photo copyright: musician

In Berlin leben nicht nur die großartigsten Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker Deutschlands, manche von ihnen fotografieren auch außergewöhnlich. Zeit, die Perspektive zu wechseln und die Welt mit ihren Augen zu sehen.

Sollte es jemals so etwas wie „Jazzfotografie“ gegeben haben – wir halten das für ein penetrantes Gerücht männlicher Selbstdarsteller mit Groupie-Allüren – liegt es spätestens jetzt nahe, sich von den Heldenposen libidinöser Super-Linsen zu verabschieden.

Welche Fülle an Augenblicken, Atmosphären und Ästhetiken uns die Fotografien von Musikerinnen und Musikern zeigen! Und das vom Birkenwald bis Mumbai, von Wahlsdorf bis Kabul.

Wir präsentieren eine exklusive Auswahl. Mit herzlichem Dank an:

David Beecroft, Liz Kosack, Manuel Miethe, Oliver Potratz, Eric Schaefer, Dan Peter Sundland

 

Photos and text by Liz Kosack, keys

I love how surreality brings some hidden truth to the surface. I am really interested in how a shift in reality, or suspension of normal reason, can allow insight. I think good art, or art, is an act honest dishonesty – presenting something real in the guise of fabrication.

In Johanna’s picture for instance, this really great aspect of her comes through – a spirit in her that is really amazing, and always there to those who know her, but which perhaps rare for the common eye. The slow shutter literally reveals a multi-faceted, free-minded person, just scintillating. She’s magic, and this is proof, in unapologetic fantasy! The closeup picture of my little sister Dasha in pink-tiger-makeup (also my handiwork, by her request) is one of my favorite images of all time – I used it for for the cover of VAX’s second LP. My sister has actually done a bit of modeling (for dance-wear lines,) so she was used to being photographed. However, given the opportunity here to be completely free, this „true being“ came forth in this intense creature, packed with attitude and strength. Awesome is the right term, in both senses. Terrifying, cute, preposterous – and also totally natural. I love that.

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Liz Kosack: Johanna Weckesser – guitar

Dashatiger close

Liz Kosack: Dasha tiger ‚Count to VAX‘ LP cover

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LIZ PICK IMG_von Dan Peter Sundland

Photo and lighting by Dan Peter Sundland, mask and creature being: Liz Kosack

 

Fotos von Eric Schaefer, Schlagzeug

Viele meiner Bilder sind auf Konzertreisen entstanden.
Warum habe ich gerade diese drei ausgewählt?
Diese Bilder lassen sich mit dem Kerngedanken einer
Geschichte vergleichen:

Osaka – graphisch, Hafenstadt mit Ecken und Kanten

Harstad – horizontale Linien, monochromes Licht, Kälte

Mumbai – farbenfrohe chaotische Megacity

Bombay Indien_©Eric Schaefer

Eric Schaefer: Mumbai 2014

Harstad Norwegen_©Eric Schaefer

Eric Schaefer: Harstad 2016 Norwegische Kleinstadt nördlich des Polarkreises

Osaka Japan_©Eric Schaefer

Eric Schaefer: Osaka 2012 Japanische Metropole und Hafenstadt

 

Photos and text by David Beecroft, Saxophone

Making a photo is a lot like an experienced jazz musician playing jazz.
One listens to ones environment and the inner impulses – the music happens.
The will only gets in the way.
Listen to the space you are in, take the camera, let the feet move the viewpoint and a finger twitch decide the photo.
There is nothing personal about it.

Michael Clifton Benifit concert-0567

David Beecroft: Michael Clifton Benefit Concert, Eva Leupold – vocals

Wahlsdorf C2-0171

David Beecroft: Wahlsdorf

 

Fotos und Text von Oliver Potratz, Kontrabass

Existenz zwischen Mobilität und Ruhe

Wir sind extrem mobil. Veränderung ist die Konstante. Existenz sucht sich ihre Nischen. Die Bewegung bestimmt die Form und wird Inhalt. Ich beobachte mich und mein Sehen in der Mobilität als Musiker. Finde Ruhe in der Bewegung und Aufregung in der Stille.

In dieser Serie fotografiere ich Behausungen, Natur, Ladenstände, Menschen, Transportmittel und Wege, einen Friedhof und Menschen. Ich selber bin dabei immer in Bewegung, mich interessiert, was die persönliche Mobilität mit mir und meiner Wahrnehmung macht.

Begonnen habe ich mit dieser Art zu fotografieren auf Tourneen. Durch die ständige Fortbewegung in allen möglichen Transportmitteln sieht man nur einen ganz kleinen Teil der bereisten Länder. Natürlich gibt es immer wieder die Möglichkeit auszusteigen, einen Moment zu verweilen und Kontakt aufzunehmen. Aber schlussendlich bleibt man doch ein privilegierter Reisender, der nie wirklich einen tiefen Einblick in die jeweilige Kultur erfährt, weil man innerlich unterwegs bleibt und nicht wirklich ankommt. Alles was ich wahrnehme findet sich also irgendwo im Spannungsfeld zwischen dem was ich sehe und dem, was ich in mir mitbringe. Dabei entdecke ich für mich persönlich viel und erfasse auf einer bestimmten Ebene doch sehr Wesentliches.

Fotos in der Reihenfolge des Künstlers

Frankfurt

Oliver Potratz: Frankfurt

Kiew (1)

Oliver Potratz: Kiew

Russland 1

Oliver Potratz: Russland 1

Russland 2

Oliver Potratz: Russland 2

Russland 3

Oliver Potratz: Russland 3

Russland 4

Oliver Potratz: Russland 4

Eisenbahn Russland

Oliver Potratz: Eisenbahn Russland

Kabul 1

Oliver Potratz: Kabul 1

Kabul 2

Oliver Potratz: Kabul 2

Schweiz 1

Oliver Potratz: Schweiz 1

Schweiz 2

Oliver Potratz: Schweiz 2

Finnland 1

Oliver Potratz: Finnland 1

Finnland 2

Oliver Potratz: Finnland 2

China, Motorrollerparkplatz

Oliver Potratz: China, Motorrollerparkplatz

Sylvester

Oliver Potratz: Silvester

Frankreich 1

Oliver Potratz: Frankreich 1

Frankreich 2

Oliver Potratz: Frankreich 2

Deutschland 1

Oliver Potratz: Deutschland 1

Deutschland 2

Oliver Potratz: Deutschland 2

Deutschland 3

Oliver Potratz: Deutschland 3

Deutschland 4

Oliver Potratz: Deutschland 4

Wald 1

Oliver Potratz: Wald 1

Wald 2

Oliver Potratz: Wald 2

Friedhof

Oliver Potratz: Friedhof

Stadt

Oliver Potratz: Stadt

Land

Oliver Potratz: Land

Kabul 3

Oliver Potratz: Kabul 3

Kabul 4

Oliver Potratz: Kabul 4

Dehli

Oliver Potratz: Delhi

 

Foto und Text von Manuel Miethe, Sopransaxophon

Die estnische Komponistin Elo Masing lernte ich als Zebra kennen. Sie war in London schon länger als solches (und mit ihrer eigenen Radioshow) bekannt, als sie nach Berlin kam und dort in einem meiner Konzerte mit dem Berlin Improvisers Orchestra auftauchte. Eva Mattes trug Sätze vor, die sie geträumt und dann aufgeschrieben hatte und ich trug Fühler auf dem Kopf. Jedenfalls bei einem Stück, für fünf Minuten. So lernte sie mich also als Saxophon spielenden Käfer kennen. Eines Morgens erwachte ich mit dem Gedanken, das estnische Zebra in einen Birkenwald, auswildern. 
An einem sehr heißen Sommertag machten wir uns auf die Suche nach dem richtigen Ort dafür. 
Es war still und sumpfig. Es gab Frösche, Spinnen in den Gräsern, den goldgelb in den Blättern raschelnden Wind und eben das Zebra Elo Masing, das Birken liebt.

Elo Masing

Elo Masing, composer/violin

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