30.09.2006 von
Amerika kommt, teufeltechnisch gesehen, nicht zur Ruhe. Erst Hugo Chavez, und nun hat auch noch Jerry Falwell gesagt, Hillary Clinton sei — nein, nicht mal der Teufel, sie sei stärker als der Teufel. Wenn sie als Präsidentin kandidiere, werde selbst der Teufel nicht auf so viel Widerstand stoßen wie sie, zumindest bei den evangelikalen Christen.
Jerry Falwell ist — wir erinnern uns — ein bekannter amerikanischer Fernsehpfarrer, der sagte, New York sei verdientermaßen von 911 getroffen worden, weil dort so viele Schwule, Heiden, und Frauen, die abgetrieben haben, wohnten. Er hat auch schon mal gesagt, der Antichrist sei bereits auf Erden, er sei männlich, arbeite in den Medien, und sei jüdisch. Also nicht Hillary. Aber sie ist ja auch mächtiger als der Antichrist.
Nun weiß ich nicht, wo Jerry Falwell Theologie studiert hat — auf der Cowboy-Hochschule von El Paso, Texas? — ich weiß aber, dass es nur ein Wesen gibt, das mächtiger ist… weiter lesen
27.09.2006 von
Selten war es einem so peinlich, Journalistin zu sein wie bei der Lektüre der Natascha-Kampusch-Arie in der deutschen (und österreichischen) Presse. Da stürzen sich hunderte von Boulevardjournalisten auf ein Mädchen, das nach acht Jahren Einzelhaft und Folter, hinter einer dicken Stahltür aufgewachsen, immer in Gefahr, zu verhungern oder ersticken, im Krankenhaus liegt, und nötigen es, Stück für Stück intime Details aus seiner Gefangenschaft preiszugeben, fleißig unterstützt von der österreichischen Polizei, die ihre Ermittlungsakten offenbar meistbietend verkauft.
Endlich tritt sie die Flucht nach vorne an, und gibt ein Interview. Der Deal war: Ich zeige mein Gesicht und erzähle euch ein bisschen was, dafür hört ihr auf, öffentlich darüber zu spekulieren, was zwischen meinem Entführer und mir gelaufen ist.
Daraufhin wird Natascha von der gleichen Presse, die ihr gerade noch gedroht hat, sie mit Papparazzi zu jagen, beschuldigt, nicht in allen schmutzigen Details erzählt zu haben, was zwischen ihr und ihrem Entführer… weiter lesen
25.09.2006 von
Vor ein paar Tagen war ich eher versehentlich auf einer Dinner, von dem ich dachte, dies habe eine Agentur organisiert, die mich nach Raleigh, North Carolina, eingeladen hat (Raleigh, North Carolina, ist, der Agentur zufolge, das Paris des amerikanischen Südens). Es war aber dann doch eine Agentur, die mich mal nach Phoenix, Arizona, eingeladen hatte. Phoenix ist die am schnellsten wachsende Stadt der USA, und auch die heißeste Stadt. Im Januar ist es da so heiß wie in Berlin im Juni, was bedeutet, wenn es kein billiges Öl mehr gibt, um die allgegenwärtigen Klimaanlagen zu befeuern, sieht Phoenix alt aus.
Wie auch immer, das Dinner fand in einem der ältesten italienischen Restaurants in Manhattan statt. Der Gastgeber wiederum stammt aus Cleveland, Ohio, und Cleveland ist ungefähr so organisiert wie New York City, nämlich in ethnische Gruppen. Der Gastgeber ist befreundet mit Dennis Kucinich, dem Senator und (erfolglosen) Präsidentschaftskandidaten aus… weiter lesen
24.09.2006 von
Diese Woche hat Hugo Chavez, Präsident von Venezuela, unseren Präsidenten George W. Bush vor den Vereinten Nationen als „Teufel“ bezeichnet, uns gesagt, das Pult im Plenarsaal stinke noch nach Schwefel. Er bekam viel Beifall, bloß die New Yorker Boulevardpresse fand dies nicht so richtig lustig. Eher empörend sogar.
Meine Theorie hingegen ist, dass Bush der Antichrist ist. Denn diesen erkennen wir daran, dass er mächtig ist, kriegslüstern, und in die Flagge der Religion gehüllt (oder so ähnlich, es könnte sich aber auch um ein schlecht erinnertes Zitat von Huey Long handeln). Bis vor fünf, sechs Jahren war der Antichrist auch noch jüdisch, aber seit sich die evangelikalen Rechten, die so was im Fernsehen verzapfen, mit den israelischen Zionisten verbündet haben, um gemeinsam Armageddon herbeizuführen (bald haben Sie’s geschafft), ist das ein wenig außer Mode geraten.
Außerdem, der Antichrist hat das Zahlenreihe „666“. Und das ist Bush: G-E-O-R-G-E (sechs Buchstaben) W-A-L-K-E-R… weiter lesen
19.09.2006 von
Erinnern Sie sich noch an George W. Bush, unseren Präsidenten, der in einer Grundschule in Florida sass und Kindern aus dem Buch “The Pet Goat” vorlas, als die Flugzeuge ins World Trade Center einschlugen? Und vorlas? Und vorlas? Bush hatte damals erklärt, er habe die Lesung nicht abgebrochen, weil er die Kinder nicht habe erschrecken und beunruhigen wollen. Nun ja, vielleicht wäre es wichtiger gewesen, den Befehl zum Abschuss einer Maschine zu geben, die den Anflug auf das US-Congressgebäude macht. Naja, vielleicht auch nicht.
Wir aber wissen nun, was diese Kinder damals empfunden haben.
http://www.boston.com/news/nation/articles/2006/09/07/schooldchildren_recall_911_with_bush/
Die Kinder waren keineswegs beruhigt. Sie “saßen da und beobachteten einen zitternden Präsidenten, der versuchte, zu begreifen, was los war” … “Er sah aus, als ob er gleich heulen würde”, meinte eine Schülerin. Und als Bush endlich gegangen war, hielt sein Schulminister Rod Paige noch einen Vortrag über die Wichtigkeit des Lesens — während die… weiter lesen
17.09.2006 von
Unser Papst kriegt gerade Flak von allen Seiten, weil er den Islam als “böse und unmenschlich” bezeichnet hat, da will die New York Times nicht hintanstehen: Der Papst müsse sich bei den Muslims “tief und überzeugend” entschuldigen, leitartikelte das Blatt am Samstag im Stil der stalinistischen Selbstkritik (nicht unerwartet, wurde Stalin von der Times zu Lebzeiten doch in den höchsten Tönen gelobt).
Die New York Times erscheint immerhin in einer Stadt, die gerade das fünfjährige Gedenken von 911 begangen hat. Aber Gefahr dräut aus dieser Richtung sicherlich keine mehr: Der Jihad, erfahren wir aus der Times, sei ein spiritueller Kampf, kein Ruf zur Gewalt. Na, das hören die World-Trade-Center-Familien sicher gerne.
Die Begründung der Times ist noch bizarrer: Es gebe bereits mehr als genug religiöse Wut in dieser Welt. Ja, ein Land wie die Amerika, dessen Armee 14-jährige Mädchen im Irak vergewaltigt und umbringt, Taxifahrer in Abu Ghraib zu… weiter lesen
14.09.2006 von
Man kriegt in New York vieles nur in Bruchstücken mit, was in Deutschland passiert, vielleicht kommt einem deshalb manches so merkwürdig vor. Da gibt es eine Fernsehansagerin namens Eva Herman, die sagt, Frauen sollen keine Karriere machen, sondern lieber zu Hause bleiben, Apfelkuchen backen und den Mund halten (irgendwann soll mir auch noch mal jemand erklären, was daran so anspruchsvoll sein soll, Worte vom Teleprompter abzulesen). Das finden viele Männer klasse, weil das irgendwie der Natur der Frau entspricht.
Und dann gibt es eine Frau namens Seyran Ates, immerhin eine Anwältin, die hat nun den Bettel hingeworfen wg. zuviel Stress, bleibt zu Hause, hält den Mund und backt — was, weiß ich nicht, wahrscheinlich das türkische Eqivalent zu Apfelkuchen, Bakhlava oder so? Das finden die gleichen Männer furchtbar schade.
Ja, wie haben wir’s denn nun? Sollen bloß die blonden Frauen den Mund halten? Die deutschen? Die Ausländerinnen haben gefälligst zu… weiter lesen
12.09.2006 von
In Deutschland kommt gerade Thomas Friedman groß heraus, der New York Times-Kommentator für den Mittleren Osten, mit seinem Buch „Die Welt ist flach“, das das Loblied der Globalisierung singt. Wir in New York kennen ihn als dem Mann mit den flexiblen sechs Monaten. Denn schon seit 33 Monaten prophezeit uns Friedman, dass „die nächsten sechs Monate über die Aussichten der Demokratie im Irak entscheiden werden, und sie werden die wichtigsten sechs Monate in der US-Außenpolitik sein“. Das schrieb er im November 2003. Aber auch noch danach, stellte die medienkritische Organisation FAIR fest: Im Juni 2004 waren die kommenden sechs Monate immer noch wichtigsten, im Oktober 2004 waren sie entscheidend, zwei Monate später kam es auf die nächsten sechs Monate an, ob die Demokratie im Irak…. Im November und Dezember 2005 entdeckte Friedman gleich viermal das „sechs-Monats-Fenster“, das „wirklich entscheiden wird, ob der Irak kollabiert oder…“ Als nächstes tauchte Friedmans sechs-Monats-Fenster… weiter lesen
11.09.2006 von
Es gab — soweit ich das überblicke — ungefähr eine 911-Veranstaltung pro hundert New Yorker, was dann irgendwie doch zu einer gewissen Übersättigung geführt hat. Trotzdem noch ganz gut besucht war ein Treffen in der Cooper Hall. Dort wurde der „Final Cut“ des Verschwörerfilms „Loose Change“ vorgeführt, im Beisein der Filmemacher, die ein wenig konfus in ihren “Investigate 9-11“-T-Shirts auf der Bühne standen. Es war dann aber doch nicht der Final Cut, sondern eine Zwischenfassung, aus der wir erfuhren, dass es Explosionen im World Trade Center 7 gab, und dass eine ganze Maschine spurlos im Pentagon verschwand.
Der Hauptververdächtige in „Loose Change“ war, soweit ich das überblicke, Donald Rumsfeld, der Pentagon-Chef. Das finde ich als Deutsche ein wenig beleidigend, immerhin stammt der Mann aus Bremen. Und wann hätte jemals ein Deutscher aus politischem Kalkül ein Gebäude abgefackelt? (kommt mir nicht mit dem Reichstag, Hitler war Österreicher!) Das Verschwindenlassen von Flugzeugen… weiter lesen
05.09.2006 von
Ankommen in New York wird alle paar Monate noch ein wenig schwieriger.
British Airways – leider die billigste Fluglinie – hat nun neue
Sicherheitsbestimmungen: Keine Kosmetika, keine Flüssigkeiten, als
Handgepäck nur noch eine Computertasche. Außerdem gibt es überall lange
Schlangen in Heathrow, weil drei Kontrollpunkte eingerichtet wurden, durch
die sich alle zwängen müssen. Mit Gepäck. So dauert das Umsteigen mehr als
eine Stunde. Schon bei der ersten Kontrolle schaffe es nicht, auch noch
meine Kamera in meine Computertasche zu stopfen. Der Kontrolletti schlägt
vor, ich solle das Buch herausnehmen, das ich in der Tasche habe (“I am
Spock”, von Leonard Nimoy). Ich mache das, aber warum es sicherer sein
soll, das Buch in der Hand zu tragen statt der Kamera, finde ich eher
unlogisch. In New York merke ich, dass ich einen Lippenstift in der
Hosentasche hatte. Faszinierend.… weiter lesen