Archive for November, 2006

30.11.2006 von
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Shop till you drop

von

Zeitungsleser könnten glauben, Amerika sei mittlerweile genervt vom Irakkrieg, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Das brachte heute Jonah Goldstein in der Los Angeles Times auf den Punkt: Amerikaner haben kein Problem mit dem Krieg, sie wollen bloß nicht verlieren.

http://www.latimes.com/news/opinion/la-oe-goldberg30nov30,0,6255949.column?coll=la-opinion-center

Als die U.S. Army in Afghanistan einmarschiert sind, hatte Bush um die 90 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung, und am Anfang des Irakkrieges immerhin noch knapp 70 Prozent.

Wenn man sich heute umhört, fühlt man sich wie in Deutschland 1945: Niemand hat den GröFaz gewählt, niemand war für den Krieg, alle haben immer gewusst, dass es böse enden wird. Alles Unschuldige.

Und tatsächlich ist heute eine Mehrheit der Amerikaner gegen den Krieg, aber nicht wegen der 650.000 toten Irakis, und noch nicht einmal wegen der 3000 toten GIs (obwohl das schon mehr Leute beunruhigt), sondern wegen der ärgerlichen Nebeneffekte: Die Benzinpreise sind hoch, der Dollar tief, und wer… weiter lesen

26.11.2006 von
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Kill Bill

von

Der Spiegel hat es, trotz seines martialischen Titels (“Die Deutschen müssen das Töten lernen”) immer noch nicht geschafft, in Deutschland größere Begeisterungsstürme für den Militäreinsatz in Afghanistan zu erwecken. Und auch die Stimmung in Amerika ist eine gänzlich andere. Ganz Amerika leckt sich derzeit die Wunden, die der Irakkrieg geschlagen hat (zum Glück nur im Irak), und hofft, aus dem Abenteuer wieder heil herauszukommen.

Ganz Amerika? Nein, es gibt noch Inseln des Widerstandes, die kämpfen wollen, natürlich nicht sie selber, sondern andere Leute sollen ihre Knochen hinhalten. Der Spiegel gab nun Daniel Goldhagen ein Forum. Und Goldhagen forderte, die Deutschen müssten gegen den militanten Islam zu Felde ziehen, wie es die USA so wirksam vorexerziert hätten, als sie 1992 die kuwaitischen Ölquellen vor Saddam Hussein beschützt hätten. Es gelte, die Welt vor dem Islamofaschismus zu retten, der so gefährlich sei wie die Nazis oder die Japaner.

Sehen wir einmal… weiter lesen

22.11.2006 von
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Full Metal Jacket

von

Die Amerikaner machen sich Sorgen um unsere Moral, zumindest dem SPIEGEL zufolge. “Die Deutschen müssen das Töten lernen”, forderte dort ein US-General, der unwillig darüber ist, dass wir nicht so richtig dabei helfen, das Britische Imperium in den Grenzen von 1922 wiederherzustellen.

Das ist ein Vorwurf, der einen ein wenig verwundert, vor allem, wenn man die Deutschen vornehmlich aus amerikanischen Filmen und Fernsehserien kennt, insbesondere aus dem History Channel, der sich gut und gerne in Hitler Channel umbenennen könnte.

Ja, wenn — frei nach dem großen Häuptling Tecumseh (oder war es Geronimo?) — der letzte Wehrmachts-Streifen in den Kinos flimmert, die letzte WWII-Storyidee an die New York Times gepitcht und das letzte Stechschrittballett auf den Broadway gelangt ist, werdet ihr merken, dass man mit Hollywoodfilmen über die Nazis keinen Krieg finanzieren kann, zumindest keinen, der mehr als 200 Milliarden Dollar kostet.

Generell gesprochen allerdings, sollten wir vielleicht doch erst mal… weiter lesen

19.11.2006 von
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Nazis, Sex und Martenstein

von

Nazis und Sex sind — das habe ich von unserem verehrten Blogwart Mathias Bröckers erfahren — Begriffe, die im Internet oft nachgefragt, und deshalb bei Google News hoch eingestuft werden. Das heißt, ein Artikel, in dem diese Worte vorkommen, landet bei der Google-Suche auf den vorderen Plätzen.

Mal sehen. Nun zu etwas vollkommen anderen. In der heutigen Zeit der Cyberexistenzen ist es einfacher geworden, Kontakt über den halben Globus zu halten, man weiß nur nicht so recht, zu wem. Nehmen wir den von mir ebenfalls verehrten Kollegen Harald Martenstein, der in der ZEIT sein Leben dem Publikum darbietet, aufgedröselt in Anekdoten (zu finanziellen Konditionen deutlich über dem, was die taz zahlt, aber wir wollen hier nicht kleinlich sein).

Nun lebe ich in New York, der Kollege Martenstein aber in Berlin, deshalb bin ich auf seine Kolumne nachgerade angewiesen, um zu wissen, wie es ihm geht. Manchmal geht es ihm gut, manchmal… weiter lesen

17.11.2006 von
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Jetblues

von

Jetblue ist eine Fluglinie, die von Kontrollwahn, Krise und Kürzungen gänzlich unberührt geblieben ist. Auf dem Flug von L. A. nach New York wurde ich erst versehentlich unter falschen Namen eingecheckt, dann wurde meine Bordkarte ohne großen Umstand ausgetauscht, und als ich nach meinem (auch unter falschen Namen eingecheckten Gepäck) fragte, hieß es: Ach, das sammeln Sie einfach in New York auf.

Nächste Station: Security Schleuse, ich stehe herum und warte, und habe dabei meinen Roswell-T-Shirt an (in Roswell, New Mexico, war dieser UFO-Absturz, den die US-Regierung bis heute geheimhält). “Ah, Roswell”, sagt der Kontrolletti. “Da habe ich früher gearbeitet. Auf der Militärbasis.”

“Interessant”, sage ich. “Versteckt ihr da wirklich UFOs?”

Der Kontroletti: “Das darf ich nicht sagen, sonst müsste ich Sie töten.”

Im Flugzeug gibt es O-Saft und Schokokekse, und die Stewardessen sind freundlich. Und es gibt Fernsehen. Richtiges Fernsehen, das heißt, wenn ein Jetblue-Flugzeug abstürzt, kriegt der Passagier… weiter lesen

15.11.2006 von
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Iraq

von

Wie es im Irak wirklich aussieht, lässt sich nach einem Bericht der Los Angeles Times erahnen: Die Säuglingssterblichkeit liegt mittlerweile bei 12,5 Prozent. Das heißt, auf tausend Geburten kommen 125 tote Babies.

http://www.latimes.com/news/la-fg-health11nov11,1,3925125.story

Das sind Verhältnisse wie in den ärmsten Entwicklungsländern. Dazu muss man wissen, dass der Irak vor den auf Druck der USA verhängten Sanktionen eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hatte. Die Sanktionen haben rund eine halbe Million Kinder und Babys das Leben gekostet, im ersten Irakkrieg kamen einige hunderttausend Iraker um — ein Gutteil davon junge Wehrpflichtige, die sich ergeben wollten — und der jetzige Krieg hat im Irak, dem britischen Medizinmagazin Lancet zufolge, mehr als 600.000 Zivilopfer verursacht.

Das ist, auf die Bevölkerungszahl umgerechnet (der Irak hat rund 20 Millionen Einwohner) dreimal so viel wie in Bosnien während des Jugoslawienkrieges.

Und die meisten Opfer sind Frauen und Kinder. In jeder Beziehung.

http://www9.sbs.com.au/theworldnews/region.php?id=86121&region=6

Inzwischen wird sogar in Amerika darüber… weiter lesen

12.11.2006 von
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Liebe Leser

von

Wow, ich bekomme Kommentare! Sogar von Fremden! Es lohnt sich also doch, in einem lauten Hotelzimmer am Sunset Boulevard zu sitzen und verzweifelt mit der WiFi-Qualität zu kämpfen, während draußen die Obdachlosen Zelte bauen, und Leuchtreklamen für den neuen Ciabatta-Burger von Jack-in-the-Box werben.

Liebe Leser! Nein, es ist kein Zeichen besonderer Zivilisiertheit, wenn man ein Problem damit hat, dass ein rückfälliger Gewaltverbrecher, der ein Mädchen wochenlang gefoltert und vergewaltigt hat, für immer weggesperrt wird. Natürlich muss der Mann einen Prozess mit Anwalt bekommen. Aber den bekommt er ja.

Ganz im Gegenteil: In archaischen Gesellschaften wie Pakistan oder in manchen afrikanischen Ländern werden Gewaltverbrechen, die Männer gegen Frauen und Kinder begehen, als Kavaliersdelilte behandelt. Es ist ein Zeichen von Zivilisiertheit, wenn der Staat mit seinem Gewaltmonopol die Schwachen, Frauen und Kinder schützt. Und wenn der Staat das nicht tut, ruft genau das die Rechten auf den Plan.

Die Geringschätzung des… weiter lesen

10.11.2006 von
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Lost Highway

von

In Los Angeles herrscht eine beispiellose Hitzewelle, deshalb bin ich meistens im Kino. Es läuft auch gerade ein Filmfestival, dessen Ziel es offenbar ist, die Feel-Bad-Movies of the Year vorzustellen. Eröffnet wurde mit der Ermordung von Bobby Kennedy (im Beiprogramm lief eine Dokumentation über ein Attentat auf George W. Bush), ein schwedischer Film über Gewalt an sich, ein deutscher Film über eine unschuldige Mörderin, ein amerikanisch-belgischer über Blutdiamanten, der Streifen “Alien Autopsy” und zuletzt ein Film aus Pakistan über eine Frau, die von einer Gang vergewaltigt wurde und sich danach gegenüber einem unfähigen Justizapparat und eitlen Politikern Recht verschaffen musste, also ungefähr wie in Dresden.

Die Dokumentation über das Attentat auf George W. Bush war natürlich nicht echt, aber täuschend ähnlich nachgemacht, bis zu der Grabrede, die Dick Cheney hielt (die Autoren werden sich beglückwünschen, dass sie dafür nicht Don Rumsfeld genommen haben). Ich fand es auch witziger als Borat.… weiter lesen

09.11.2006 von
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Heckuva Job

von

In Berlin denke ich meist “Die spinnen, die Amis”, und hier — ich bin in Los Angeles — finde ich: “Die spinnen, die Deutschen”. Nun hat es der Dresdner Justizapparat nach unzähligen Pleiten, Pech und Pannen fast geschafft, den Vergewaltiger Mario Mederake entkommen zu lassen. Wenn so was unter Rudy Giuliani passiert wäre, würde der Verantwortliche jetzt einen Verlag für seine Memoiren suchen.

Falls in Sachsen bereits ein Justizminister gesucht wird: Donald Rumsfeld wäre die ideale Wahl. Rumsfeld, der Arme, musste seinen Helm nehmen, und das nur wenige Tage, nachdem ihm Bush versichert hatte, er habe im Irak einen wunderbaren Job erledigt. Bushs Lob ist inzwischen sowas wie der Tod der Spinnenfrau, denn wer von Bush gelobt wird, findet sich flugs als Wettermann von Fox News wieder, oder so. Wir warten jetzt nur noch darauf, dass er vor dem Spiegel Selbstgespräche führt.

Neuer Verteidigungsminister wird nun ein gewisser Herr Gates. Also,… weiter lesen

07.11.2006 von
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Dead Man Walking

von

Hier noch das Wort zum Sonntag zu Saddam Hussein und die gegen ihn verhängte Todesstrafe. War das richtig? Ich glaube, nein. Und zwar nicht nur wegen des ein wenig geschmacklosen, allerdings leicht durchschaubaren Timings kurz vor den Wahlen zum US-Kongress am heutigen Dienstag. Nein, das hat tiefere Gründe.

Nun bin ich grundsätzlich gegen die Todesstrafe, aber ich könnte mich durchaus mit dem Gedanken anfreunden, dass für Diktatoren und Völkermörder ein anderer Maßstab gilt. In diesem speziellen Fall bin ich aber gegen die Todesstrafe, weil das quasi die Vernichtung von Beweismitteln wäre.

Denn Saddam hat uns noch so viel zu erzählen. Wo kommt das Giftgas eigentlich her, mit der er 5000 Kurden vergast hat? Und warum, gleich nochmal, hat Donald Rumsfeld damals seine Hand geschüttelt? Wie genau ist er eigentlich an die Macht gekommen — war da nicht was mit einem Coup, wo die CIA irgendwie die Finger drinhatte? Und wer hat… weiter lesen