Drei aus 171: Musik des Jahres 2016

Wann es an der Zeit ist, die Trommel selbst anzuschlagen, Fingerspitzen zu bewundern oder vor Glück einfach mal zu heulen. Eine Bilanz aus Momenten, Instrumenten und Räumen der Musik anno 2016. Drei von einhunderteinundsiebzig Konzerten bleiben besonders im Gedächtnis.

 

 

Fan des Jahres

 

Überraschungen des Jahres

3    Group A, CTM-Festival, Berghain/Berlin – das japanische Duo beherrscht den Krach im   Schattenreich vollendet ästhetisch, ein Genuss für Augen und Ohren.

2    Festival Wir sind die Roboter von Gamut Inc, Musikbrauerei/Berlin – von Drones umwabert in tiefer Versenkung auf eine komplizierte Anordnung aus blinkenden Apparaturen und Instrumenten blicken, während die Nerds nebenan an Maschinenmusik im Autobetriebs-Modus schrauben – großartig.

1    Wo der Landwehrkanal auf die Spree trifft gibt’s super Konzerte – haltet durch, liebe Macher_innen!

 

Instrumente des Jahres

3    Horn Sculptures von Mark Southerland, Kansas City/New Orleans – neben den sagenhaften Verschmelzungen von Schläuchen und Mundstücken, Trichtern und Korpussen hätten wir Southerland, außer in New Orleans, auch gerne in einer seiner Performances mit Kostümen, Speisen und Tieren gesehen, hier ein Eindruck von ihm.

2    Guerilla Spatialization Unit von Ganzfeld, i.e. Liz Allbee und Sukandar Kartadinata – keine Oberfläche, kein Fenster, kein Bus ist davor sicher – Attention, Folks! Anfang 2017 wird die Unit endlich in Berlin präsentiert.

1    Fingerspitzen auf Sedimentgestein aus den französischen Alpen, elektronisch verstärkt.

 

Songs des Jahres

3    Die Nerven: Die Unschuld in Person, Album: Out, Glitterhouse Records – Überhang von 2015, gehört zum Erste-Hilfe-Inventar in allen Lebenslagen.

2    Mavis Staples: MLK Song, Album: Livin‘ On A High Note, ANTI-Records.

In the crawl for justice I have somebody run / In the walk for the hungry I feed someone / and in the march for peace tell’em I play the drum / when I have to meet my day

Words by Dr. Martin Luther King Jr.

1    Paul Simon: Wristband, Album: Stranger to Stranger, Concord Records. Das gemeine Konzert- und Festivalpublikum wird allerorten zwangsbebändert, manchmal für Tage. Simon kredenzt diese Hymne für alle Eintrittsarmbandhasser unfassbar lässig.

 

Tribute des Jahres

Kristoffer Lo singt Sabotage von den Beastie Boys, RIP John Berry

Aufnahme vom 17. Dezember 2016, Byscenen/Trondheim

 

Alben des Jahres

2    Kim Myhr: Bloom, Hubro – ein beseeltes Orchestrion für Schwelgereien, Einkehr, Verflüssigung.

1    Jason Moran: The Armory Concert, Yes Records – von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Komet.

 

Konzerte des Jahres

Weder grob überschlagen noch aufgerundet oder pauschal zusammengezählt, nein – in 2016 besuchte ich exakt 171 Konzerte, 99 davon bei Festivals. Besuch bedeutet: Hinein, Zuhören, Zeit mit der Musik verbringen.

3    Christian Scott aTunde Adjuah, Yaam/Berlin – was für ein Spektrum zwischen beredten Improvisationen, seelenvollen Balladen und purer Dringlichkeit auf der Trompete – Chapeau! Da capo!

2    Harriet Tubman featuring Cassandra Wilson: Black Sun/Moers Festival – nicht weniger als eine Sternstunde mit Klassikern des African American Folk, Blues und Eigenkompositionen – von umwerfender Schlagkraft und Sinnlichkeit.

1    Treme Brass Band, Candlelight Lounge/New Orleans – ein Drumset aus drei Menschen, zwei Snare-Schlagzeugern und Benny Jones auf der Bass Drum, dazu Trompete, Posaune, Saxophon, Piano. Mehr Herzenswärme, Groove und Heritage sind undenkbar – zum Heulen schön.

 

 

 

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