31.07.2009 von Eva Schweitzer
Heute morgen sah ich eine Wiederholung von Larry King, es ging um die Henry-Louis-Gates-Festnahme, und darüber diskutierten Ann Coulter und Al Sharpton. Ann Coulter und Al Sharpton! Damit wurde “the bottom of the barrel” erreicht, wie wir Amerikaner sagen.
Ann Coulter ist eine rechtsradikale Wasserstoffblondine, die der Ansicht ist, der einzige Fehler, die der Oklahoma-City-Bomber Timothy McVeigh jemals gemacht hat, war, nicht auch noch die New York Times in die Luft gesprengt zu haben. Das ist das amerikanische Equivalent des oft gehörten Neonazi-Spruchs, Hitlers einziger Fehler war, den Job nicht zu Ende gebracht zu haben. Coulter wird in den USA bei Bertelsmann verlegt. Das finde ich eher merkwürdig: Warum bindet sich ein Verlag, der 60 Millionen Euro ausgegeben hat, um vergessen zu machen, dass er Bücher für die Wehrmacht verlegt hat, eine Neonazi-Tante ans Bein? Aber ich bin ja nicht Liz Mohn.
Al Sharpton ist so eine Art… weiter lesen
28.07.2009 von Eva Schweitzer
Der Streit um Henry Louis Gates geht unverdrossen weiter, als gäbe es in den USA kein anderes Thema, vom Mord an Michael Jackson mal abgesehen. Vorhin las ich einen Artikel in der New York Times mit der Überschrift 911 Tape Raises Questions in Gates Case und mein erster Gedanke war, es ist ein geheimes Tonband aufgetaucht, das NineEleven und unseren Pentagonchef, der auch Gates heißt, zusammen bringt, nein, es geht um den anderen Gates, der 58-jährige Harvard-Professor, der trotz Krücke für einen Einbrecher gehalten wurde.
Jedenfalls, in dem Artkel hieß es, die Frau, die die Polizei gerufen hat, habe gar nicht von einem schwarzen Mann gesprochen, und: Sie habe die Polizei darauf hingewiesen, dass es sich auch um den Hausbewohner handeln könne. Derweil musste die stellvertretende Pressesprecherin des Manhattaner Borough President zurücktreten, weil sie auf ihrer Facebooksite Obama nach der Gates-Krise “O-dumb-a”… weiter lesen
27.07.2009 von Eva Schweitzer
Ah – der Mann der Nachbarin ist entschwunden, ich habe die Wohnung wieder für mich allein! Für mich und natürlich für die beiden Katzen. Die neugierige Katze und ich haben schon eine gewissen Routine entwickelt: Ich gieße die Balkonpflanzen und sie springt hinter mir her wie ein kleiner Hund und versucht, den Wasserstrahl einzufangen. Auch die schüchterne Katze traut sich inzwischen ab und zu hinter mir her.
Als erstes mache ich ihnen aber Futter zurecht, das begeistert beide, erstaunlicherweise aber nur das Futteranrühren, das eigentlich Futtern geschieht eher langsam. Vorhin habe ich, nur so als Test, einen kleinen Rand vom Steak kleingeschnitten, und die neugierige Katze hat das ratz-fatz aufgefressen. Der Teil, wo sie etwas davon an die schüchterne Katze abgeben sollte, klappte dann nicht so gut, statt dessen kriegte ich einen Tatzenhieb ab. Danach probierte die neugierige Katze aus, welche Teile von mir noch essbar sind, vielleicht die Zehen?… weiter lesen
26.07.2009 von Eva Schweitzer
Gestern hörte ich ein fernes Maunzen, und als ich die Tür öffnete, sah ich die neugierige Katze im Treppenhaus, wie sie den Läufer betaschte. Kaum sah sie mich, lief sie flugs in meine Wohnung und schnupperte überall herum. Es stellte sich heraus, der Nachbarin Nummer Drei, die die Mittagsschicht hat, ist die Katze entkommen, nicht zum ersten Mal übrigens. Am liebsten läuft die Katze nach oben, ins Dachgeschoss, da wohnt jemand, der angeblich eine Katzenallergie hat. Das riecht sie wahrscheinlich. In den Hof traut sie sich noch nicht, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Die schüchterne Katze blieb derweil brav oben.
Ich fütterte die Katze mit salzlosem Käse, hinter dem Rücken meines Wohnis, der aus persönlichkeitsstrukturellen Gründen etwas gegen Haustiere hat, und brachte sie wieder nach oben. Dann musste ich zu Ikea enteilen, eine Vitrine zu kaufen. Nun sitze ich am Schreibtisch und lese die Los Angeles Times,… weiter lesen
25.07.2009 von Eva Schweitzer
Warum ist Obama schwarz? Man könnte es sich einfach machen und sagen, weil nach den Rassetrennungsgesetzen der USA, die zu seiner Geburt galten, jeder schwarz war, der “einen Tropfen schwarzen Blutes” hatten; sowieso ein eher theoretisches Konstrukt, aber bei Obama dürfte der Anteil durchaus ununstritten sein. Ist es wichtig? Oh ja, es ist wichtig.
Es ist das einzige, was an ihm interessant und anders ist, deshalb hatte er auch die Unterstützung schwarzer Republikaner wie Colin Powell. Politisch steht er den Republikaner nicht so fern. Er beglückt die Wall Street, wird Guantanamo, wenn überhaupt, nur auf Kosten der Europäer schließen, stockt Truppen in Afghanistan auf und reduziert nicht wirklich die Truppen im Irak (die permanenten Basen bleiben); an die Krankenversicherung glaube ich, wenn sie meine erste Rechnung bezahlt. Nein, dass Besondere an Obama ist, dass er schwarz ist. Amerika redet über nichts anderes: Hat er sich im Fall des… weiter lesen
23.07.2009 von Eva Schweitzer
Meine beiden Katzen entwickeln sich prima. Ich habe inzwischen Nachbarin Eins und Nachbarin Zwei aus dem Weg geellbogt und sorge dafür, dass beide vernünftig ernährt werden (die Katzen, nicht die Nachbarinnen), und dass die neugierige Katze als auch die schüchterne Katze hinreichend bespasst werden. Die neugierige Katze möchte bloß, leider, dauernd aus der Tür und die Treppe hinauflaufen. Ja, wie Dick Cheney sagt, irgendwann ist Schluss mit der Freiheit.
Die neugierige Katze trabt dauernd wie ein kleiner Hund neben mir her und möchte am liebsten mit dem laufenden Wasserstrahl spielen, und am allerliebsten mit dem aus der Gießkanne. Deshalb habe ich ein paar Topfpflanzen, fürchte ich, fast ertränkt. Sorry. Ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass die Katze nicht genug trinkt, denn stehendes Wasser rührt sie nicht an. Vorsichtshalber habe ich ihr auch kein Huhn gegeben, denn das ist gesalzen. Vielleicht schieße ich morgen mal eine Taube nieder.
Die schüchterne… weiter lesen
22.07.2009 von Eva Schweitzer
Meine Nachbarin ist in den Urlaub gefahren, und hat mir ihre zwei Katzen hinterlassen. Nicht nur mir, es gibt ein ganzes Heer von Nachbarn, dass sich um die beiden kümmert, zwei süße, beinahe schwarze junge Katzen, von denen die eine neugierig ist und die andere schüchtern. Nicht nur die Katzen wurden hinterlassen, auch ein Anleitung, was die zu futtern bekämen und wo sie zu schlafen haben. Sie schlafen nachts auf dem Balkon, erstaunlich, denn eigentlich toben Katzen nachts durch die Wohnung. Und sie bekommen Katzenfutter mit Kartoffeln.
Kartoffeln! Seit wann essen Katzen Kartoffeln? Nachbarin Nummer eins versicherte mir, das seien eben die Anweisungen. Vorsichtshalber googelte ich, das und stellte fest, immerhin sind Kartoffeln für Katzen nicht giftig, wenngleich kaum verdaubar. Ich fütterte die Katzen also mit einer Kartoffel-Katzenfutter-Mischung (gekochte Kartoffeln, ohne Salz), und schob noch eine Dose reines Katzenfutter hinterher. Sicher ist sicher. Danach goss ich die Blumen, und die… weiter lesen
20.07.2009 von Eva Schweitzer
Marwa und kein Ende: Zweieinhalb Wochen nach dem Mord an einer Ägypterin durch einen Russlanddeutschen in einem Dresdner Gericht stellt die deutsche Presse immer noch die Frage: Warum konnte das passieren, und: Warum schweigen wir dazu? Warum haben wir drei Tage, fünf Tage, sieben Tage lang nichts zu dem Mord geschrieben?
Schweigen? Das Schweigen dröhnt seit Tagen ungefähr so laut wie das gesammelte Schweigen nach dem Tod von Michael Jackson. Zunächst mal ein paar Facts: Zur Stunde bietet Google News 2370 Artikel zum Thema Marwa, am 5. Juli, zwei Tage nach dem Mord, waren es immerhin 1274 Artikel, die meisten Doubletten, aber das ist immer so.
Rechnen wir das mal hoch auf, sagen wir, 555 Journalisten, die sich über das Schweigen zu Marwa beklagen und sich fragen, wie das passieren konnte. Hier ist ein Vorschlag: Der Mord ist fast drei Wochen her, wie wäre es, wenn sich wenigstens einer davon… weiter lesen
15.07.2009 von Eva Schweitzer
Obama möchte, so erfahre ich aus deutschen Zeitungen, die Kriegsverbrechen der Bush-Regierung nur ganz ungerne aufarbeiten, weil er sich nämlich darum kümmern muss, eine Krankenversicherung in den USA aufzubauen. Eine Krankenversicherung! Ich habe ja Verständnis, in Deutschland war es 1945 auch wichtiger, zerbombte Häuser wieder aufzubauen. Aber Amerika hat es ganz gut geschafft, den Irakkrieg anzufangen ohne eine Krankenversicherung, was rede ich, schon beim Vietnamkrieg gab es keine Krankenversicherung, da dürfte es auf ein paar Jahre mehr nicht drauf ankommen.
Der eigentliche Grund ist natürlich, dass der Irakkrieg und Guantanamo keine Privataktionen von George W. Bush waren, dahinter stand Amerika mit einer soliden Zwei-Drittel-Mehrheit. Die bröckelte erst, als die irakischen Aufständischen Landgewinne machten. Da guckt keiner so gerne in den Spiegel. Und Obama wurde gewählt, um Amerikanern das ersehnte wir-sind-wieder-wer, wir-sind-die-moralische-Führungsriege-des-Planeten-Gefühl wiederzugegeben. Wenn er statt dessen Folterprozesse initiert, dürften seine Ratings rasch die gleichen Niedrigwerte erreichen wie die seines Vorgängers.… weiter lesen
14.07.2009 von Eva Schweitzer
Der Mord von Dresden beschäftigt immer noch die gesamte deutsche Presse. Ein bisschen spät, aber erst hatten ja alle gedacht, es sei bloß ein gewöhnlicher Mord an einer Frau; wer wird sich denn darüber aufregen. Dass Frauen von wütenden Männern umgebracht werden, ist doch ganz normal und keine Schlagzeile wert.
Jetzt aber stellt sich heraus, das hat politische Implikationen: Ein russischer Einwanderer hat eine Frau aus Ägypten umgebracht, die ein Kopftuch trug. Es ist ein bestialischer Mord, er geschah in einem Gerichtssaal vor den Augen des Staatsanwaltes, und man sollte sich mal fragen, ob die in Dresden nicht ganz generell mit der Strafverfolgung überfordert sind – sind das nicht die gleichen, die im Fall Mario Mederake unfähig waren, einen vorbestraften Vergewaltiger in ihrem eigenen Polizeicomputer zu finden?
Die Diskussion darüber verläuft allerdings eher merkwürdig: Die Linke beharrt darauf, dass es sich um den Mörder um einen Deutschen handelt. Der Mann… weiter lesen