30.12.2006 von
Saddam Hussein wurde heute morgen gehängt, gerade noch rechtzeitig, denn die Zahl der Baathisten, die irakischen Knästen entkommen konnte, ist inzwischen ein wenig peinlich für die US-Besatzungsarmee. Erst machte sich Saddams Neffe aus dem Staub, und zuletzt der frühere Minister für Elektrizität (Elektrizität?)
http://www.suntimes.com/news/world/167362,CST-NWS-iraq10.article
http://www.guardian.co.uk/Iraq/Story/0,,1974956,00.html
In Europa haben sich die üblichen Verdächtigen gegen die Todesstrafe gemeldet. Normalerweise wäre auch ich dagegen, aber für Staatsoberhäupter, die Massenmorde anordnen, sollte durchaus ein anderer Maßstab gelten. Und die Verwechslungsgefahr ist hier eher gering (andererseits, woher wissen wir eigentlich, dass nicht eines von Saddams Doubles exekutiert wurde, und der echte Saddam nun, unter Bewachung der CIA, in einer südamerikanischen Klinik umoperiert wird?)
Apropos CIA: So richtig kam im Prozess ja nicht zu Sprache, wie die Agency den Aufstieg von Saddam unterstützt hat, was ein wenig schade ist. Beispielsweise ging Saddam, dessen Vorbild der große Antifaschist und US-Alliierter Josef Stalin war, während seines Exils in… weiter lesen
29.12.2006 von
Nun ist die Zeit der Rückblicke — und der Voraussagen. Bei der New York Times erledigt das William Safire, langjähriger Kolumnist in Washington, eiserner Unterstützer der Neocons — so behauptete er noch vor kurzem, der Anschlag auf das World Trade Center sei vom irakischen Geheimdienst gesteuert worden — und früherer Redenschreiber von Richard Nixon, zusammen mit Pat Buchanan, der gelegentlich scherzte, Capitol Hill sei “Israeli Occupied Territorry”.
Safire rühmt sich, einer der bestbezahlten “Pundits”, weisen Männer von Washington zu sein: Er passe seine Honorare den steigenden Preisen seiner Tiefgarage in Washington an. Und so sagte er uns für das kommende Jahr folgendes voraus:
Die amerikanische Truppenstärke im Irak werde vom heutigen Stand — 160.000 Soldaten — auf nur noch 100.000 sinken und der Irak werde eine, wenngleich wackelige Demokratie sein, mit einer geschwächten Rebellion. Der Iran werde vernünftig werden, da die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sinken würden und es einen Anti-Terror-Boykott gegen… weiter lesen
22.12.2006 von
Weihnachten in Berlin! Nichts ist schöner, als neben der bullernden Zentralheizung zu sitzen und im Internet zu lesen, dass der gesamte amerikanische Mittelwesten dank eines Schneesturms zusammengebrochen ist, und dass in Heathrow Notstand herrscht. Heathrow! Jener Vorort der Hölle, wo das Umsteigen von Terminal 1 zu Terminal 4 zwei schweißtreibende Stunden dauert, wo die Inderinnen im Sari an den Infotheken kein Englisch können, wo einen wahnsinnige Security Guards anweisen, die Kamera in die Computertasche zu stecken, die Geldbörse in den Rucksack, die Jacke in die Geldbörse und die Schuhe in die Hose, um den Sicherheitsbestimmungen Genüge zu tun, und wo ein kleiner Milchkaffee 2,80 Pfund kostet. Das sind sechs Dollar.
Heathrow also, wo wir diesmal, zum Glück, nicht sind. Wo sind wir? In Berlin. Ein Freund in Berlin erzählte mir heute, es gebe hier “CO2-Konten”, wo Grüne, die zuviel fliegen, eine Art Ablass einzahlen können, um sich von ihren Sünden… weiter lesen
14.12.2006 von
Die Neokonservativen überraschen einen immer wieder. Neuester Vorschlag von Jonah Goldberg in der Los Angeles Times: Die USA sollten einen Pinochet für den Irak suchen. Pinochet sei zwar ein Diktator gewesen und habe tausende umgebracht und zehntausende gefoltert, aber heute herrsche in dem Land Wohlstand und Freiheit.
http://www.latimes.com/news/opinion/la-oe-goldberg14dec14,0,5277475.column?coll=la-opinion-center
Zunächst einmal: Saddam Hussein war bereits eine Art Pinochet. Und ohne die Sanktionen und den Krieg wäre der Irak auch noch wohlhabend. Andererseits: Wenn sich die L.A. Times schon in südamerikanischen Diktaturen nach einem würdigen Nachfolger für den Ober-Baathisten umguckt, da gäbe es noch ein paar andere.
Schließlich sind mehr als genug hochrangige Alt-Nazis nach Südamerika geflüchtet (mit Hilfe der so genannten “Rattenlinie” des Vatikans und des OSS/CIA): Josef Mengele, Adolf Eichmann, Klaus Barbie und Walter Rauff, ein Gestapoführer, der die Juden von Tunesien ermorden ließ, und der in Chile einer von Pinochets obersten Folterknechten wurde.
Die werden doch wohl ein… weiter lesen
11.12.2006 von
Auguste Pinochet ist tot. Henry Kissinger lebt. Pinochet ist das große Thema in den amerikanischen Zeitungen, aber dass Kissinger, der frühere Außenminister der USA, sein Busenfreund war, erfahren wir dort eher nicht.
Nicht nur unterstützte die CIA unter der Verantwortung Kissingers den Coup gegen Allende, Kissinger traf sich am 8. Juni 1976 sogar privat mit Pinochet in Santiago de Chile und versicherte dem Diktator, dass er die Unterstützung des Weißen Hauses, d.h. Nixon habe, unabhängig von kritischen Stimmen im Kongress.
Wer nun beim US-Service von Google News das Stichwort “Pinochet” eingibt, erhält 4280 Hits. Bei “Pinochet” und “Kissinger” zusammen sind es nur noch 74 Hits, fast alle von britischen, australischen oder südafrikanischen Blättern, dazu einige kleine, linke Zeitungen oder Websites aus dem kalifornischen Berkeley oder so. Weder die New York Times, noch die Washington Post erwähnen Kissingers Rolle.
Erwähnt wird dies lediglich vom Auslandsservice der Los Angeles Times, der Berichte… weiter lesen
10.12.2006 von
Soweit ich unterrichtet bin, findet in Deutschland gerade ein Skandal statt, bei dem es sich darum dreht, dass es Nacktfotos von Günther Verheugen gibt.
Grundsätzlich gesprochen, bin ich immer für Aufklärung, Ehrlichkeit und schonungslose Darstellung des Skandalons. Hier, allerdings, möchte ich eine Ausnahme machen: Ich möchte keine Bilder sehen, auf denen Günther Verheugen nackt ist. Überhaupt keine Bilder. Nicht in Farbe, nicht in schwarz-weiß, nicht in Briefmarkengröße und grieselig. Mehr noch: Ich möchte keine Artikel lesen, die dazu führen, dass in meine Kopf Bilder entstehen, auf denen Günther Verheugen nackt ist, auch dies unter keinerlei Umständen.
Worum es in dem Skandal geht, weiß ich nicht, aber ich nehme an, es geht um Geld. Was kann so ein Skandal den einzelnen EU-Bürger schon kosten, pro Kopf? 50 Cents? Einen Euro? Ein Euro 50? Das ist es mir gerne wert, niemals ein Bild …. Nein … Hilfe! Hilfe!
07.12.2006 von
In diesen Tagen macht es richtig Spaß, die Verrenkungen der deutschen Bush-Apologeten zu beobachten, wo klar ist, dass Dubya mal wieder das Schiff in den Sand gesetzt hat und von den reichen Freunden seines Vaters gerettet werden muss. Wobei, Dubya ist bereits aufgegeben, so wie Palpatine nach seinem eher unerfreulichen Zusammenstoß mit Darth Vader (der übrigens, Über-Con Bill Kristol zufolge, der erste Neocon war). Nun geht es nur noch darum, die Baupläne des Todessterns zu sicherzustellen.
Malte Lehming vom Tagesspiegel, der Bush für den Größten Präsidenten aller Zeiten hielt, glaubt, jetzt hätten sich die Realisten gegen die Idealisten durchgesetzt – die Realisten, das sind die “alten” Amerikaner, die Vietnam bombardiert und Massenmörder in Südamerika unterstützt haben, während die Neocons Idealisten seien, die Demokratie verbreiten wollen. Ins gleiche Horn stößt Claus Christian Malzahn vom Spiegel — Malzahn ist der kleine lustige Sidekick von Henryk M. Broder — der hofft, dass die Ideale der… weiter lesen
04.12.2006 von
John Bolton wird nicht mehr als Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen antreten, nachdem das PNAC-Mitglied mit dem rauhen Charme (“Wenn man vom UN-Gebäude zehn Stockwerke absäbeln würde, würde es keiner merken”) keine Mehrheit bei den eigenen Leuten fand, geschweige denn sonstwo.
Das steht heute in allen Zeitungen, auch in der New York Times. Interessant ist allerdings, wie die Times darüber schreibt. Die Zeitung hatte nämlich zuvor Bolton unterstützt, wenngleich ein wenig skeptisch. Nun hinterlässt sein Abgang laut Times “gemischte Reaktionen” bei den Vereinten Nationen.
http://www.nytimes.com/2006/12/04/world/05nationscnd.html?hp&ex=1165294800&en=085c276f00daf688&ei=5094&partner=homepage
Gemischt? Es müsste also UN-Mitarbeiter und Botschafter geben, die ihn gut fanden, und andere, die in schlecht fanden, idealerweise halbe-halbe. Allerdings zitiert der Artikel eigentlich nur Leute, die bestenfalls sagen: “Ich hätte das anders gemacht”.
Das Gute findet sich erst ganz zum Schluss: Er hat dafür gesorgt, dass Sitzungen pünktlich begannen. Pünktlich! Das ist ungefähr so wie das Arbeitszeugnis, in dem steht: “Wegen… weiter lesen
02.12.2006 von
In Deutschland gilt demnächst Rauchverbot light — es darf nicht mehr geraucht werden, aber eigentlich doch, zumindest ist das Verbot ist auf freiwilliger Basis. Immerhin: Damit wäre Berlin so weit wie New York vor ungefähr zehn Jahren. Heute ist in New York Rauchen in Bars, Restaurants und Cafes — die voller sind denn je — streng verboten und selbst auf dem Bürgersteig wird es nur geduldet.
In Deutschland argumentieren hingegen die Raucher, dass Schweinebraten auch ungesund sei, im Irrglauben, die Nichtraucher interessierten sich für deren Gesundheit. Nein, die Nichtraucher interessieren sich ausschließlich für ihre eigene Lebensqualität. Der Krebs der Raucher geht ihnen am Hintern vorbei.
Nichtraucher wiederum machen den Fehlern, Rauchern erklären zu wollen, warum Rauchen schädlich sei. Das ist sinnlos. Raucher rauchen aus einem einzigen Grund: Weil Nikotin — und einige andere chemische Zusatzstoffe – süchtig machen. Ein Streit darüber hat so viel Sinn, wie einem Junkie zu erklären,… weiter lesen