Chiricahua und Mescalero

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Zu meiner Lieblingslektüre gehören Kolumnen von Amerikanern, die uns Deutschen gute Ratschläge über unser Land erteilen, ohne jemals hier gewesen zu sein oder die Sprache zu sprechen. Sollten Amerikaner nicht erst einmal herausfinden, warum sie von den Irakern nicht mit Blumen begrüsst wurden, bevor sie woanders Unheil anrichten?

Jedenfalls, Marcia Pally erklärt uns in der taz mal wieder, was wir denken, wenn wir Amerika hören, nämlich Cowboy-Mentalität, Schusswaffen, Sexskandale und Krieg. Sex-Skandale? Da, liebe Marcia, denken wir an Frankreich. Bei Amerika denken wir an Barbie. Da können eure Politiker Nutten besuchen bis ans Ende ihrer Tage.

Außerdem wundert sich Marcia Pally darüber, warum Deutschland die Schlesier aufgenommen haben, obwohl die doch seit Jahrhunderten in Schlesien lebten, aber ein Problem mit töchtermordenden Goldkettchenklimperern haben. Lass es mich erklären, liebe Marcia: Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Truman, Stalin und Churchill in Potsdam beschlossen, 14 Millionen Deutsche aus den Ostgebieten, darunter Schlesien, umzusiedeln. Davon kamen zwei bis vier Millionen auf der Flucht um, die übrigen wurden auf Geheiß der Alliierten in Deutschland aufgenommen und integriert. Hätten wir die, so wie die Palästinenser in Jordanien und Libanon, für die nächsten 60 Jahre in Zeltstädten an der Grenze halten sollen? Oder sollen die nun wieder zurück nach Schlesien? Lass es mich wissen, ich freue mich immer, mit einer Kennerin europäischer Geschichte zu diskutieren.

Oder geht es eher darum, dass deutschstämmige Amerikaner nicht gleichbehandelt werden und nicht nach Deutschland zurückdürfen? Da ist natürlich was dran. Niemand leidet ja heutzutage so sehr wie die Amerikaner, besonders die Linken. Die Ärmsten müssen sich dauernd rechtfertigen, warum sie zweimal für Bush gestimmt haben, hinter ihrem Rücken gibt es scheele Blicke, ihre Freunde in Paris grüßen sie nicht mehr mit Küsschen, und es erscheinen Kolumnen, die sich über sie lustig machen. Dabei haben sie doch alle immer ihre Faust in der Tasche geballt, als Bush in den Irak einmarschiert ist, gut, nicht sofort, aber sobald es anfing, dort schief zu gehen.

Diese Leiden sind mindestens so hart wie ein stalinistisches Arbeitslager und deshalb sollten wir die Deutschamerikaner schleunigst aufnehmen. Vielleicht fangen wir aber erst mal mit einem an: Donald Rumsfeld, der wird hier, glaube ich, noch von irgendeinem Staatsanwalt gesucht. Der Rest kann dann später kommen.

Das wiederum gibt Amerika genug Zeit, seine eigene Einwanderungspolitik zu liberalisieren. Das ungewöhnliche ist nämlich nicht, dass Deutschland deutschstämmige Einwanderer aufnimmt, das tut jedes Land. Israel nimmt sogar Leute auf, deren Vorfahren zuletzt vor 2000 Jahren ihren Fuß dorthin gesetzt haben. Das ungewöhnliche ist, dass Amerika das nicht tut. An der Grenze zwischen Mexico und New Mexico leben die Apachen, seit, ich glaube, 20.000 Jahren. Die Mescalero Apachen leben auf der US-Seite der Grenze, die Chiricahua Apachen auf der mexikanischen Seite. Sie brauchen, wenn sie ihre Mescalero-Verwandten besuchen wollen, ein Visum.

Das sollte sich doch sofort ändern, am besten dadurch, dass der Zaun zwischen Mexico und den USA ersatzlos abgerissen wird. Als nächstes könnten dann zwei Millionen irakische Kriegsflüchtlinge in den USA unterkommen, und auch das Palästinenserproblem ließe sich am einfachsten lösen, wenn all diese Leute amerikanische Pässe bekämen. Wir versprechen dann auch, mit guten Ratschlägen jederzeit bereit zu stehen.


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