionalienhandel, Lobhudelei, Tugendpredigten und Weltrettungsoratorien.

Jazz im Zeitalter des Dialogs: Dear Jazzdaddy, Deine Monologe sind Geschichte. Wir tauschen uns aus, stellen uns gegenseitig Fragen und haben keine Scheu, auch über unser Unwissen zu reden.

Zero Tolerance für Nazi-Thesen: Leider noch nicht totgesagt ist die These, an den Musikhochschulen in Deutschland würden in den Fachbereichen für Jazz zu viele Studierende angenommen und ausgebildet. Keine Gnade, Mikrofone, Foren dafür!

 

Äpfel* für alle!

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Mit Dank an den werten Kollegen aus dem Nachbarland

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