23.06.2009 von Eva Schweitzer
Gestern war ich im Times Center: Bill Keller, der Chefredakteur der New York Times sprach vor ein paar hundert Interessierten, dabei wurde er von einem Redakteur interviewt, der ungefähr halb so alt war wie er. Komisch war nur, der Redakteur wollte dauernd über die gute alte Zeit reden, als Keller noch Sacharow in Moskau interviewte (in gebrochenen Russisch, wie er sagte – sollte ein Times-Auslandskorrespondent nicht die Landessprache können?), während Keller sich lieber über die Twitter-Revolution im Iran begeistern wollte, wo er gerade herkam.
Aber nun wieder zu der Serie: Kommunikation zwischen Redakteuren und Freien. Eine Quelle des Missverständnisses ist, dass Redakteure in einer anderen Zeitzone leben, und damit meine ich nicht Berlin oder New York. Nein, die Zeit verläuft bei uns anders, ähnlich, wie die Zeit auf der Enterprise anders verlaufen sollte, wenn sie mit Warp-Geschwindigkeit fliegt, was sie nicht tut, weil das den Drehbuchschreiben zu kompliziert ist; gleichviel:… weiter lesen
22.06.2009 von Eva Schweitzer
Es ist Sonntagnachmittag und ich habe die Morgentalkshows überstanden. David Gregory hat auf Meet the Press Bibi Netanyahu interviewt und Howard Kurtz hat auf CNN Dave Letterman abgewatscht, weil der Sarah Palin beleidigt hat. Ein paar Tage vorher war ich auf der Anti-Letterman-Demo, wo die Presse den stärksten Block bildete und habe einem als konservativen Blogger verkleideten Digicambesitzer ein Interview gegeben, aber ich glaube, das erblickt nie das Licht der Welt.
Nun zu etwas vollkommen anderen: Das Verhältnis zwischen Redakteuren und freien Mitarbeitern. Ich glaube, viel zur Kommunikation beitragen zu können, denn ich kenne beide Seiten. Lasst mich mit einem einfachen Beispiel anfangen, der Auftragsannahme.
Freie, um das einmal vorauszuschicken, sind Auftragnehmer der Redakteure, und als solche selbstständige Unternehmer, sie sind keine Praktikanten, Voluntäre, Aushilfsredakteure, Urlaubsvertretungen oder Berater, was billige Hotels in New York angeht. Freie arbeiten, sobald ein Redakteur einen Auftrag erteilt. Es gibt Freie,… weiter lesen
20.06.2009 von Eva Schweitzer
Die amerikanischen Medien sind furchtbar aufgeregt über die Demonstrationen im Iran. Endlich dürfen sie mal voller Begeisterung auf Seiten der Demonstranten zu berichten, statt sich – wie bei der Wahlfälschung in Florida – brav auf die Seite der Regierung zu stellen. CNN hat ein neues Gerät entwickelt, um Leute im Iran zu interviewen, es sieht aus wie ein etwas dickerer Kugelschreiber, hat aber ein Mikrofon eingebaut, eine Minikamera, und kann Daten direkt nach Atlanta senden.
Ich wünschte, sie würden mich damit mal interviewen, dann würde ich den Reporter auf einen Schnaps einladen, ihn abfüllen und ihm dann die Kugelschreiberkamera entwenden. So was könnte ich wirklich gut gebrauchen, und in den Zeiten, wo wir über die Lockerung des Urheberrechts reden, sollte das auch möglich sein; der Materialwert des Dinges ist sicher weniger als der Schnaps, den ich ausgebe.
Ich frage mich allerdings: Ist es wirklich so schlau, das Gerät stolz im… weiter lesen
18.06.2009 von Eva Schweitzer
Hier sind die Schlagzeilen des Tages aus den USA: Im Iran protestieren die Leute gegen Wahlbetrug (richtig schade, dass wir das 2000 in Florida nicht hinbekommen haben), Tim Geithner weitet die Macht der Fed aus, ein toter Pilot von Continental aus Belgien ist in Newark gelandet und PETA beschwert sich, weil Obama eine Fliege erschlagen hat.
Eine Fliege? Lasst mich überlegen, während der US-Besatzung des Iraks wurde eine Million Zivilisten getötet, es gibt vier Millionen Kriegsflüchtlinge, Kinder verhungern, und in Afghanistan sind alleine beim letzten Einsatz 140 Zivilisten getötet worden, die meisten davon Kinder. Und PETA interessiert sich für eine verdammte Fliege?
Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen will.
16.06.2009 von Eva Schweitzer
Am Wochenende war ich bei meiner Freundin Benita in Brooklyn, Kaffeetrinken. Ich hatte einen Blueberry Pie mitgebracht, der schmeckte wie geronnener Obstsaft, Benita tischte eine Hühnersuppe auf, deren Nudeln so lang waren, dass ich sie nicht auf den Löffel bekam, und wir redeten über das Fernsehen. New York ist dauernd im Fernsehen, immerfort drehen sie Serien, die hier spielen, Friends, Spin City, Sex and the City, die neueste ist 30 Rock, und alle Charaktere haben dort Wohnungen, die sich in echt niemand leisten könnte, jedenfalls niemand, der den ganzen Tag mit seinen Freundinnen bruncht statt zu arbeiten.
Wir meckerten also über‘s Fernsehen und dann sagte Benita plötzlich: “Ich kann Obama im Fernsehen nicht mehr ertragen – immer, wenn ich einschalte, sehe ich Obama. Obama redet über Health Care, Obama redet über Muslims, Obama macht Witze bei Leno, Obama beantwortet Journalistenfragen auf Meet the Press, Obama veranstaltet Führungen durchs Weiße Haus,… weiter lesen
12.06.2009 von Eva Schweitzer
In Deutschland wird über Gitmo noch diskutiert, aber in Amerika sind die Würfel gefallen: Die USA akzeptieren keine Gefangenen, (deren jüngster bei der Entführung übrigens 14 war), Obama hat dem innenpolitischen Druck nachgegeben. Inzwischen haben die Bermudas ein paar Insassen aufgenommen, ohne dass die USA es für nötig hielten, deren britischen Kolonialherren Bescheid zu sagen. Ja, so kann‘s gehen, wenn man nicht mehr die militärischen Mittel hat, seine Kolonien adäquat zu verteidigen.
Der Rest kommt nach Palau. Übrigens ist auch Palau nicht so ein Paradies, wie manche glauben, berichtet Slate. Und so möchte auch ich mich länger der Idee verschließen, Uiguren in Deutschland aufzunehmen, immer gab es ja auch bei uns War-on-Terror-Befürworter.
Doch halt! Nicht alle gehörten dazu. Hier also mein Vorschlag: Diejenigen, die publizistisch in die Vorlage gegangen sind, den Irakkrieg zu verteidigen, nehmen nun auch Uiguren auf. Es geht ja nur um fünf oder… weiter lesen
11.06.2009 von Eva Schweitzer
Guantanamo und kein Ende: Palau, eine vom US-Militär kontrollierte Kolonie auf einer abgelegenen Inselgruppe hat sich bereit erklärt, gegen Zahlung von 200 Millionen Dollar ein Guantanamo Light einzurichten.
Aber die Debatte in der deutschen Presse hört nicht auf. Hätte Deutschland doch zugreifen sollen? Dabei sitzen die meisten Kommentatoren einem Missverständnis auf. Es geht nicht um humanitäre Hilfe für die Uiguren (die USA werden sowieso nicht erlauben, dass die in Deutschland frei herumlaufen), es geht um eine Geste gegenüber der Obama-Regierung, um deren innenpolitisches Standing zu stärken.
Obama ist unter Druck, denn die Uiguren haben letztinstanzlich vor einem Bundesgericht erstritten, dass sie aus Guantanamo freigelassen werden müsssen. In den USA kann er sie aber nicht aufnehmen, da die meisten Kommunalpolitiker schon bei dem Gedanken Amok laufen, die auch nur in Hochsicherheitsgefängnisse zu stecken, außerdem hat der Kongress bereits entsprechende Gelder gestrichen.
Selbst wenn Obama es gegen innenpolitischen Widerstände durchsetzt, Gefangene aufzunehmen,… weiter lesen
09.06.2009 von Eva Schweitzer
Die amerikanische Presse empört sich, dass Nordkorea zwei amerikanische Journalistinnen koreanischer Herkunft, Euna Lee und Laura Ling, zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt hat; die beiden wollten für den US-Minisender Current einen Film über die Zustände in Nordkorea drehen, ohne Drehgenehmigung natürlich; vermutlich sind sie in der Nähe der chinesischen Grenze entführt und ausgeliefert worden.
Nur, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, Nordkorea ist eine brutale Diktatur ohne einen Funken von Menschenrechten, zwölf Jahre Arbeitslager für den Versuch, einen Film zu drehen, ist tatsächlich empörend (wobei die beiden wahrscheinlich früher oder später freigekauft werden), und je eher welcher Kim auch immer dran ist, von der Macht verschwindet, desto besser.
Dass sich aber ausgerechnet Amerikaner aufregen, ist heuchlerisch. Tatsächlich regulieren es auch die USA, welche Ausländer innerhalb ihrer Grenzen Filme machen oder Artikel schreiben dürfen. In der Regel werden Ausländer, die ohne Genehmigung der US-Regierung journalistisch tätig werden, zwar nur… weiter lesen
07.06.2009 von Eva Schweitzer
Die deutschen Presseberichte zum Besuch von Obama in Kairo, Buchenwald und der Normandie lesen sich meistenteils wie Fernsehkritiken, wo dem Kritiker nicht recht klar ist, dass die bunten Figuren in der kleinen Kiste nicht real sind, sondern Schauspieler.
Obama ist, nur um das noch einmal klarzustellen, der Präsident der USA. Demzufolge sind seine Botschaften ausschließlich für das amerikanische Publikum bestimmt, und nicht etwa für die ausländische Staffage. Obama hat gerade ein paar Probleme: In Israel wurde ein Hardliner gewählt, was es nicht so einfach macht, weiter das unsinkbare Schlachtschiff der USA im Mittleren Osten vorbehaltlos zu unterstützen, die Amerikaner sind irakkriegmüde und schon gar nicht haben sie Lust, in den Iran einzumaschieren, und die bad publicity, soweit es Guantanamo betrifft, geht einfach nicht weg. Das nervt. Plus, es gibt eine radikale Rechte in Amerika, die darauf beharrt, dass Obama ein in Kenya geborener schwarzer Araber sei, dessen muslimischen Freunde ihn… weiter lesen
05.06.2009 von Eva Schweitzer
Junge, Junge, diese Piratenpartei, das scheint ja eine Galeere voller Sensibelchen zu sein. Da ruft man zu ihrer Wahl auf, und die meckern immer noch. Hoffentlich müssen die nicht mal ein echtes Schiff entern. Da würden die wahrscheinlich in Tränen ausbrechen, wenn der Klabautermann sie anruffelt.
Vielleicht kann sich einer der Herren verkannte Genies mal nützlich machen und mir kurz erklären, wie ich mein IMovie-Programm dazu bringe, Videos von meinem Blackberry einzulesen (und ja, ich habe Missing Sync). Dann brauche ich nicht zur Genius Bar in die Fifth Avenue zu dackeln, wo Horden von deutschen Touristen die Sicht auf das Empire State Building verstellen. Dafür würde ich mich bereit erklären, kostenfrei die Tipp- und Grammatikfehler aus euren Kommentaren zu entfernen.
Nun zu etwas vollkommen anderen: SPIEGEL Online. Bei SPIEGEL Online läuft gerade eine Serie eines amerikanischen Historikers namens Peter Baldwin, der sein neues Buch in Deutschland verkaufen will und auf… weiter lesen